Covid-Impfung: In Bundesländern mit niedrigerer Impfrate sind die Inzidenzen höher.

© APA/AFP/JOSEPH PREZIOSO

Wissen Gesundheit
10/07/2021

Corona: Warum die stabile Phase bald zu Ende gehen könnte

Nach dem höchsten Tageswert an Infektionen seit April: Die Entwicklung in den Bundesländern geht zunehmend auseinander – abhängig von der Durchimpfungsrate.

von Ernst Mauritz

2.693 Neuinfektionen mit dem neuen Coronavirus am Mittwoch (die höchste Zahl seit 10. April), 1.473 am Dienstag: „Es ist ein Auf und Ab, und wir müssen aufpassen, dass wir nicht statistische Schwankungen überinterpretieren“, sagt Komplexitätsforscher Peter Klimek (Complexity Science Hub und MedUni Wien) zum KURIER. „Wir wissen, dass es ein saisonales Virus ist – deshalb gibt es natürlich die Erwartungshaltung, dass die Dynamik zunimmt, wenn es in den Herbst und Winter hineingeht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Infektionszahlen in den kommenden Wochen tendenziell eher nach oben als nach unten gehen.“ In den vergangenen zwei Wochen sei das lokale Infektionsgeschehen ziemlich stabil gewesen – nach dem temporären Rückgang aufgrund weniger reiseassoziierter Fälle und der ersten Schultestungen.

„Die derzeitige Phase ist scheinbar stabil, aber auch die EU-Gesundheitskontrollbehörde ECDC sieht für Österreich ein hohes Risiko, dass sich nochmals eine Welle aufbaut“, betont Klimek. Allerdings müsse das keine hohe Welle sein: Ausgehend von Plateaus mit höherem Niveau können sich auch regional kleinere Wellen bilden. Aufgrund der Impfungen ist die regionale Variabilität viel größer als im Vorjahr. Deshalb bin ich zurückhaltend mit Einschätzungen, wie sich die kommenden Wochen entwickeln.“

Zunehmend zeige sich aber, dass sich die Zahlen in den Bundesländern unterschiedlich entwickeln: „Man sieht, dass Länder mit einer niedrigeren Impfrate eher einen Ausschlag nach oben zeigen als die mit einer hohen.“ Auch das Covid-Prognose-Konsortium schreibt, dass ein Erklärungsansatz für die Bandbreite der 7-Tages-Inzidenz (Burgenland: 80, OÖ. 208) „die regional sehr unterschiedliche Durchimpfungsrate“ ist.

„Andere Epidemie“

„Wichtig für das Verständnis der Zahlen ist, dass wir jetzt eine andere Epidemie haben als 2020“, sagt auch Simulationsforscher Niki Popper. „Es ist nicht mehr diese simple exponentielle Dynamik von heute zwei, morgen vier und übermorgen acht Infektionen. Es gibt jetzt viele Einflussfaktoren.“

Das Prognose-Konsortium habe zwar die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen ursprünglich zu hoch prognostiziert (mehr als 300 für Ende September, diese Prognose gibt es jetzt für 20. 10., derzeit sind es 223). „Aber das ändert nichts an der richtigen Bewertung der zugrunde liegenden Dynamik, die von zwei Einflussbereichen bestimmt wird: Temporären Faktoren – den gesetzten Maßnahmen und den Tests – und der tatsächlichen Rate der immunisierten Bevölkerung (geimpft oder genesen). Und da sehen wir derzeit keine Abflachung, sondern insgesamt einen leichten, nicht dramatischen Anstieg.“

Auch Popper betont, dass die jeweilige Impfquote verantwortlich für die unterschiedliche Entwicklung in den Bundesländern sei.“ Zusätzliche Maßnahmen halte er derzeit zwar für überzogen, betont Popper: „Aber es bestätigt sich halt, dass wir noch nicht so weit sind, dass die Durchimpfungsrate die Zahlen nachhaltig hinunterdrücken kann.“

Sollte es zu einem deutlichen Anstieg kommen, wäre ein erster Hebel die Ausweitung der 2-G-Regel (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene), sagt Klimek. "Das andere große Thema ist 3 G am Arbeitsplatz. Es ist nur schwer zu erklären, wieso wir quasi 3 G in der Schule haben, aber nicht am Arbeitsplatz - zumal ja das Gesundheitsrisiko für Kinder deutlich geringer ist als für Erwachsene.

Begrüßenswert sei es, dass die Tests kostenfrei bleiben: "Sie sind nicht die Lösung für die Pandemie, aber sie können helfen, sie unter Kontrolle zu halten - gerade jetzt, wo wir in eine heiße Phase hineingehen, in der sich entscheidet, ob sich nochmals eine bedrohliche Welle aufbaut oder nicht."

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