Coronavirus: Wie groß die Infektionsgefahr tatsächlich ist

In Italien steigt die Zahl der Coronavirus-Fälle in Italien steigt weiter deutlich an.
Trotz der Ausbreitung gibt es auch positive Nachrichten: Weltweit könnte die Sterberate geringer sein als befürchtet.

Epidemie? Pandemie? Oder „Notlage von internationaler Tragweite“? Üblicherweise ruft die WHO eine Pandemie – eine länderübergreifende, rasche Ausbreitung eines neuen Erregers – aus, wenn die in einem Pandemie-Plan festgelegten Stufen eingetreten sind. „Das ist aber sehr vage definiert“, sagt Infektiologe Christoph Steininger, MedUni Wien/AKH Wien. „Es ist nicht festgelegt, wie viele Länder betroffen sein müssen.“ Viele Experten sehen zwar eine Entwicklung Richtung Pandemie, aber: Montagnachmittag teilte die WHO mit, dass die derzeitige Infektionswelle – vorerst – nicht als Pandemie eingestuft werde.

Wie heißt die neue Erkrankung? Wie das Virus?

Die Erkrankung wird offiziell „Covid-19“ genannt: das steht für Corona virus disease 2019. Das Virus selbst heißt SARS-CoV-2, umgangssprachlich „neuartiges Coronavirus“. Es ist das siebente Virus aus der großen Familie der Coronaviren, das beim Menschen Erkrankungen auslösen kann (neben SARS, MERS und vier harmlosen Erregern von grippalen Infekten).

Coronavirus: Wie groß die Infektionsgefahr tatsächlich ist

Was passiert bei einer Infektion im Körper? Warum verlaufen manche Erkrankungen tödlich?

Das Virus dringt über die Atemwege in den Körper ein, vermehrt sich schon im Rachen, vor allem aber in der Lunge. „Allein durch die entstehenden Entzündungen und die lokale Virenproduktion wird der Organismus stark geschwächt“, erklärt Infektiologe Steininger. Das Immunsystem von Gesunden wird jedoch leichter mit den Viren fertig. Bei bereits durch Vorerkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf, Atemwege, Diabetes) Beeinträchtigten kann das schwerere Folgen haben. „Das Virus beschäftigt den Körper so stark, dass Folgeerkrankungen, etwa durch Bakterien ausgelöst, dazukommen können.“ Das kann bis zum Organversagen führen. Chinesischen Studien zufolge verliefen bisher rund 80 Prozent der Erkrankungen mild. Daher wird aber auch vermutet, dass die Gesamtzahl der Infizierten viel höher liegt.

Wie hoch ist die Infektionsrate?

„Sie scheint sich auf einem durchschnittlichen Niveau von zwei bis drei Prozent einzupendeln“, sagt Steininger. Das wäre etwa höher als bei einer durchschnittlichen saisonalen Influenza mit im Schnitt zwei Ansteckungen pro Person, sagt Infektionsspezialist Herwig Kollaritsch: „Es könnte auch sein, dass es bereits eine Virusvariante gibt, die etwas leichter übertragbar geworden ist.“ Allerdings schwanken die Angaben, teilweise wird die Infektiosität auch als „mit der Influenza vergleichbar“ bezeichnet. Auf jeden Fall ist das neue Coronavirus deutlich weniger infektiös als Masern, betont Steininger. Ein mit Masern-Viren infizierter Mensch steckt mindestens zehn Menschen an. Meldungen über sogenannte „Superspreader“ (Superverteiler), die Dutzende Menschen angesteckt haben sollen, bewertet der Experte vorsichtig. „Man findet meist plausiblere Erklärungen.“ In mehreren Fällen, wo zunächst eine Einzelperson als Ansteckungsquelle vermutet wurde, waren es Ansteckungsketten von Mensch zu Mensch.

Und die Sterblichkeit?

In Wuhan und der Provinz Hubei ist sie deutlich höher als bei der saisonalen Influenza. Bei dieser liegt sie unter einem Prozent, bei SARS-CoV-2 liegt sie nach derzeitigen Daten in Wuhan zwischen zwei und drei Prozent der Infizierten. Außerhalb von Wuhan liegt die Sterblichkeit laut WHO bei 0,7 Prozent – und wäre damit mit der Influenza vergleichbar. „Das halte ich für realistisch, da ja die Infektionen ohne Symptome nicht erfasst werden und deshalb die tatsächliche Sterberate niedriger sein dürfte als die derzeitigen Angaben.“ An den Todesfällen in Italien erkenne man, dass vor allem ältere Menschen mit bestehenden Grunderkrankungen betroffen sind.

Wie wichtig ist es, in Italien den sogenannten „Patient 0“, von dem die dortige Infektionswelle ihren Ausgang nahm, zu finden?

„Für Europa macht es noch durchaus Sinn, jedem einzelnen Fall nachzugehen“, sagt Steininger. Dann könne man noch Eindämmungsmaßnahmen, etwa Quarantäne, setzen und so versuchen, Infektionsketten zu unterbrechen. In China ist das allerdings nicht mehr möglich.

Experten am Telefon

Dienstag von 11 bis 13 Uhr
Virologe Norbert Nowotny  von der VetMedUni Wien ist heute, Dienstag, 25. 2., von 11 bis 13 Uhr am KURIER-Telefon: 01 / 526 57 60.
eMail-Anfragen richten Sie bitte an gesundheitscoach@kurier.at. Sie können bei dieser Telefonstunde auch von 11 bis 13 Uhr live auf kurier.at mitlesen, welche Fragen gestellt werden.

Dienstag von 17 bis 18 Uhr
Infektionsspezialist Herwig Kollaritsch ist ebenfalls heute, Dienstag, 25.2., von 17 bis 18 Uhr am KURIER-Telefon: 01 / 526 57 60. eMail-Anfragen an ihn können ebenfalls an gesundheitscoach@kurier.at gestellt werden.

Nachgefragt bei Norbert Nowotny,  Virologe an der Vetmed-Uni Wien.

KURIER: Sind Tiere ein Infektionsrisiko für den Menschen?

Norbert Nowotny: Weder bei Haus- noch bei Nutztieren ist das neue Coronavirus SARS-CoV-2 nachgewiesen worden. Es gibt  bei Tieren eine Vielzahl an Coronaviren – fast jede Tierart hat ein eigenes Coronavirus. Aber diese sind genetisch so weit entfernt von dem neuen Coronavirus und auch von SARS und MERS, dass von ihnen keine Gefahr für den Menschen ausgeht. So sind viele Katzen mit dem felinen Coronavirus infiziert.  Dieses kann aber den Menschen nicht infizieren – ist also keine vom Tier auf den Menschen übertragbare Erkrankung.

Besteht die Hoffnung, dass Wärme das Virus bremst?
Davon bin ich nicht überzeugt. Das Coronavirus bei Katzen  tritt das gesamte Jahr auf, ebenso die Coronaviren bei anderen Tierarten. Es wird bei uns nicht so heiß, dass die Hitze allein die Viren inaktivieren würde. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung noch keinerlei Immunität gegen das neue Coronavirus hat.
 

 

 

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