Manukahonig wirkt erwiesenermaßen antibakteriell.

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Manukahonig: Was der teure Honig wirklich bringt
09/27/2016

Manukahonig: Was der teure Honig wirklich bringt

Der teure Manukahonig soll heilend wirken - innerlich und äußerlich.

Manukahonig - klingt exotisch, ist es auch. Der aus Neuseeland stammende Honig wird von Honigbienen aus dem Blütennektar der Südseemyrte, auch Manuka genannt, erzeugt. Bei den Maori wird der Manukahonig seit jeher zur äußerlichen Desinfektion von Wunden und zur Behandlung von Erkältungen und anderen Infektionen verwendet. Auch bei uns wird der Honig aufgrund seiner angeblich so wundersamen Wirkung immer beliebter. Vor allem in Reformhäusern ist er mittlerweile der Star im Honigregal.

Die Wissenschaft auf den Spuren des Manukahonigs

2011 konnte eine In-vitro-Studie die antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung des Honigs belegen. Dabei wurde nicht nur auf Manukahonig, sondern auch auf andere Honigsorten Bezug genommen. Dessen heilende Effekte seien auf die keimtötende Wirkung, die Aufrechterhaltung der Wundfeuchtigkeit und die starke Zähflüssigkeit des Honigs zurückzuführen, die wiederum Infektionen verhindert. Die immunstärkende Wirkung fördere zudem die Wundheilung.

Auch in wissenschaftlichen Arbeiten des Instituts für Lebensmittelchemie der Technischen Universität Dresden (TU Dresden) konnte der antibakterielle Einfluss in-vitro nachgewiesen werden. Besonders bakterientötende Eigenschaften wurden gegen die Erreger Staphylococcus aureus und Escherichia coli festgestellt. Ersterer kann beim Menschen unter anderem zu Hautentzündungen, Muskelerkrankungen, Lungenentzündung und dem Toxischen Schocksyndrom führen. Escherichia coli kann starke Übelkeit und Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und im schlimmsten Fall Nierenversagen zur Folge haben.

An der TU Dresden konnte man die antibakterielle Wirksamkeit eindeutig auf eine Verbindung namens Methylglyoxal zurückführen. Normaler Honig enthält Wasserstoffperoxid, das dadurch entsteht, dass Bienen bei der Honig-Produktion das Enzym Glucose-Oxidase hinzufügen. Dieses bewirkt, dass aus dem Zucker im Honig geringe Mengen von Wasserstoffperoxid entstehen und der Honig somit antiseptisch wirkt. Manukahonig im Speziellen enthält hingegen als wesentlichen Inhaltsstoff neben Zucker das nicht-peroxidisch antibakteriell wirksame Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal, das sich erst nach der Aufnahme des Nektars durch die Bienen und den Transport in den Bienenstock bildet. Je nach Konzentration, die im Manukahonig generell relativ hoch ist, wirkt es ebenfalls leicht bis stark antiseptisch.

Der Methylglyoxalgehalt wird jedoch auch kontrovers diskutiert. So betonte Thomas Henle, Lebensmittelchemiker an der TU Dresden, dass die in bestimmten Manukahonigen gefundenen 300 bis 700 mg pro Kilogramm "für den menschlichen Organismus (…) möglicherweise nicht mehr unbedenklich" seien. Zudem würde die gesundheitsfördernde Wirkung beim bewussten Verzehr des Honigs in einigen Studien zwar angedeutet, hinreichende wissenschaftliche Beweise dafür gebe es bislang jedoch nicht.

Manukahonig als Bakterienhemmer

In einer aktuellen Untersuchung der Southampton Universität konnte man kürzlich feststellen, dass sich Manukahonig aufgrund seiner Inhaltsstoffe auch zur Reinigung von medizinischen Geräten eignet. Das berichtet der britische Telegraph unter Berufung auf die Studie. Den Forschern zufolge reduzierte der Honig die Vermehrung von Bakterien auf den Oberflächen um bis zu 75 Prozent. Die Ergebnisse würden belegen, dass der Honig sich wie ein Biofilm über das Material lege und verhindere, dass Bakterien der Oberfläche anhaften.

Besonders die im Krankenhaus durch Katheter ausgelösten Blasenentzündungen könnten damit in ihrer Entstehung bekämpft werden. "Katheterinfektionen machen einen Großteil der im Krankenhaus verbreiteten Infektionen aus. Das ist ein Bereich, den wir uns ansehen müssen", so Bashir Lwaleed, Professor für Gesundheitswissenschaften an der Southampton Universität. Zudem könnten Patienten künftig auch von den entzündungshemmenden Eigenschaften des Honigs profitieren.

Steigende Preise und unseriöse Angebote

Der wissenschaftliche Nachweis der antibakteriellen Wirkung des Manukahonigs ist die eine Sache, die gezielte Vermarktung durch die Anbieter jedoch eine andere. Weil der Honig weltweit als "Wundermittel" gegen Erkältungen und Wundinfektionen angepriesen wird, sind die globalen Absätze in jüngster Vergangenheit um ein Vielfaches gestiegen. Da die lokalen Anbieter in Neuseeland mit der Produktion überfordert sind, steigen auch die Preise. Sie liegen derzeit zwischen 10 und 50 Euro pro 100 Gramm.

Hinzu kommt, dass einige Anbieter ihre Produkte fälschlicherweise unter dem Namen Manukahonig verkaufen, um mehr Geld dafür verlangen zu können. So warnte die britische Agentur für Lebensmittelstandards Konsumenten bereits 2013 vor zunehmenden Betrügereien mit dem teuren Importprodukt.

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