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Wissen Gesundheit
08/17/2020

Corona: Wie falsche Test-Ergebnisse entstehen

Nicht jeder, der einen negativen PCR-Test vorweisen kann, ist auch tatsächlich gesund. Woran das liegt, erläutert Robert Strassl, Labormediziner der MedUni Wien.

von Ingrid Teufl

Falsch-positive Testergebnisse können ebenso fatale Folgen haben wie falsch-negative, sagt Virologe Robert Strassl, Bereichsleiter der Abteilung für Klinische Virologie, im klinischen Institut für Labormedizin an der MedUni Wien. Er beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wie wird SARS-CoV-2 nachgewiesen?

„Typischerweise wird für die Covid-Diagnostik die PCR-Technologie eingesetzt“, erklärt Robert Strassl. „Bei der PCR wird die virale Erbinformation nachgewiesen.“

Wie sicher ist das?

„Es handelt sich um lange etablierte Tests. Sie sind in der Diagnostik extrem weit verbreitet.“ Eingesetzt werden sie z.B. im Rahmen der Diagnostik von HIV, Hepatitis oder Influenza. PCR- Verfahren sind allgemein höchst spezifisch und sensitiv. „Das Verfahren selbst hat typischerweise eine Spezifität von fast 99,9 Prozent.“

Was heißt spezifisch und sensitiv?

"Sensitiv heißt: Wie wahrscheinlich es ist, einen Patienten, der die Krankheit hat, auch zu erfassen“, sagt Strassl. „Spezifisch meint die Fähigkeit des Tests, tatsächlich nur das gewünschte Virus nachzuweisen bzw. wie häufig der Test bei gesunden Personen negativ ist.“

Was heißt falsch-positiv und was falsch-negativ?

Falsch negativ getestete Personen sind erkrankte Patienten, welche der Test fälschlicherweise als gesund einstuft. Falsch positive sind eigentlich gesunde Personen, welche der Test fälschlicherweise als krank einstuft. Richtig negative Personen sind gesunde Personen, welche der Test korrekterweise als gesund einstuft. Richtig positive Personen sind erkrankte Patienten, welche der Test korrekterweise als krank einstuft.

Bei einem falsch-negativen Ergebnis wird ein negatives Ergebnis angezeigt, obwohl die Person infiziert ist. „Das kann passieren, wenn eine Probe nicht korrekt abgenommen wird.“ Falsch-positiv besagt, dass ein positiver Test vorliegt, der Getestete aber gesund ist. Strassl: „Dass Gesunde falsch-positiv getestet werden, ist extrem unwahrscheinlich.“ Allerdings könnten auch asymptomatisch Infizierte ohne Symptome positiv getestet werden. „Das Ergebnis könnte dann als falsch-positiv interpretiert werden.“ Dass Gesunde falsch-positiv getestet werden, sei aufgrund der hohen Spezifität sehr unwahrscheinlich. Auch die Ergebnisse der zuletzt im Mai durchgeführten Prävalenzstudie, bei der sämtliche Proben in unserem Labor negativ getestet wurden, sprechen für die sehr hohe Spezifität. Zu betonen ist auch, dass es bekannterweise auch Verläufe ohne Symptomatik gibt. Diese werden dann in der PCR auch richtigerweise positiv getestet. „Das Ergebnis könnte aber dann eventuell als falsch-positiv interpretiert werden.“

Wie kommen falsche Ergebnisse zustande?

„Meist liegt es nicht am Verfahren selbst. Fehlerquellen können unter anderem die Probennahme selbst, das Handling der Proben, die Testdurchführung (z.B. manuelle Schritte) und die Ergebniseingabe betreffen.“

Wie vermeidet man falsche Ergebnisse?

Qualitätssichernde Maßnahmen sind das A und O der gesamten Diagnostik. Um das Risiko von falsch-positiven Ergebnissen zu reduzieren, sollten man manuelle Schritte so gut wie möglich minimieren und auch auf zertifizierte Testsysteme zu setzen. An der MedUni, einem der größten Labors in Österreich, sei man bestrebt, dass alles automatisiert abläuft: Bereits die einlangenden Probenröhrchen gehen direkt in Maschine. Auch Ergebnisübertragung läuft automatisiert ab. Die Daten werden von den den Maschinen direkt an das Labor-EDV-System übertragen. „Danach folgt eine Überprüfung im 4-Augen-Prinzip.“

 

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