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Wissen Gesundheit
11/13/2020

Coronavirus: Wie lange muss ein härterer Lockdown sein?

Ausblick. Vier Wochen könnten notwendig sein, um die Zahl der Neuinfektionen ausreichend zu senken.

von Ernst Mauritz, Susanne Mauthner-Weber

„Wenn man das Ziel hat, dass maximal zehn Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt sind, brauchen wir eine drastische Reduktion der Fallzahlen. Und das ist nicht in einer kürzeren Zeit als in vier Wochen zu erwarten – auch nicht bei so einem harten Lockdown wie im März.“ Das sagt Komplexitätsforscher Peter Klimek vom Complexity Science Hub Wien (CSH).

14 Tage sind dann das Minimum, um einen nachhaltigen Trend beobachten zu können. In den vergangenen Tagen habe sich – „auf extrem hohem Niveau“ – die Wachstumsrate zwar abgeschwächt, „aber wir haben – über die Woche betrachtet – immer noch steigende Neuinzidenzen. Die bisherigen Effekte reichen nicht aus.“

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Diese 14 Tage umfassen zwei sogenannte „serielle Intervalle“ (Zeitspanne von Symptombeginn des Infizierten bis zum Symptombeginn eines von ihm Angesteckten, im Schnitt drei bis fünf Tage) mit einer Toleranz für Nachmeldungen und einer Abschätzung eines Trends.

„Überall nachschärfen“

Illusorisch sei es zu glauben, die Infektionszahlen genau so steuern zu können, dass es gerade nicht zu einer Überlastung der Intensivstationen kommt: Das sei ein Spiel mit dem Feuer. „Wir werden in allen Lebensbereichen nachschärfen müssen“, sagt Klimek. Was die Schulen betreffe, finde man vielleicht kreativere Lösungen als sie zuzusperren, aber „dass man Prävention auch in den Schulen betreiben muss – sei es mit Masken oder gestaffelten Beginnzeiten etwa – ist klar, denn sie tragen auch zum Infektionsgeschehen bei.“

Überlegen, wo man nachschärft

Auch die Epidemiologin Eva Schernhammer von der MedUni Wien geht davon aus, dass man bei verschärften Maßnahmen nach zwei Wochen sehen wird, ob der Abwärtstrend ausreicht. Wenn jetzt nachgeschärft werde, sollte man überlegen, was den größten Effekt und den geringsten Kollateralschaden erzielt: „Im Frühjahr etwa waren viel mehr Menschen im Homeoffice als derzeit.“

Vor allem Volksschulen würde sie versuchen offen zu lassen: „Nach ihren Öffnungen im Anschluss an den ersten Lockdown hat man im Frühjahr wenig Veränderungen bei den Infektionszahlen gesehen.“ Insgesamt sei es jetzt ein Balanceakt, die richtigen Maßnahmen zu finden. Für die Zukunft sollte man sich aber auch Alternativen zu einem Lockdown überlegen: „Vielleicht können es Antigen-Massentests wie in der Slowakei sein, um nur eine Sache zu nennen.“

Eine „optimale Lockdown-Länge“ gibt es nicht, sagt Alexia Fürnkranz-Prskawetz vom Institut für Demographie der Akademie der Wissenschaften: „Eine Gesellschaft, die eher auf Gesundheit fokussiert, wird auf einen längeren Lockdown setzen, die, die eher die Wirtschaft im Kopf hat, wird ihn kürzer halten.“

 

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