Eine Gurgelbox in Wien.

© Kurier/Gerhard Deutsch

Wissen Gesundheit
01/22/2022

Wie es mit den PCR-Tests in Österreich weitergehen soll

Für die Omikron-Welle kommt es zu spät, aber ab April soll ein funktionierendes, österreichweites Test-Netz aufgebaut werden, sagt Generalmajor und Gecko-Mitglied Thomas Starlinger.

Engpässe bei den PCR-Tests sorgen derzeit in vielen Bundesländern angesichts zu knapper Testkapazitäten für Ärger. Auch wenn das unmittelbar für von zu langen Wartezeiten Betroffene nur ein schwacher Trost ist: Die Omikron-Welle sollte die letzte sein, bei der diese Probleme auftreten. Warum, erklärt Generalmajor Thomas Starlinger, Mitglied der gesamtstaatlichen Covid-Krisenkoordination (Gecko), im KURIER-Interview.

KURIER: Wie geht es mit dem Testsystem weiter?

Thomas Starlinger: Ich habe im Rahmen der Gecko von der Bundesregierung den Auftrag bekommen, ein Konzept für ein österreichweites PCR-Testnetz auszuarbeiten. Ein Gespräch mit Laborbetreibern gab es bereits, nächste Woche folgt eines mit Supermarkt- und Drogerieketten sowie anderen möglichen Partnern.

Wann wird es dieses Testnetz geben?

Der Beginn des Ausbaus wird erst ab April 2022 möglich sein, und damit sind wir sehr sportlich unterwegs. Für die Omikron-Welle ist das zu spät, aber es geht darum, in Zukunft bei einer neuerlichen Welle nicht wieder in so eine Situation zu kommen. Von heute auf morgen lässt sich so ein österreichweites PCR-Testnetz aber nicht umsetzen. Alleine der Aufbau einer hochwertigen Laborkapazität dauert acht bis zwölf Wochen. Es wird auch eine neue Ausschreibung der Bundesbeschaffung GmbH. notwendig sein.

Was passiert bis dahin?

Im ersten Quartal müssen wir mit den derzeitigen PCR-Ressourcen auskommen und regional Schwerpunkte setzen, etwa im Spitals- und Pflegebereich, kritischen Versorungsbereichen oder bei den Schulen. Kurzfristigere Ausbaumöglichkeiten gibt es bei den Antigentests, die von medizinischem Fachpersonal abgenommen werden, hier könnte man die Teststraßen wieder aktivieren bzw. die Apothekentests noch ausbauen.

Aus wissenschaftlicher Sicht sollten die Antigentests aber nur 12 Stunden gültig sein.

Die dritte Stufe sind dann die Wohnzimmer-Antigentests. Diese sollten eigentlich nur im Privatbereich verwendet und vorzugsweise im Rachen abgenommen werden.

Derzeit beträgt die Gültigkeit der Antigentests aber 24 Stunden?

Die Wissenschafter, die uns bei Gecko unterstützen, sprechen sich aus rein fachlichen Gründen für eine kürzere Gültigkeit aus. Wenn die Politik sagt, das lässt sich in der Praxis nicht umsetzen, dann muss man der Bevölkerung bewusst machen, dass nur in den ersten zwölf Stunden nach dem Test eine gewisse Aussagekraft besteht. Danach wird das Risiko, trotz negativen Tests doch infektiös zu sein, immer höher. Die Anwenderinnen und Anwender müssen wissen, worauf sie sich einlassen.

Ist nicht auch die Qualität  der Wohnzimmer-Antigentests sehr unterschiedlich?

Ja, es gibt hochwertigere und weniger hochwertige. Meines Wissens sind die AGES bzw. das Gesundheitsministerium bereits daran, eine Liste an Tests zu erstellen, die für den privaten Gebrauch geeignet sind. Ein Antigentest, der durch medizinisches Fachpersonal abgenommen wird, ist aber immer die bessere Wahl. Macht man selbst einen Nasenabstrich, bleibt man ja meist nur in der vorderen Nasenhöhle, was die Aussagekraft einschränkt. Gesundheitspersonal streicht aber speziell bei der Omikron-Variante auch den Rachen ab.

Diese Nasenbohrertests bräuchten eigentlich ähnlich wie Medikamente einen leicht verständlichen Beipackzettel - in diesem Fall zu den genauen Abschätzungen des Infektionsrisikos im zeitlichen Verlauf in den Stunden nach dem Test. Es muss einem bewusst sein, dass man sich mit diesen Tests nicht in falscher Sicherheit wiegen darf.

Soll breitflächiges Testen beibehalten werden?

Ja. Je früher Leute erkannt werden, die infiziert sind, aber noch nicht infektiös, desto rascher sind Infektionsketten durchbrochen und desto stärker wird die Inzidenzkurve gebremst und gedämpft. Es gibt genug Studiendaten die zeigen: Wenn sich die Hälfte der Bevölkerung zwei Mal in der Woche mittels PCR  testen lässt, dann hat das eine signifikante Auswirkung auf die Inzidenzkurve. Die Wirkung eines breiten Testens ist aber umso höher, je hochwertiger auch die Tests sind und die positiv getesteten Personen auch sofort zuhause bleiben.

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