Eine Frau in Israel erhält ihre dritte Impfung.

© EPA/ABIR SULTAN

Wissen Gesundheit
08/18/2021

Corona-Impfung: Wer, wann, wo - Fragen und Antworten zum Drittstich

Der Fahrplan für die Auffrischungsimpfungen nimmt Konturen an.

von Marlene Patsalidis, Ernst Mauritz, Ingrid Teufl

Am Dienstag hat das Nationale Impfgremium die Empfehlungen für die dritte Dosis konkretisiert. Der dritte Stich sei „ein weiterer Schritt in unserem Plan für den sicheren Herbst“, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. "Damit bleibt Österreich gut gegen die Delta-Variante geschützt."

Zuletzt sorgten Daten aus Israel für Beunruhigung: Wer im Jänner geimpft wurde, hatte im Juli ein mehr als zwei Mal höheres Risiko für eine Durchbruchsinfektion wie im April Geimpfte. "Impfdurchbrüche betreffen meist Ältere und jene, bei denen die Impfung schon länger zurückliegt und die heuer sehr früh geimpft wurden", bestätigt die Virologin Dorothee von Laer.

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die dritte Corona-Impfung:

Wer wird als Erster einen dritten Stich erhalten?

Mindestens sechs Monate und nicht später als neun Monate nach vollständiger Erstimpfung sollen zunächst Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, ältere Personen ab 65 Jahren sowie Immunsupprimierte und Vorerkrankte ab zwölf Jahren den Booster bekommen. Für die Allgemeinbevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren, darunter Gesundheitspersonal oder pädagogisches Personal, ist der Drittstich nach neun bis zwölf Monaten vorgesehen.

Mit dem Vorgehen "folgt man internationalen Vorreitern", sagt der Klinische Pharmakologe Markus Zeitlinger von der MedUni Wien. In den USA hat die Arzneimittelbehörde FDA Booster-Impfungen für Menschen mit schwachem Immunsystem bereits zugelassen, das Go für die Allgemeinbevölkerung wird in Kürze erwartet. "Für Europa rechnen wir damit, dass die Begutachtung der Booster-Daten zügig voranschreitet und eine Zulassung vonseiten der Arzneimittelagentur EMA in wenigen Wochen folgen wird."

Für naheliegend hält er, dass man den Schutz älterer und vorerkrankter Menschen früher auffrischt: "Sie bauen geringere Antikörperspiegel auf und profitieren stark von Booster-Impfungen."

Für Personen zwischen 12 und 18 Jahren ohne Risiko eines schweren Verlaufs gibt es noch keine konkreten Drittstich-Pläne. Zeitlinger: "Die allermeisten 12- bis 18-Jährigen sind aufgrund der Zulassungen und der Impfpriorisierungen gerade erst erstgeimpft worden, hier kann man sich also mit der Entscheidung bezüglich der Booster-Impfung noch Zeit lassen."

Kann man sich schon anmelden?

"Eine Anmeldung für den dritten Stich ist noch nicht möglich", heißt es im Gesundheitsministerium: die Organisation läuft über die Bundesländer. In Wien plant man die ersten Drittimpfungen über separate Terminanmeldungen, Logistik und Zeitpläne werden aktuell erarbeitet.

Es kommen nur mRNA-Impfstoffe zum Einsatz. Ist das sinnvoll?

Wer initial einen Vektorimpfstoff erhalten hat, soll nun ein mRNA-Präparat bekommen. Zeitlinger: "Wir haben genügend Daten, die zeigen, dass sich Kreuzimpfungen förderlich auf den Antikörperspiegel auswirken." Zuletzt zeigte auch eine Studie der MedUni Innsbruck, dass solche Kreuzimpfungen die Immunantwort verbessern.

Wo und von wem werden die Drittstiche verabreicht?

Die Bundesregierung will niedergelassene Ärzte stärker einbinden, Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker hält am Impfstraßen-System fest. Zeitlinger kann beiden Ansätzen etwas abgewinnen: "Ich finde es wichtig, dass Menschen einen niederschwelligen Zugang zur Impfung haben. Hausärzte bieten ein vertrauensvolleres Setting, in großen Impfstraßen wird sehr effizient gearbeitet."

Was wird in der Booster-Dosis enthalten sein?

Derzeit geht man davon aus, dass die bisherigen Präparate weiterverwendet werden – auch deshalb, weil aktuell große Mengen verfügbar sind. Die Hersteller hatten vor Monaten angekündigt, adaptierte Impfstoffe zu entwickeln, die insbesondere auf die Beta-Variante abgestimmt sind: "Aber dann kam Delta", sagt Zeitlinger. "Ich habe den Eindruck, dass die Jagd nach der aktuellsten Mutation etwas an Schwung verloren hat, weil man zu sehr hinterherhinkt. Außerdem kommt es den Firmen wohl gelegen, dass sie Bewährtes weiter verimpfen."

Soll man Antikörperspiegel vor der Auffrischung bestimmen?

"Ich würde aus derzeitiger Sicht davon abraten. Das stiftet Verwirrung und wäre eine neue logistische Herausforderung", sagt Zeitlinger. Ausnahmen stellten bisher Personen dar, bei denen man schon vermutet hatte, dass der Impfschutz sehr niedrig ausfällt. Ein Test verschaffte Gewissheit.

Wie wirksam ist die dritte Dosis?

Laut ersten Daten von Biontech/Pfizer ist der Antikörperspiegel nach der dritten Dosis bei den 18- bis 55-Jährigen um das Fünffache höher wie nach zwei Impfungen, bei den 65- bis 85-Jährigen um das Elffache. Zweifach geimpfte Genesene erhalten bis auf Weiteres keine zusätzlichen Impfungen. Zeitlinger: "Das macht Sinn, weil sie auch nach einer Dosis vergleichsweise höhere Antikörperspiegel produzieren."

Wie stark geht der Impfschutz nach zwei Impfungen tatsächlich zurück?

In Israel gibt es unter Ungeimpften im Alter ab 60 Jahren 155 schwere Covid-Fälle unter 100.000 Personen, unter Geimpften 20 pro 100.000 Personen: "Die Impfungen versetzen Delta einen Dämpfer, aber besiegen es nicht", schreibt das Wissenschaftsmagazin Science. Bei Über-65-Jährigen, die im Jänner in Israel geimpft wurden, ging die Effektivität der Impfung auch gegen schwere Erkrankung und Spitalsaufenthalte auf 55 Prozent zurück.

Auch wenn die Infektionszahlen trotz Impfungen in vielen Ländern steigen: "Die Situation ist aber nicht mit vergangenen Wellen vergleichbar", betont der Mikrobiologe und Science-Buster Martin Moder auf Twitter: Datensätze aus mehreren Ländern würden nahelegen, "dass diejenigen, die in der letzten Welle sterben, vor allem die Ungeimpften sind".

Die Kurve, welche die Zahl der Corona-Todesfälle in Großbritannien abbildet, verläuft trotz steigender Infektionszahlen im Vergleich zu früheren Infektionswellen deutlich abgeflacht.

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