Wissen und Gesundheit
25.01.2018

Antibabypille: Nur 12 von 84 Präparaten "geeignet"

Viele Präparate könnten das Risiko für Thrombosen erhöhen und werden im Test daher als "wenig geeignet" eingestuft.

Sara W. war 24, als es passierte – sie ist schlank, sportlich, raucht nicht, ernährt sich gesund und fällt damit keinesfalls in das Schema, wonach sie bei der Einnahme der Antibabypille Vorsicht walten lassen sollte.

Dennoch quälten sie eines Tages plötzlich Atemprobleme und es ist erst dem dritten Arzt, den sie wegen der Schmerzen besucht hat, zu verdanken, dass er ihre Lungenembolie entdeckt und ihr Leben gerettet hat. Ihr Herz hat zum Glück keinen Schaden genommen, aber ein Jahr später weist ihre Lunge noch immer einen Schatten auf und sie hat manchmal auch noch immer Atemprobleme. Ob ihre hormonelle Verhütung verantwortlich für die Blutgerinnsel war, die in ihre Lungenflügel gewandert sind, ist schwer nachzuweisen, aber "sehr wahrscheinlich", wurde Sara von den Ärzten erklärt.

Ein aktueller Bericht in der Februar-Ausgabe des Testmagazins Konsument zeigt nun, wie wenige der gängigen Antibabypillen in Bezug auf das Risiko für eine Thrombose oder Lungenembolie überhaupt zu empfehlen sind. Immerhin gilt die Antibabypille noch immer als meistverwendetes und besonders sicheres Verhütungsmittel.

Im Test wurden 84 orale Verhütungsmittel, die in Österreich zugelassen sind, unter die Lupe genommen. Nur zwölf davon stuften die Experten des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) als geeignet ein – dazu gehören etwa Erlidona, Loette, Xyliette oder Melleva. "Bei Präparaten mit dem Gestagen Levonorgestrel besteht das geringste Risiko einer Thrombose oder Lungenembolie", heißt es dazu als Erklärung.

28 Präparate empfiehlt der VKI nur "mit Einschränkungen". Dabei handelt es sich um Kombinationspräparate mit den Gestagenen Chlormadinonacetat, Dienogest, die etwa gegen Akne und fettige Haut wirken, und Nomegestrol. Hier sei das Risiko für Thrombosen der tiefen Beinvenen noch nicht geklärt.

Die restlichen 44 Verhütungsmittel werden als "wenig geeignet" eingestuft – darunter fallen durchaus beliebte Markennamen wie Mirelle, Yasmin(elle) oder Yaz. Bei solchen Kombinationspräparaten mit Gestagenen, die erst in jüngerer Zeit entwickelt wurden, bestehe ein doppelt so hohes Risiko für Thrombosen wie bei Pillen mit Levonorgestrel. Diese Pillen waren vor allem beliebt, weil sie sich positiv auf Haut und Figur auswirken sollten.

"Riesenwirbel"

Die Risiken sind auch den Gynäkologen bewusst, wie die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Univ.-Prof. Petra Kohlberger, dem KURIER erklärt. Seit die Pharmafirmen vor rund drei Jahren vor dem erhöhten Thromboserisiko bei dieser Medikamentengruppe gewarnt haben, sei "ein Riesenwirbel durch die gesamte Gynäkologenschaft gegangen." Bei diversen Fachtagungen habe man sich darauf geeinigt, vor allem keine Erstverschreibungen mit Drospirenon mehr auszugeben. "Wenn es jemand schon nimmt und gut verträgt, gibt es keinen akuten Bedarf das zu ändern", erklärt Kohlberger.

Vor der Verschreibung der Antibabypille sei jedoch eine ganz genaue Anamnese wichtig, um festzustellen, ob es bei der Patientin oder in der Familie schon Thrombosen gab, ob erhöhter Blutdruck besteht oder ob es sonstige Kontraindikationen für eine Verschreibung gibt.

Trend weg von Pille

"Generell hinterfragen die jungen Patienten aber viel mehr die Antibabypille als früher. Der Trend geht weg von oraler Verhütung." Darauf hätten auch schon die Pharmafirmen reagiert und bieten inzwischen kleinere Hormonspiralen für Frauen an, die noch keine Kinder geboren haben. "Die Pille verschreibt sich trotzdem leichter. Das Einsetzen der Spirale ist nicht immer ganz schmerzfrei", gibt Kohlberger zu.

Sara W. würde sich dennoch mehr Aufklärung wünschen: "Die Risiken werden oft heruntergespielt. Viele wissen nicht, dass Thrombosen zu einer Lungenembolie führen können oder wie sich Symptome äußern."