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Wissen Gesundheit
01/12/2022

Detaillierte Erkenntnisse: So lange bleibt das Coronavirus an der Luft ansteckend

Britische Aerosolforscher haben sich der Frage, wann SARS-CoV-2 sein Ansteckungspotenzial an der Luft verliert, mithilfe komplexer Analysemethoden angenommen.

"Ich halte FFP2-Masken weiterhin fĂŒr eine wichtige Schutzmaßnahme, weil man den direkten Kontakt mit dem Virus vermeiden oder zumindest die Infektionsdosis heruntersetzen und damit eine Ansteckung verhindern kann“, betonte Hygienikerin Miranda Suchomel von der MedUni Wien kĂŒrzlich im KURIER-Interview.

Eine neue Untersuchung aus Großbritannien untermauert Suchomels Expertise mit spannenden Erkenntnissen.

Demnach verliert SARS-CoV-2 an der Luft innerhalb von 20 Minuten rund 90 Prozent seiner InfektiositĂ€t. Wobei der grĂ¶ĂŸte Anteil des Verlustes innerhalb der ersten fĂŒnf Minuten auftritt. Das zeigen die laut den beteiligten Forschenden der weltweit ersten Simulationen darĂŒber, wie das Virus in der ausgeatmeten Luft ĂŒberlebt.

Neue Test-GerÀte

Bisher beruhte der ĂŒberwiegende Großteil der Annahmen darĂŒber, wie lange SARS-CoV-2 in Form von winzigen Tröpfchen in der Luft ĂŒberlebt, auf Studien, bei denen das Virus in versiegelte BehĂ€lter, sogenannte Goldberg-Trommeln, gesprĂŒht wurde. Diese drehen sich, um die Tröpfchen in der Luft zu halten.

Mit dieser Methode fanden beispielsweise US-Forscher heraus, dass infektiöse Viren noch nach drei Stunden nachgewiesen werden konnten. Solche Experimente reflektieren jedoch nicht, was beim Husten oder Atmen unter realen Bedingungen passiert.

Die Forschenden der UniversitĂ€t Bristol entwickelten einen Apparat, mit dem sie eine beliebige Anzahl winziger virushaltiger Partikel erzeugen und sie zwischen zwei elektrischen Ringen fĂŒnf Sekunden bis 20 Minuten lang schweben lassen können, wĂ€hrend sie gleichzeitig die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit und die UV-LichtintensitĂ€t der Umgebung genau kontrollieren.

"Das ist das erste Mal, dass jemand in der Lage war, tatsÀchlich zu simulieren, was mit dem Aerosol wÀhrend des Ausatmungsprozesses passiert", wird Jonathan Reid, Leiter des Aerosol-Forschungszentrums an der University of Bristol und Hauptautor der Studie, im Guardian zitiert.

Feuchtigkeit als wichtiger Parameter

Die noch nicht von externen Fachkolleginnen und Fachkollegen begutachtete Studie legt nahe, dass die Viruspartikel beim Verlassen der relativ feuchten und kohlendioxidreichen Umgebung der Lunge rasch an Wasser verlieren und austrocknen. Allerdings hÀngt die Geschwindigkeit, mit der die Partikel austrocknen, von der Luftfeuchtigkeit der Umgebung ab.

Der Übergang zu einer Umgebung mit niedrigeren Kohlendioxidwerten gehe außerdem mit einem raschen Anstieg des pH-Werts einher. Beide Faktoren beeintrĂ€chtigen die FĂ€higkeit des Virus, menschliche Zellen zu infizieren.

Bei einer Luftfeuchtigkeit von weniger als 50 Prozent – solche Bedingungen herrschen etwa in BĂŒros vor – verlor das Virus innerhalb von fĂŒnf Sekunden etwa die HĂ€lfte seiner InfektiositĂ€t. Danach war der RĂŒckgang langsamer und gleichmĂ€ĂŸiger und betrug in den darauffolgenden fĂŒnf Minuten weitere 19 Prozent.

Bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent – was etwa einem Dampfbad oder einer Dusche entspricht – war der RĂŒckgang der InfektiositĂ€t langsamer: 52 Prozent der Partikel waren nach fĂŒnf Minuten noch infektiös, nach 20 Minuten waren es nur noch etwa zehn Prozent. Und danach gab es keinen Unterschied mehr zwischen den beiden Bedingungen.

Keine Daten zu Omikron

Die Temperatur der Luft hatte keinen Einfluss auf die InfektiositĂ€t, was der weitverbreiteten Annahme widerspricht, dass die Übertragung bei hohen Temperaturen geringer ist.

Die Effekte wurden bei verschiedenen SARS-CoV-2-Varianten beobachtet, darunter Alpha. Das Team hofft, in den kommenden Wochen mit Experimenten mit der Omikron-Variante beginnen zu können.

RĂŒckschlĂŒsse ziehen

Abstandsregeln sowie das Tragen von Masken seien daher die wirksamsten Mittel zur Verhinderung einer Infektion, befinden die Autorinnen und Autoren. BelĂŒftungsmaßnahmen seien ebenfalls sinnvoll, hĂ€tten aber wahrscheinlich eine geringere Wirkung.

"Die Menschen haben sich auf schlecht belĂŒftete RĂ€ume konzentriert und ĂŒber die Übertragung durch die Luft ĂŒber mehrere Meter oder quer durch einen Raum nachgedacht. Ich behaupte nicht, dass das nicht passiert, aber ich denke, dass das grĂ¶ĂŸte Risiko einer Ansteckung immer noch darin besteht, dass man jemandem nahe ist", so Reid.

"Wenn man sich weiter entfernt, wird nicht nur das Aerosol verdĂŒnnt, sondern es gibt auch weniger infektiöse Viren, weil das Virus im Laufe der Zeit an InfektiositĂ€t verliert."

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