© KURIER/Jeff Mangione

Netzhautleiden
03/18/2013

Der Laser-Blick in die Netzhaut

Eine moderne Methode erkennt Netzhautleiden früh – doch Patienten müssen selbst zahlen.

von Ernst Mauritz

Sie sind die häufigste Ursache für schweren Sehverlust und Blindheit in den Industriestaaten: Netzhauterkrankungen. „An der Netzhaut äußern sich die großen Wohlstandskrankheiten – Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes – ganz besonders“, sagt Univ.-Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, Leiterin der Augenklinik der MedUni Wien / AKH Wien.

Vor den 1990er-Jahren erblindeten daran rund 20 Prozent der Patienten – heute sind es lediglich jene zwei Prozent, die sich nicht behandeln lassen. Möglich wurde diese Erfolgsgeschichte durch eine von Wien ausgehende neue Diagnosemethode und eine neue Therapie, sagt Schmidt-Erfurth. Sie spricht diesen Mittwoch beim Gesundheitstalk über Netzhautleiden (siehe rechts).

Die Diagnose Ein Laserverfahren (OCT: Optische Kohärenztomografie) ermöglicht den Blick in die Netzhaut. „Mit der OCT sehen wir kleinste Veränderungen bevor es zu einem Sehverlust kommt“, so Schmidt-Erfurth.

Diese Methode wurde Anfang der 90er-Jahre von der Augenklinik und dem Zentrum für medizinische Physik der MedUni Wien entwickelt und seither weiter verbessert. „Die OCT ist heute weltweit die häufigste Untersuchungsmethode am Auge.“

Die Therapie Bei der feuchten AMD bilden sich neue, undichte Blutgefäße, Flüssigkeit lagert sich in oder unter der Netzhaut ab. Die Injektion spezieller Antikörper direkt in den Glaskörper (die durchsichtige, gelartige Flüssigkeit im Inneren des Auges) blockiert den Wachstumsfaktor dieser Blutgefäße. „Bei 95 Prozent der Patienten kann durch eine Injektion alle vier bis acht Wochen das Fortschreiten der Erkrankung gestoppt werden, bei 30 bis 40 Prozent verbessert sich die Sehleistung deutlich.“ Bis vor kurzem war nur ein Präparat für diese Anwendung zugelassen. Seit heuer ist auch ein zweites Medikament in der EU auf dem Markt.

Leistung vorenthalten

„Doch nur 14 Prozent der Patienten mit feuchter AMD erhalten eine ausreichende Diagnose und Therapie mit einem dieser Medikamente“, warnt die Leiterin der Augenklinik: Denn – mit Ausnahme von Oberösterreich – können niedergelassene Augenärzte die OCT-Diagnose nicht als Kassenleistung abrechnen – weshalb viele auch noch gar kein OCT-Gerät haben: „Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern wird in Österreich den Patienten diese wichtigste medizinische Maßnahme überhaupt vorenthalten.“ Aber auch die Injektionstherapie selbst muss bei niedergelassenen Augenärzten als Privatleistung bezahlt werden: „Ja nach Präparat sind das bis zu 250 € pro Injektion.“

Die Wiener Augenklinik ist international führend:

Mit dem Zentrum für medizinische Physik wird die OCT-Methode weiterentwickelt – um noch mehr Details der Netzhaut sichtbar zu machen und Veränderungen noch früher zu erkennen.

In Europa einzigartig ist das Vienna Reading Center: Bevor ein Medikament gegen Netzhauterkrankungen zugelassen wird, muss eine Studie mit tausenden Patienten durchgeführt werden – die sich auf viele Spitäler weltweit verteilen. „Die Netzhautbilder aller Patienten werden zu uns geschickt und von uns zentral ausgewertet“, sagt Schmidt-Erfurth: „Wir erheben wie gut das neue Medikament wirkt, wie oft es gegeben werden soll etc. Damit sind wir das Bindeglied zwischen Industrie und Zulassungsbehörde.“

Niedergelassene heimische Ärzte, die schon die OCT-Diagnose anbieten, können über das „OphthalNet“ – „eine Art Facebook für Augenärzte“ – die Netzhautbilder ihrer Patienten an die Klinik schicken: „Wir werten sie dann aus. So hat jeder Patient in ganz Österreich die Garantie, nach neuesten Standards diagnostiziert und behandelt zu werden.“

Makula

Gelber Fleck, jene Stelle in der Mitte der Netzhaut mit der höchsten Dichte an Sehzellen. Bis zu 200.000 Österreicher haben eine Netzhauterkrankung.

Trockene AMD

Häufige Form der altersbedingten Makula-Degeneration (AMD, 80 % aller Fälle). Schreitet langsam voran. Stoffwechselprodukte lagern sich unter der Netzhaut ab. Therapie: Nährstoffe wie Lutein.

Feuchte AMD

Aggressivere Form. Kann innerhalb weniger Monate zu schwerster Sehbehinderung führen. Neue, undichte Blutgefäße wachsen in die Makula hinein, Flüssigkeit lagert sich ab, Sehzellen sterben ab. Therapie: Antikörperinjektionen.

Diabetisches Makulaödem

Flüssigkeitsansammlung in der Netzhaut durch vom Diabetes geschädigtes Gewebe.

Diskussion zu Netzhautleiden am Mittwoch

Netzhauterkrankungen sind das Thema des Gesundheits-Talk am Mittwoch, 20. 3., 18 Uhr, im Rektoratssaal der Medizinischen Universität Wien, Spitalg. 23, 1090 Wien. Veranstalter sind der KURIER, die MedUni Wien und Novartis.

KURIER-Ressortleiterin Gabriele Kuhn führt durch den Abend und begrüßt Univ.-Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, MedUni Wien, Dr. Astrid Polak, Augenärztin mit Kassenpraxis und Mag. Irene Vogel, Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs. Der Eintritt ist frei.

Hier finden Sie weitere Infos und einen Sehtest

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