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Wissen Gesundheit
05/17/2021

Aufzug im Wohnhaus: Die Aerosole fahren mit

Warum man auch im Aufzug zur eigenen Wohnung Maske tragen sollte.

von Elisabeth Gerstendorfer

Jeder, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist oder Aufzüge in öffentlichen Gebäuden benutzt, kennt es: Vor dem Betreten des Lifts muss eine FFP2-Maske aufgesetzt werden. Anders ist das im Wohnhaus, auf dem Weg nach oben zur Wohnung.

„Der Aufzug ist tückisch – er erzeugt bei alleiniger Nutzung ein scheinbares Gefühl der Sicherheit, jedoch können die ausgeatmeten Viren einer infizierten Person, noch lange nachdem diese Person den Lift verlassen hat, in der Luft schweben“, sagt Aerosolforscherin Bernadett Weinzierl, Leiterin der Aerosolphysik und Umweltphysik an der Uni Wien.

„Der Raum ist noch dazu sehr klein und dadurch schnell voll mit Viruspartikeln, wenn zuvor eine infizierte Person ohne Maske damit gefahren ist.“

Partikel in der Luft

Viele Studien bestätigen, dass sich SARS-CoV-2-Viren über Aerosolpartikel – das sind feine, in der Luft freischwebende Teilchen, die wir ausatmen – verteilen und so zu Ansteckungen führen können. Von nicht-infizierten Personen werden beim Sprechen zwischen ein und 100 Partikel pro Sekunde freigesetzt.

Infektiöse Personen setzen sehr viel mehr Partikel frei, die sich dann mit der Zeit in Innenräumen anreichern und von anderen Personen eingeatmet werden können. Ein einzelner Huster kann bereits einige Millionen Tröpfchen produzieren. Hinzu kommt, dass Aerosole mit einer Größe von 100 nm – das entspricht etwa der Größe des SARS-CoV-2-Virus – etwa 300 Stunden benötigen, um nur einen Meter in der Luft abzusinken.

Zwar ist das Virus nicht über einen so langen Zeitraum ansteckend. Laboruntersuchungen zeigen allerdings, dass es knapp drei Stunden braucht, bis die Hälfte der Viren in der Luft verschwindet. Weinzierl: „Wenn ich nach einer infizierten Person in den Aufzug einsteige, befinden sich die ausgeatmeten Viren noch in der Luft. Ist die Dosis hoch genug, kann es zu einer Infektion kommen. Je kleiner der Raum und je schlechter dieser belüftet ist, desto größer ist das Risiko.“

Das zeigt auch ein Bericht aus China: 71 Menschen hatten sich in einem Wohnhaus infiziert – ohne direkten Kontakt zu einer infizierten Person. Grund war, dass sich eine infizierte Frau zwar an die Quarantäne gehalten, aber den Aufzug benutzt hatte – wie auch die anderen Bewohner. Forscher, die den Fall untersuchten, vermuten, dass die Ansteckung im Aufzug stattfand, obwohl die Bewohner ihn nicht zur selben Zeit benutzten.

Schutz im Lift

Das Tragen einer FFP2-Maske reduziert das Ansteckungsrisiko deutlich. „Ich empfehle, die Maske im Lift immer aufzusetzen – auch wenn man alleine damit fährt“, betont Weinzierl. Bevor man in den Lift steigt, kann man auch die Türen öffnen lassen und mit dem Einsteigen warten, um frische Luft hineinzulassen.

Ein Ansatz, um den Luftaustausch zu verbessern, wäre, Aufzugtüren so zu programmieren, dass die Türen geöffnet bleiben, wenn der Lift nicht benutzt wird. In Krankenhäusern sind Liftanlagen häufig mit einem Belüftungssystem verbunden, wodurch Erreger im Lift reduziert werden. „Wenn möglich, kann man auch die Treppe nehmen. Jedoch sollte man auch hier die Maske aufsetzen und im Stiegenhaus für eine gute Belüftung sorgen, etwa, indem Fenster geöffnet werden“, sagt Weinzierl.

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