┬ę Kurier/Gerhard Deutsch

Wissen Gesundheit
01/10/2022

Debatte, ob der Antigentest bei Omikron noch funktioniert

Kleine Studien deuten daraufhin, dass Omikron in der Nase eher erst am Tag des Symptombeginns oder danach nachweisbar ist.

von Anita Kattinger

Die Anfangs-Freude war gro├č, als die ersten deutschen, infizierten Reiser├╝ckkehrer aus S├╝dafrika auch mit Antigentests - und nicht nur mit dem Goldstandard PCR - positiv auf die neue Virusvariante Omikron getestet wurden. Die deutsche Virologin Sandra Ciesek postete damals einige Herstellernamen und sorgte damit f├╝r Erleichterung.

Zahlreiche Berichte aus anderen L├Ąndern wie aus Gro├čbritannien (UK Health Security Agency) dokumentierten, dass die meisten Antigentests auf Omikron anschlagen, da sie auf ein spezielles Protein testen, das bei Omikron nur wenige Mutationen aufweist. Zudem wiesen bereits fr├╝here Varianten zwei von diesen vier Mutationen auf und auch hier konnten Antigentests Infizierte erkennen.

Doch seit rund zwei Wochen gibt es anekdotische Berichte in sozialen Netzwerken, in denen Infizierte erz├Ąhlen, dass der Antigentest bei ihnen erst bei einem Abstrich des Rachens und nicht im vorderen Nasenbereich angeschlagen hatten.

Die Social Media-Berichte sorgten vor allem in den USA f├╝r gro├čes Interesse, da Antigentests dort erst seit Kurzem von der Bev├Âlkerung als Kontrollma├čnahme eingesetzt werden k├Ânnen und diese f├╝r einen Abstrich in der Nase freigegeben wurden.

Aus diesem Grund warnte die FDA auch am Wochenende, dass der Teststab nur so verwendet werden d├╝rfe wie vom Hersteller angegeben.

Was wei├č man konkret ├╝ber die Aussagekraft von Antigentests bei Omikron?

Eine aktuelle Vorab-Studie aus den USA und ein Preprint aus S├╝dafrika gehen der Frage mit jeweils sehr kleinen Fallzahlen nach. Die US-Studie, die von der Fachwelt noch nicht begutachtet wurde, untersuchte B├╝ro-Ausbr├╝che in gro├čen St├Ądten wie New York und Los Angeles (hier k├Ânnen Sie die Studie auf Englisch nachlesen).

Bei den 30 geimpften Infizierten schlug der Antigentest zwei bis drei Tage nach dem ersten positiven PCR-Test (Speichel) an, obwohl die Viruslast der Infizierten mit einem CT-Wert von unter 29 wahrscheinlich schon ansteckend war. Bei h├Âherer Viruslast in der Nase schlugen alle Antigentests an.

Allerdings: Bei einigen Infizierten wurde am Tag 1 der Symptome zudem ein PCR-Abstrich im vorderen Nasenbereich gezogen. Auch hier l├Ąsst sich sagen, dass bei der PCR der Zeitpunkt mit der h├Âchsten Omikron-Viruslast im Speichel bereits ein bis zwei Tage fr├╝her war als im vorderen Nasenbereich.

Die Vorab-Studie aus S├╝dafrika stammt aus jenen sechs Wochen, als Omikron entdeckt und dominant wurde (hier k├Ânnen Sie die Studie auf Englisch nachlesen): Hier wurde ein Vergleich zwischen Omikron- und Delta-F├Ąllen vorgenommen. Bei f├╝nf von 31 positiven Omikron-F├Ąllen zeigte sich, dass nur die Speichel-PCR und nicht die Nasenprobe anschlug.

Laut beiden Studien besteht also die M├Âglichkeit, dass die Viruslast bei Omikron im Speichel und im Rachen eher vor Symptombeginn nachweisbar ist als in der Nase, zudem k├Ânnte es sein, dass Omikron im vorderen Nasenbereich etwas zeitverz├Âgert erst am Tag oder einige Tage nach Symptombeginn nachweisbar ist.

Was hei├čt das f├╝r Antigentests in ├ľsterreich?

In L├Ąndern wie den USA und Gro├čbritannien, wo es fast keine Eind├Ąmmungsma├čnahmen der Pandemie gibt und die Regierungen ein Durchseuchen/Durchlaufen der Gesellschaft in Kauf nehmen, ist diese Erkenntnis, sofern sie in gro├čen Studien best├Ątigt werden, von gr├Â├čerer Relevanz als in L├Ąndern wie ├ľsterreich oder Deutschland.

