Impfung

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© APA - Austria Presse Agentur

Wissen
11/12/2020

Erste Freiwillige berichten: Wie fühlt sich die neue Corona-Impfung an?

Einige der 43.000 Probanden berichten, wie es ihnen nach der Injektion gegangen ist. Für die Forschung sind diese Selbstauskünfte laut Experten nur am Rande interessant.

von Daniela Davidovits

Der potenzielle Durchbruch bei der Entwicklung eines wirksamen Corona-Impfstoffes sorgte zu Wochenbeginn weltweit für Begeisterung. Aus der finalen Studienphase (Tests an Zehntausenden Probanden) legten das deutsche Biotechnologieunternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer am Montag positive Daten zur Wirksamkeit der Vakzine vor.

Demnach war das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, für Studienteilnehmer, die den Impfstoff namens "BNT162b2" erhielten, um mehr als 90 Prozent geringer als ohne Impfung. Biontech und Pfizer sind damit die global ersten Konzerne, die erfolgreiche Daten aus der für eine Zulassung entscheidenden Studie mit einem Corona-Impfstoff präsentieren können. Das Unternehmen gab auch an, dass keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bei den Probanden aufgetreten waren.

Teilnehmer berichten

Jetzt berichten erste Test-Patienten in britischen Medien wie The Sun und Daily Mail, wie sie sich nach der Verabreichung des Impfstoffes gefühlt haben.

Ihre Beschreibungen ähneln auf den ersten Blick jenen Impf-Reaktionen, die auch nach einer Grippe-Impfung auftreten können: Sie berichten beispielsweise von milden körperlichen Zuständen wie "Kopfschmerzen wie bei einem Kater" (siehe Video weiter unten) oder von Symptomen, die theoretisch auch bei anderen Impfungen auftreten können, etwa Kopf- oder Gliederschmerzen.

Für die Wissenschaft haben diese Einzelrückmeldungen keinerlei Bedeutung, erklärt Infektiologe und Impfspezialist Herwig Kollaritsch dem KURIER: "Das ist so, wie wenn mir jemand erzählt, wie ihm ein Wein geschmeckt hat. Für eine Studie ist es wichtig, die Daten statistisch auszuwerten. Erst dann weiß man, ob eine Reaktion wirklich mit der Impfung zusammenhängt, oder ob ein Proband nur zufällig an den Tag Kopfweh hatte. Deswegen werden ja auch Tausende Menschen in dieser Studienphase geeimpft."

Der US-Freiwillige Glenn Deshields (44) aus Texas schildert im Video auch, wie die Verabreichung der Impfung bei ihm abgelaufen ist:

Deshields berichtete, er hätte sich "verkatert" gefühlt, aber die Symptome seien schnell verschwunden. Die 45-jährige Carrie aus Missouri gab an, sie hätte Kopfschmerzen, Fieber und Gliederschmerzen entwickelt. Diese Begleiterscheinungen seien bei der zweiten Teilempfung stärker gewesen als bei der ersten.

Echter Wirkstoff oder Placebo

Um wissenschaftlich präzise zu ergründen, ob der Impf-Wirkstoff effektiv, sicher und zuverlässig ist, wird die Studie als Doppel-Blind-Studie durchgeführt, erklärt Kollaritsch: "Die Patienten wissen also nicht, ob sie den echten Wirkstoff oder ein wirkungsloses Placebo bekommen haben. Mit einer Vergleichsgruppe kann man den Effekt eindeutiger nachweisen."

Deshfields berichtete, er habe nachher per Test nachweisen lassen, dass er nach der Injektion Antikörper gebildet hatte. Ein anderer Proband, der US-Ingenieur Bryan aus Rome in Georgia, sagte der Presseagentur PA, er hätte vermutlich ein Placebo bekommen. Er hatte keine Immunreaktion und steckte sich kurze Zeit später bei seiner Tochter mit SARS-CoV-2 an. Inzwischen seien beide wieder gesund.

Impfreaktion vs. Nebenwirkung

Als Mediziner unterscheidet Kollaritsch auch zwischen Impfreaktionen und Nebenwirkungen: "Ich habe etwa 600.000 Impfungen selbst durchgeführt und ich weiß, wie wichtig es ist, die Menschen gut zu informieren. Zum Beispiel bei der FSME-Impfung: Es kann sein, dass man am Abend die Impfstelle noch wie einen Muskelkater spürt, eventuell sogar eine Rötung hat. Der Körper reagiert ja auf eine Impfung. So ist es auch bei der Influenza und so wird es auch bei der Corona-Impfung sein."

Wichtig sei, dass in den Testphasen analysiert wird, wie die Probanden reagieren. So sei es auch üblich, in einer solchen Phase ein ausführliches "Impf-Tagebuch" zu führen, damit Reaktionen und Nebenwirkungen genau analysiert werden können. Das endet auch nicht, wenn die Impfung auf dem Markt ist: "Es gibt ein rigides Regelwerk, wie man die Daten weiter erhebt. Dann hat man ja noch viel mehr Personen als in einer Studienphase, gerade wenn es um sehr seltene Nebenwirkungen wie geht." Beim Pharmaunternehmen AstraZeneca, das zusammen mit der Universität Oxfort einen Corona-Impfstoff entwickelt, war die finale Impf-Studie nach dem Auftreten von Problemen bei einem Probanden gestoppt worden. Kollaritsch: "Es sich am Ende dann gezeigt, dass dieser Mann gar nicht den Wirkstoff bekommen hatte."

Projekt "Lichtgeschwindigkeit" schreitet voran

Inzwischen haben mehr als 43.500 Menschen im Rahmen des Projekts "Lichtgeschwindigkeit" von Biontech und Pfizer mindestens eine der beiden Impfungen bekommen, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Ein Impfschutz wird nach Angaben der Hersteller eine Woche nach der zweiten Injektion erreicht.

Die beiden Firmen planen, noch in diesem Monat in den USA eine Notfallgenehmigung für den Impfstoff bei der US-Arzneimittelbehörde FDA zu beantragen. Wenn genügend Daten zur Sicherheit des Impfstoffs vorlägen, womit in der dritten Novemberwoche gerechnet werde, solle der Antrag bald darauf gestellt werden. In Europa wurden Teile des Zulassungsantrags wurden bereits vorgezogen und bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA eingereicht, berichtete der KURIER.

Dass für die Pharmafirmen Impfungen das beste Geschäft seien, bestreitet Kollaritsch: "Für eine Impfung gibt es 100 Schritte in der Entwicklung, das ist sehr komplex. Viel mehr Geld verdienen sie mit Antidepressiva."

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