Bei Wunden bietet medizinischer Honig sehr gute Heilung – ist aber nicht wie Speisehonig (Bild) zum Verzehr geeignet.

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Wissen Gesundheit
02/17/2020

Antibakteriell: Wie Honig Wunden heilt

Speziell keimfrei gemacht, kann er Entzündungen reduzieren, wie neue Erkenntnisse zeigen.

von Ingrid Teufl

Die heilende Wirkung von Honig kennt man am ehesten von Hausmitteln, die bei Erkältungen oder Entzündungen lindernd wirken sollen. Als Heilmittel, das heute üblichen, sehr strengen, genormten Kriterien entspricht, ist das Bienenprodukt relativ unbekannt.

Dabei gibt es laufend neue Erkenntnisse, etwa in der Wundheilung. Speziell aufbereitet muss das Bienenprodukt allerdings sein. Dann ist dieser medizinische Honig sogar so effizient, dass weniger Antibiotika benötigt wird.

Florian Thalhammer, Infektiologe und Tropenmediziner an der MedUni / AKH Wien: „Aufgrund der positiven Eigenschaften und der antibakteriellen Aktivität hilft der Honig, Antibiotika einzusparen, da diese Wunden ausschließlich mit modernem Wundmanagement effektiv und erfolgreich behandelt werden können.“ Die Einsparung von Antibiotika reduziere zudem die Resistenzentwicklung und auch mögliche „Kollateralschäden“ wie Durchfall. Er plädiert dafür, „in Fällen, wo dies möglich ist“, vor einer Antibiotikagabe zuerst medizinischen Honig zu verwenden.

Für diese Effekte sind die besonderen Eigenschaften dieses Honigs verantwortlich, erklärt Thalhammer. „Medizinischer Honig wirkt keimabtötend, diese Wirkung kann man auch auf Kulturplatten im mikrobiologischen Labor testen.“ Sogar einige resistente Bakterien können damit abgetötet werden.

Antibakteriell

Eine weitere Fähigkeit macht medizinischen Honig für die Wundheilung sehr interessant: „Er wirkt gegen Entzündungen, reinigt die Wunden und baut um diese herum ein antibakterielles Milieu auf“, sagt Thalhammer. Denn zur Heilung einer offenen Wunde ist ein spezielles, eher feuchtes „Wundklima“ nötig. Es ist so aufgebaut, dass Bakterien und andere Krankheitserreger nicht eindringen können.

Und als ob das noch nicht genug wäre: Sogar die unangenehme Geruchsbildung mancher Wunden reduziert sich. Ob dieser Fülle an vorteilhaften Eigenschaften verwundert es, dass medizinischer Honig nicht bekannter ist und viel öfter zum Einsatz kommt. „Medizinischer Honig ist noch jung“, weiß Thalhammer. „Er wurde erstmals 2004 entwickelt und auf den Markt gebracht.“ In der medizinischen Wundversorgung habe er sich seither als dafür zugelassenes Honigprodukt gut etabliert – und wird intensiv beforscht. „Inzwischen gibt es mehr als 250 Studien dazu.“

Äußerliche Wunden

Erhältlich ist medizinischer Honig neben dem Einsatz in Kliniken bei schlecht verheilenden Wunden auch in Apotheken – als Creme, Gel, Tinktur und anderes. Thalhammer setzt das Bienenprodukt effektiv bei kleinen bis mittelgroßen, oberflächlichen Wunden bzw. Geschwüren (Ulzera) ein. „Der Honig wird pur, in seiner reinen Form, aufgetragen, anschließend wird ein Verband darübergegeben.“

Den ersten Honig für den medizinischen Einsatz entwickelte kurz nach der Jahrtausendwende ein Hersteller in Australien. Basis ist der Honig der in Australien und Neuseeland beheimateten Südseemyrthengattung Manuka. Er wird von Bienen gewonnen, hat einen herben, scharfen Geschmack und gilt als besonders unverfälscht und mit wenigen Keimen belastet. Der antibakterielle Wirkstoff heißt Methylglyoxal (MGO). Für den Einsatz in der Medizin ist die natürliche Reinheit aber noch zu gering. Der Honig muss mit verschiedenen Verfahren behandelt werden. „Medizinischer Honig muss keimfrei sein. Er ist etwas Besonderes, liegt in steriler Form vor und kann nicht mit Speisehonig verglichen werden“, betont der Mediziner. Er ist auch nicht zum Verzehr und nur zur äußerlichen Anwendung für die Wundbehandlung gedacht. Thalhammer warnt eindringlich vor Selbstversuchen in Eigenregie. „Natürlicher Honig ist nicht keimfrei, es kann zu schlimmen Infektionen kommen, wenn er auf Wunden aufgetragen wird.“

Honig und Honigprodukte werden schon seit Jahrtausenden zur Heilung genutzt, etwa im Ägypten der Pharaonen. Der berühmte griechische  Arzt Hippokrates soll in der Antike Hautgeschwüre mit dem Bienenprodukt Propolis behandelt haben. Studien, die die Wirkung von Bienenprodukte bestätigen, gibt es allerdings wenige. Ihre Anwendung nennt man Apitherapie. Heute weiß man aber auch, dass viele Stoffe (z. B. Pollen) Allergien auslösen können.

Honig Als Hausmittel ist das Bienenprodukt aus Nektar besonders in der Volksmedizin seit Langem bekannt: Milch mit Honig soll beim Einschlafen helfen, seine entzündungshemmende Wirkung nutzt man auch bei Erkältungen.

Propolis Das Harz aus dem Bienenstock schützt die Tiere vor Bakterien und Viren. Diese Wirkung soll auch dem Menschen nutzen, etwa um Entzündungen im Mundraum zu behandeln. Wissenschaftlich erwiesen ist das nicht, heißt es beim Department für Evidenzbasierte Medizin an der Donau-Uni Krems.

Gelée royale Es ist das „Superfood“ der Bienen. Die Königin erhält diesen Futtersaft lebenslang, die Bienenmaden nur in den ersten drei Lebenstagen. Die wertvollen Inhaltsstoffe sollen auch dem Menschen nützen, etwa in Kosmetikprodukten zur Hautstraffung oder als Nahrungsergänzungsmittel um u. a. Immunsystem und Selbstheilungskräfte zu stärken.

Blütenpollen Was die Bienen in der Natur sammeln, nennt man auch das „Brot der Bienen“. Es dient der Eiweißversorgung der Maden im Bienenstock. Als Nahrungsergänzung sollen sie beim Menschen antioxidativ wirken.