Aerosole sind winzige Partikel, die beim Atmen, vor allem aber beim Singen und lauten Sprechen über den Mund ausgestoßen werden und in der Umgebungsluft landen.

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Wissen Gesundheit
04/02/2021

Aerosolforscherin: "Gang auf die Toilette kann problematisch sein"

Wie man sich vor Aerosolen schützen kann und wie sie sich im Freien verhalten, erklärt Bernadett Weinzierl im KURIER-Interview.

von Elisabeth Gerstendorfer

Aerosole sind vor allem durch die Verbreitung des SARS-CoV2-Virus in der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Viele wissenschaftliche Studien bestätigen, dass sich Coronaviren über Aerosolpartikel verteilen und so zu Ansteckungen führen können. Doch was ist ein Aerosol und wie sorgt es dafür, dass wir uns infizieren? Diese und andere Fragen beantwortet Aerosolforscherin Bernadett Weinzierl, Leiterin der Aerosolphysik und Umweltphysik an der Uni Wien, im Gespräch mit dem KURIER.

KURIER: Frau Prof. Weinzierl, was macht Aerosole für die Pandemie so gefährlich?

Weinzierl: Aerosole sind feine in der Luft freischwebende Teilchen. In Innenbereichen sind Quellen für Aerosolpartikel etwa Hausstaub, Ruß von Kerzen oder Kochen. Wenn Menschen ausatmen, atmen sie auch Aerosolpartikel aus und – sofern sie infiziert sind – auch Viruspartikel. Je länger ich mich in einem Raum aufhalte, desto mehr ausgeatmete Partikel sammeln sich an, wenn ich nicht lüfte. Und je lauter man spricht oder je mehr man singt oder Sport betreibt, also je mehr Atemaktivität besteht, desto höher ist die Anzahl der ausgeatmeten Partikel.

Wie funktioniert die Ansteckung über Aerosole?

Man muss eine bestimmte Anzahl von Viruspartikeln einatmen, um sich anzustecken. Die genaue Zahl ist nicht klar, aber man geht von einigen hundert bis wenigen tausend Partikel aus. Die Ansteckungswahrscheinlichkeit hängt davon ab, wie hoch die Dosis ist, die ich abbekomme. Die Dosis ist die Anzahl der Partikel, die über einen gewissen Zeitraum aufgenommen werden. Sie hängt von der Atemaktivität, also etwa Schweigen, Singen, lautes Sprechen, sowie der erzeugten Aerosolkonzentration in dem Raum ab. Zudem ist die Aufenthaltsdauer im Raum und wie viele infizierte Leute im Raum sind, entscheidend. Mit zunehmender Dosis steigt die Ansteckungswahrscheinlichkeit.

Wie kann man sich davor schützen?

Wenn ich lüfte, verdünne ich die von den Leuten ausgeatmete Luft. Eine Maske wirkt wie ein Filter und reduziert die Anzahl der eingeatmeten Partikel und damit die Dosis. Bei Masken ist es wichtig, dass diese aus einem Material bestehen, das gut filtert, also z.B. FFP2-Masken, und dass die Maske dicht auf dem Gesicht sitzt. Auch Luftfiltergeräte können dazu beitragen, die Aerosolokonzentration im Raum zu reduzieren.

Welche Rolle spielen Aerosole im Freien?

Im Freien weht der Wind und das Luftvolumen ist viel größer. Damit wird die ausgeatmete Luft sehr schnell verdünnt, wodurch die Konzentration der ausgeatmeten Aerosolpartikel nach unten geht. Deswegen sagt man, dass die Ansteckungswahrscheinlichkeit über Aerosolpartikel draußen unproblematischer ist, da das Luftvolumen größer ist, die Aerosole verteilen sich besser. Wenn Leute sehr dicht beieinandersitzen oder sich für längere Zeit direkt gegenüberstehen, können aber Aerosolpartikel eine Rolle spielen.

Macht es einen Unterschied, ob man sich z.B. im Park oder auf einer Terrasse trifft?

Die Luftzirkulation ist umso besser, je weniger der Wind gebremst wird. In einer windgeschützten Nische auf einer Terrasse werden die ausgeatmeten Aerosolpartikel schlechter bzw. langsamer verdünnt als auf einer freien Fläche im Park. Es gibt zwar im Freien keine Anreicherung der Aerosolpartikel, das Übertragungsrisiko ist aber nicht Null, insbesondere, wenn man sich in einer Menschenmenge mit ein paar infizierten Personen aufhält.

Wie kann man das Infektionsrisiko im Freien reduzieren?

Wenn ich sichergehen möchte, ist es besser, bei einem Treffen spazieren zu gehen und mit großem Abstand nebeneinander zu gehen als sich für einige Stunden gegenüberzusitzen oder gegenüber zu stehen. Auch wenn man sich draußen trifft, darf man sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Ein Gang auf die Toilette kann hier schon problematisch sein. In einer schlecht belüfteten Toilette, in der vielleicht zuvor eine infizierte Person war, ist das Infektionsrisiko erhöht – selbst wenn man keine anderen Personen trifft. Es gibt Berichte von Leuten, die sich zwar draußen getroffen haben, dann aber ohne Maske am selben WC waren, und sich so dann doch angesteckt haben.

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