Mittel, die hausärztlich bei Covid-19 verschrieben werden, können Symptome lindern, aber die Krankheit nicht unmittelbar heilen.

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Wissen Gesundheit
11/21/2021

Antidepressiva bis Asthmaspray: Was hat der Hausarzt gegen Covid in der Hand?

Womit niedergelassene Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner milde Corona-Symptome behandeln können.

von Marlene Patsalidis

Ein Antidepressivum vom Hausarzt – gegen Covid-19. Martin Scherer, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin am deutschen Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, nannte das unlängst im Interview mit der Zeitung Die Welt als Behandlungsoption. Zumindest bei Risikopatientinnen und -patienten.

Tatsächlich könnte sich insbesondere das gängige Antidepressivum Fluvoxamin laut neuesten Studien eignen, die Virusvermehrung in der Frühphase zu hemmen und infolge auch das Sterberisiko zu senken. Christoph Dachs, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM), zeigt sich dahingehend noch zögerlich: "Dafür gibt es erst einzelne wissenschaftliche Belege, für den breiten hausärztlichen Einsatz würde ich Fluvoxamin zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht empfehlen."

Er betont: "Wir versuchen natürlich, unsere Corona-positiven, symptomatischen Patienten bestmöglich zu versorgen." Der Fokus liege dabei auf der Linderung von Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen: "Paracetamol und Ibuprofen bieten sich hier an und können rezeptfrei von Angehörigen aus der Apotheke geholt werden." Auch Parkemed wirke schmerz- und entzündungshemmend.

"Paracetamol und Ibuprofen wirken bei Corona-Impfdurchbrüchen genauso gut wie bei Erkältungen", unterstreicht auch Ernest Zulus, ärztlicher Leiter des Ärztefunkdienstes, der Corona-Infizierte in Quarantäne auch daheim aufsucht. Mentholhaltige Salben zum Einreiben der Brust, pflanzliche Hustensäfte, Nasensprays oder das Inhalieren mit Salzwasser seien ebenfalls wohltuend.

Asthma-Klassiker

Laut Scherer können Hausärzte auch die Gabe von Budesonid – ein Cortison-haltiger Wirkstoff, der per Inhalator gegen Asthma eingesetzt wird – andenken. "Es spricht nichts dagegen, Budesonid lokal und inhalativ in der Frühphase bei Corona-Infizierten zu geben", bestätigt Dachs. "Immerhin wirkt es dort, wo in den ersten Tagen nach der Ansteckung die meisten Viren zu finden sind und die Entzündung entsteht: in den Atemwegen."

Auch bei Long-Covid-Betroffenen kann Budesonid gegen anhaltenden Husten verschrieben werden. Stichwort Husten: Covid-19 ist primär eine Erkrankung der Lunge. Dachs: "Tritt eine hartnäckige Lungenentzündung auf, behandeln wie sie mit Antibiotika."

Viele plagt nach einer Corona-Infektion der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns. Ein Medikament dagegen gibt es momentan nicht. Ein internationales Forscherteam konnten kürzlich allerdings zeigen, wie erfolgversprechend Riechtrainings sind. Beim sogenannten olfaktorischen Training schnuppert man täglich für mindestens 15 Sekunden bewusst an verschiedenen intensiven Aromen – zum Beispiel Anis, Eukalyptus, Zitrone, Nelke, Zimt, Thymian, Schokolade oder Kaffee.

Spezial-Arzneien

Anders verhält es sich mit Cortisonpräparaten, die intravenös per Nadelstich verabreicht werden. Laut Dachs eignen sie sich nicht für die akute Eigentherapie: "Dexamethason ist den Spezialisten im Spital vorbehalten und muss ganz gezielt und in bestimmten Phasen der Erkrankung bei spitalspflichtigen Patienten eingesetzt werden. Das fällt ganz klar nicht in unseren Zuständigkeitsbereich." Bei Covid-19 setzen in einer späteren Phase der Erkrankung oft massive Entzündungsprozesse im Körper ein. Sie führen dazu, dass die Lungenfunktion stark beeinträchtigt wird – die Patientinnen und Patienten bekommen keine Luft mehr und müssen im schlimmsten Fall an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden. Entzündungshemmende Cortisonpräparate können in solchen Fällen die Lungenfunktion verbessern, indem die überschießende Entzündungsreaktion eingedämmt wird.

Vergangene Woche gab die WHO grünes Licht für zwei Antikörper-Therapien (Ronapreve, Regkirona) gegen Covid-19. Diese und andere Antikörper-Cocktails werden laut Dachs nur im stationären Bereich eingesetzt. Das gelte auch für blutverdünnende Medikamente, die laut Studien die Überlebenschance von schwerkranken Corona-Patienten steigern können. Auf antivirale Arzneien, beispielsweise Remdesivir oder Molnupiravir, greifen Hausärztinnen und Hausärzte bei Covid-19 "ebenfalls nicht zurück", sagt Dachs. "Interessant" findet er das derzeit vieldiskutierte antivirale Mittel Paxlovid des Pharmakonzerns Pfizer: "Aber auch das wird im Fall einer Zulassung nicht von Hausärzten, sondern in Krankenhäusern verabreicht werden."

Alarm bei Atemnot

Treten gravierende Symptome auf, allen voran Atemnot, sollte unmittelbar abgewogen werden, ob der Patient oder die Patientin stationär untergebracht werden muss. Dachs: "Hier geben wir als Hausärzte die Kompetenz und Behandlung an Spezialisten in den Krankenhäusern ab."

Spätestens, wenn man Probleme mit dem Atmen bekommt, sollte man also die Rettung (144) oder den Wiener Ärztefunkdienst (141) rufen.

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