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Der Maskenpflicht stimmen mittlerweile 81 Prozent der Bevölkerung zu, vielfach gibt es aber eine zunehmende Polarisierung.

© APA/HERBERT NEUBAUER / HERBERT NEUBAUER

Wissen Gesundheit
10/01/2020

Corona-Maßnahmen: Forscher sehen Polarisierung der Gesellschaft

Seit März befragt die Uni Wien 1.500 Menschen, wie sie Coronamaßnahmen bewerten. Die Geister scheiden sich zunehmend. Je ein Viertel empfindet die Regeln als „nicht ausreichend“ oder „zu stark“.

von Ernst Mauritz, Christa Schimper

Zumindest ein Dauer-Aufreger scheint die Streitarena langsam zu verlassen: 4 von 5 Menschen in Österreich waren im September der Meinung, dass die Maskenpflicht derzeit „eher“ oder „auf jeden Fall“ gelten soll, ergab die jüngste Umfrage des „Austrian Corona Panel Project“ der Uni Wien. Rund 1.500 Menschen werden dafür seit Ende März regelmäßig befragt.

In einem anderen Bereich hingegen scheint aber „eine gewisse Tendenz zu einer Polarisierung“ zu entstehen, wie der Wirtschaftssoziologe Bernhard Kittel, einer der Projektleiter, erklärt: bei der Bewertung der politischen Maßnahmen. 27 Prozent halten diese für „überhaupt nicht ausreichend“ bzw. „eher nicht ausreichend“ – der bisher höchste Wert. Auf der anderen Seite steigt seit August auch wieder der Anteil jener, die die Maßnahmen für „eher zu stark“ und „zu extrem“ halten – auf 25 Prozent.

„Die Bevölkerungsgruppe in der Mitte, die das Vorgehen der Politik für angemessen hält, war im September so klein wie noch nie und ist erstmals unter 50 Prozent gerutscht“, erläutert Kittel. „Hier dürften sich auch die Auseinandersetzungen rund um die Corona-Ampel niedergeschlagen haben.“ Fazit: „Wenn je ein Viertel der Befragten in der Skala die Extreme besetzt, ist das eine klare Spreizung zwischen den verschiedenen Perspektiven.“

Auf einen bisherigen Höchstwert mit rund 25 Prozent ist im September auch die Gruppe derer gestiegen, die die Maßnahmen für „überhaupt nicht effektiv“ bzw. für „eher nicht effektiv“ hält. Bis Anfang Juni lag der Anteil dieser beider Gruppen an allen Befragten unter zehn Prozent. Der Anteil jener, die die Vorgaben als „sehr effektiv“ bezeichneten, sank dafür seit Anfang Juni von einem Drittel auf rund acht Prozent.

„Das ist eine besorgniserregende Dynamik“, sagt Kittel. „Die Auseinandersetzungen zwischen Bund und Ländern erschweren es der Bevölkerung, eine vernünftige Gesamtstrategie wahrzunehmen. Es wird zu wenig versucht, beim Verständnis anzusetzen – stattdessen dominiert nach wie vor oft eine starke Rhetorik.“ Wobei Kittel die Entscheidungsträger auch in einem „Zielkonflikt“ gefangen sieht: „Sie müssen einen Balanceakt zwischen möglichst großer Freiheit und gleichzeitig möglichst großem Schutz für jeden einzelnen hinbekommen. “

Einschätzung der Gefahr

Mehr als verdoppelt hat sich seit Juni der Anteil der Befragten, die durch das Coronavirus eine „große“ oder „sehr große“ gesundheitliche Gefahr für die österreichische Bevölkerung sehen (von 16,8 auf 36,7 Prozent). Schwächer ist der Anstieg bei der Wahrnehmung einer wirtschaftlichen Gefahr – diese liegt aber generell auf einem höheren Niveau. Wobei für Wirtschaft wie auch für Gesundheit gilt: „Die Befragten schätzen die Gefahren für sich persönlich geringer ein als für die Bevölkerung insgesamt – das trifft besonders auf die wirtschaftliche Gefahrenwahrnehmung zu“, betont Kittel.

„Mehr Normalität“

Unterdessen spricht sich der Innsbrucker Infektiologe Günter Weiss „für mehr Normalität“ im Umgang mit der Pandemie aus, „Ich glaube, dass man mit diesem basalen Paket – Abstand, Händehygiene und vielleicht die Maske zu tragen – eigentlich ein sehr normales Leben führen kann“, sagte er Mittwoch im Ö1-Mittagsjournal. Dies könne „uns vielleicht auch andere Infektionen ersparen, wie banalen Schnupfen oder auch die Grippe“. In Zukunft werde es wahrscheinlich so sein, dass auch Infektionen mit dem neuen Coronavirus immer in der kalten Jahreszeit auftreten werden: „Die Erkrankung wird uns noch länger begleiten.“

Maskenpflicht
In Öffis, Taxis, öffentlichen Gebäuden, in Gesundheitseinrichtungen sowie im Handel und auf Märkten muss Mund-Nasen-Schutz getragen werden. In der Gastro muss er von Kellnern getragen werden, von Kunden nur bis zum Tisch

Gastronomie
An einem Tisch dürfen maximal 10 Personen sitzen. Die generelle Sperrstunde ist 1 Uhr, in Salzburg, Tirol und Vorarlberg aber bereits um 22 Uhr

Registrierung
In Wien müssen sich Lokal-Besucher seit Montag registrieren – ebenso in Niederösterreich in jenen Bezirken, in welchen die Ampel auf Orange steht

Veranstaltungen
Ohne fixe Sitzplätze sind 10 Personen erlaubt, im Freien ohne Sitzplätze 100 Besucher. Mit gekennzeichneten Sitzplätzen sind innen 1.500 und im Freien 3.000 Personen zulässig  

 

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