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Wissen Gesundheit
10/09/2020

Chronischer Rückenschmerz: Warum auch Junge an Rheuma denken sollten

Welt-Rheumatag: Chronisch entzündliche Erkrankungen werden bei jüngeren Patienten oft erst sehr spät diagnostiziert, sagen Experten.

Rückenschmerzen können schon in jungen Jahren das Leben zur Qual machen. Wenn sie über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten anhalten, ist eine ärztliche Abklärung angeraten. Denn: Nicht immer sind verspannte Muskeln die Ursache für die Schmerzen – vielmehr kann es sich um entzündlichen Rückenschmerz bei bestimmten rheumatischen Erkrankungen handeln.

So sind rund 50.000 Menschen in Österreich von der Diagnose "Axiale Spondyloarthritis" (axSpA) - früher Morbus Bechterew - betroffen. Die chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung betrifft vorwiegend die Wirbelsäule und wird bei jüngeren Patienten oft spät diagnostiziert, erklärten Experten anlässlich des Welt-Rheumatages am 12. Oktober bei einem Pressegespräch und in einer Aussendung von Novartis.

Sind Eltern oder Geschwister erkrankt, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung auf bis zu 20 Prozent. Betroffen ist in erster Linie die Wirbelsäule, wo es zu einer völligen Versteifung kommen kann. Es können auch andere Knochenstrukturen, Gelenke und auch innere Organe in Mitleidenschaft gezogen sein. Meist kommt die Erkrankung vor dem 40. Lebensjahr zum Ausbruch. Die Therapie konzentriert sich auf Schmerzlinderung und Erhaltung der Beweglichkeit. Zum Einsatz kommen vor allem entzündungshemmende Medikamente oder neuerdings Biologika plus physikalische Maßnahmen wie die Radontherapie in Bergwerkstollen.

Mitte Zwanzig denke kaum jemand an Rheuma, wenn sich Patienten mit chronischem Kreuzweh an den Arzt wenden, so Rheumatologe Josef Hermann von der MedUni Graz. Mehr als fünf Jahre dauerte es hierzulande im Durchschnitt, bis die Diagnose gestellt wird. Betroffene durchlaufen meist verschiedenste Stationen im Gesundheitssystem von Physiotherapie über Allgemeinmedizin, Orthopädie und Radiologie bis zur Rheumatologie. Dabei sollte man möglichst schnell gegensteuern - vor allem medikamentös und durch gezielte Bewegung. "Es kann eine Beschwerdefreiheit von bis zu 90 Prozent erreicht werden", erklärte der Spezialist.

Eine frühzeitige Diagnose und ein früher Therapiebeginn sind überaus wichtig, damit es zu einer raschen Linderung der Schmerzen, einer schnellen Steigerung der Lebensqualität und einer Verbesserung sowie dem Erhalt der Beweglichkeit kommen kann. Eine Verzögerung des Fortschreitens könne meist erreicht werden. Dabei sind laut Hermann Physiotherapie, Ausdauertraining und regelmäßige Bewegungsübungen wichtige ergänzende Elemente in der Behandlung. Diese tragen wesentlich zur Beschwerdefreiheit und Aufrechterhaltung der Beweglichkeit bei.

Wenn Rückenschmerzen in jungen Jahren über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten anhalten, in der Nacht wachhalten sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen, so der Experte. Nicht immer sind verspannte Muskeln oder schlicht Abnützung die Ursache, es kann sich um bestimmte rheumatische Erkrankungen handeln.

Hellhörig werden sollten Betroffene also, wenn die Beschwerden vor dem 40. Lebensjahr beginnen, eher schleichend einsetzen, sich die Schmerzen bei Bewegung verbessern und bei Ruhe nicht nachlassen und in der Nacht zum Aufwachen führen. "Heute gibt es eine breite Palette an zielgerichteten Therapieoptionen für Patientinnen und Patienten - niemand sollte jahrelang Schmerzen leiden", meinte Hermann.

Maria Nimführ, Landesstellenleiterin Wien der Österreichischen Vereinigung Morbus Bechterew, hat die Diagnose mit 34 Jahren erhalten: "Mir war gar nicht bewusst, dass die Erkrankung schon Jüngere treffen kann. „Die gute Nachricht ist jedoch, dass man selbst viel zu mehr Wohlbefinden beitragen kann – sehr wichtig ist zum Beispiel moderate Bewegung. Bewegungsprogramme wie etwa Nordic Walking werden etwa auch von Selbsthilfegruppen angeboten – man bewegt sich dann mit Gleichgesinnten und tut seinem Körper etwas Gutes."

Service: Ein kostenloses Webinar "Mehr als nur Rückenschmerzen?" findet am 19. Oktober ab 17 Uhr statt. Darin gibt u. a. Phsyiotherapeuting Anita Grassel Tipps und Tricks für den Alltag mit Rückenschmerzen. Eine Anmeldung ist erforderlich.

 

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