Christian Drosten vergangene Woche ├╝ber die Rolle von Antigentests in der Pandemie vergangene Woche im NDR-Podcast: "Wir haben Antigenschnelltests und wir wissen eigentlich, die Antigentests, die helfen gegen dieses Omikron-Virus gut, so gut wie gegen die anderen Viren auch. Und es gibt zwar hier und da in Social Media mal eine Meldung, dass es schlechter wirken k├Ânnte, aber da muss man nat├╝rlich immer auch sagen: Seitdem wir impfen, sind diese Antigentests geringf├╝gig ein bisschen schlechter sensitiv. Das sind alles vernachl├Ąssigbare Effekte. Aber insgesamt haben wir doch verglichen mit dem Fr├╝hjahr 2020 ein ganz anderes Werkzeug in der Hand durch die Testung. Wir k├Ânnen eben regelm├Ą├čig testen. Wir k├Ânnen auch Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler vor Schulbeginn mehrmals pro Woche testen. Alleine das erlaubt es ja auch, solchen Betrieb aufrechtzuerhalten."

In Staaten mit FFP2-Tragepflicht, 2G im Handel und der Gastronomie sowie 3G am Arbeitsplatz wie in ├ľsterreich, h├Ąngt die Antwort von der Aussagekraft von Antigentests davon ab, f├╝r wen und wann der Test eingesetzt wird. In Wien, wo es fl├Ąchendeckend das PCR-Testprogramm "Alles gurgelt" gibt, h├Ątte die Erkenntnis weniger Auswirkung: Wenn Geimpfte Symptome versp├╝ren, dann w├╝rden sie zwar zu einem Antigentest in der Fr├╝h greifen, aber danach gurgeln. Am Abend h├Ątten sie das PCR-Ergebnis, das bei "Alles gurgelt" auf Speichel beruht.

Geimpfte, die sich gesund f├╝hlen und keine Symptome zeigen, d├╝rften sich auf sogenannte Wohnzimmertests (Abstrich im vorderen Nasenbereich) bei Omikron nicht verlassen, wenn sie zum Beispiel vulnerable Familienmitglieder besuchen wollen. Allerdings w├╝rde ein Wohnzimmertest bei Wiederholungen an mehreren Tagen hintereinander bei hoher Viruslast in der Nase anschlagen.

Ungeimpfte Erwachsene m├╝ssen sich in ├ľsterreich f├╝r den Arbeitsplatz offiziell in Apotheken oder Teststra├čen testen lassen: Hier wird bei Antigentests ein Rachenabstrich oder ein Nasenrachenabstrich genommen. Zwar liegen noch keine Erkenntnisse f├╝r den Nasenrachenbereich vor, allerdings kann man vorsichtig davon ausgehen, dass Omikron-Viren sich hier wie im Rachen ebenso fr├╝her festsetzen w├╝rden.

Vor allem f├╝r ungeimpfte Kinder br├Ąuchte es eine Test-Strategie, die entweder PCR-Testungen an mehreren Tagen die Woche vorsieht oder eine Kombination mit Antigentests. So gab das Burgenland als bisher einziges Bundesland gab am Wochenende eine Test-Strategie f├╝r Kindertagesst├Ątten bekannt.

Gesundheitsminister Lauterbach gibt Studie in Auftrag

Was l├Ąsst sich generell zur Viruslast von Omikron sagen? Drosten im NDR-Podcast: "Man hat dezente Hinweise darauf, dass Leute mit Omikron-Infektionen noch f├╝r l├Ąngere Zeit infekti├Âs sind. Beispielsweise ├╝brigens auch wieder aus dieser d├Ąnischen Haushaltsstudie. Was man hier beispielsweise sieht, ist, wenn man am ersten Tag nach der Infektion guckt, dann sind bei beiden Viren so drei bis vier Prozent der Kontaktf├Ąlle schon positiv. Das hei├čt, diese Fr├╝hphase der Infektion scheint bei Omikron und Delta gleich zu sein in der Virus-Ausscheidung. Aber am siebten Tag sind bei Omikron schon 31 Prozent positiv. Das ist ja die volle Secondary Attack Rate und bei Delta eben nur 21 Prozent. Das hei├čt, nach hinten hin w├Ąchst das bei Omikron st├Ąrker zu."

Eine aktuelle Vorabstudie aus Japan zeigt (hier zur Studie auf Englisch): Den Gipfel der Viruslast erreicht Omikron drei bis sechs Tage nach Symptombeginn. Das w├Ąre ein deutlicher Unterschied zu Delta.

Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach will sich nicht auf die bisherigen Erfahrungsberichte verlassen und hat eine gro├če Studie beim Paul-Ehrlich-Institut in Auftrag gegeben, dies brauche allerdings Zeit.

Damit solle eine bessere Orientierung bei der Testauswahl erm├Âglicht werden. Die Erkenntnisse zu Tests, die in den vergangenen Monaten ausgewertet wurden, k├Ânne man nicht direkt auf Omikron ├╝bertragen. Sinnvoll sei es, aktuell Schnelltests gegebenenfalls mehrfach durchzuf├╝hren, riet der SPD-Politiker.

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