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Wissen Gesundheit
03/17/2021

Astra Zeneca: Wie sicher ist der Impfstoff tatsächlich?

In der Diskussion um ein Thromboserisiko sprechen Fachleute von einer Frage der Abwägung: Denn die Impfungen verhindern auch sehr viele Blutgerinnsel.

von Ernst Mauritz, Christa Schimper

Sind sehr seltene Hirnvenenthrombosen Folge einer Impfung mit dem Präparat von Astra Zeneca? Die Europäische Arzneimittelagentur EMA prüft sieben Fälle in Deutschland bei Menschen zwischen 20 und 50 Jahren (sechs Frauen), die vier bis 16 Tage nach der Impfung aufgetreten sind. In Österreich sorgten Fälle von Lungenembolien im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung für Aufsehen – zuletzt am Dienstag bei einer Krankenschwester in Tirol. Zwei Spezialisten der MedUni Wien geben Auskunft: Johannes Schmid leitet das Institut für Gefäßbiologie und Thromboseforschung, Cihan Ay ist Spezialist zum Thema Blutgerinnung an der Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie.

KURIER: Was genau wurde in Deutschland beobachtet?

Johannes Schmid: Nach bisherigen Informationen handelt es sich um Gefäßverschlüsse in Hirnvenen bei einem Mangel an Blutplättchen. Das Gerinnungssystem kann dabei in zwei Richtungen entgleisen: Es kommt zu kleinen Blutungen und zu einem Gefäßverschluss. Solche Sinusvenenthrombosen sind sehr selten und können bei Frauen in der späten Schwangerschaft, im Wochenbett oder bei Einnahme der Pille gehäuft auftreten. Normalerweise geht man von drei bis vier Fällen pro Jahr und einer Million Menschen aus. Die sieben Fälle bei 1,6 Millionen Geimpften seit Impfstart Anfang Februar bedeuten also eine Erhöhung, die statistisch aussagekräftig ist. Das muss deshalb genau abgeklärt werden.

Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut verweist auf Experten, die Zusammenhänge mit der Impfung als „nicht unplausibel“ bezeichnen.

Cihan Ay: Bisher ist bei keiner einzigen Impfung – egal, gegen welche Krankheit – eine Thrombose als Risikofaktor bekannt. Gleichzeitig erhöht eine Covid-19-Erkrankung das Risiko für lebensbedrohliche Thrombosen und Lungenembolien – ein Blutgerinnsel gelangt über die Blutbahn aus einer Beinvene in die Lunge – deutlich. Derzeit ist die Diskussion sehr aufgeheizt. Aber man muss ganz klar sagen, dass alle Covid-19-Impfstoffe die Häufigkeit schwerer Covid-19-Erkrankungen deutlich senken. Das geht derzeit in der sehr emotionalen Debatte unter.

Was würde es bedeuten, wenn sich für bestimmte Personengruppen ein Zusammenhang bestätigt?

Schmid: Dann muss darüber genau aufgeklärt werden – auch in der Patienteninformation. Vielleicht müsste man dann z. B. bei jungen Frauen besonders vorsichtig sein und das Vorhandensein von Risikofaktoren für eine Thrombose vorab genau abklären. Wichtig ist aber zu sehen, dass es sich um eine Frage einer Abwägung handelt: Ich habe ausgerechnet, was alleine eine 14-tägige Impfpause bedeuten würde: Rund 2.000 zusätzliche Covid-19-Erkrankungen und rund 40 zusätzliche Todesfälle durch Covid-19. Das ist eine Überschlagsrechnung. Unser Problem ist: Wir haben in der Pandemie keine Alternative zu den Impfungen und derzeit auch nicht ausreichend andere Impfstoffe zur Verfügung. Im übertragenen Sinn muss man sich die Frage stellen: Wenn man ernsthaft krank ist, weigert man sich dann, in einen Rettungswagen zu steigen, weil ja auch ein Autounfall passieren könnte?

Welche Symptome können auf eine Thrombose im Gehirn hindeuten?

Ay: Zunächst: Grippeähnliche Symptome – Gelenks-, Muskel und Kopfschmerzen über ein bis zwei Tage sind kein Anlass zur Sorge. Hingegen sollte bei Symptomen, die drei oder mehr Tage nach der Impfung anhalten, eine ärztliche Abklärung erfolgen. Das gilt auch für Symptome, die im Zeitraum von rund zwei Wochen neu auftreten: Etwa Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Atemnot oder Schmerzen in Armen und Beinen. Auch auf punktförmige Hautblutungen sollte man achten.

Welche sind die wichtigsten Thrombose-Risikofaktoren?

Ay: Ganz klassisch sind es Operationen, Traumen (schwere Verletzungen, Anm.), lange Bettlägerigkeit und generell Bewegungsmangel, verschiedene schwere Erkrankungen, etwa Krebsleiden. Auch Rauchen, Übergewicht und die Pille spielen eine Rolle – in Kombination und auch als Einzelfaktoren. Bei 60 Prozent der Thrombosen finden wir einen Risikofaktor, bei 40 Prozent aber nicht. Thrombosen können jeden treffen, in jedem Alter – wobei mit steigendem Alter das Risiko steigt.

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