Firmenschild Deloitte.

© REUTERS/Hannah Mckay

Wirtschaft
04/15/2021

Wirtschaftsstandort Österreich "am Scheideweg"

Eine Untersuchung von Deloitte sieht dringenden Handlungsbedarf, insbesondere bei der Digitalisierung.

von Martin Meyrath

Mehr als ein Jahr nach dem Beginn der Corona-Pandemie hat sich in Österreich eine gewisse "Ernüchterung" eingestellt, so Harald Breit, der designierte Chef von Deloitte Österreich. Das Beratungsunternehmen sieht den Wirtschaftstandort "am Scheideweg" und fordert dringende Maßnahmen.

Für den "Deloitte Radar 2021" wurden vier internationale Indices, wie der "World Competitiveness Index", mit einer Online-Umfrage unter 250 österreichischen Führungskräften kombiniert. Waren im Sommer 2020 noch knapp zwei Drittel der Befragten zuversichtlich, dass Österreich im internationalen Vergleich gut bis sehr gut durch die Corona-Krise komme, so war es in der aktuellen Umfrage nur noch gut ein Viertel.

"Wir müssen jetzt an den richtigen Stellschrauben drehen und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um erfolgreich aus der Krise zu kommen" fordert Breit. Ganz oben auf der Wunschliste der Manager steht eine rasche Digitalisierung: Über 90 Prozent der Befragten wünschen sich dabei mehr Tempo, insbesondere in den Bereichen Verwaltung, Schulsystem und Gesundheit. Die im Jahresvergleich starke Zunahme in der Gewichtung dieses Aspekts erklärt Breit mit der persönlichen Betroffenheit der Befragten im letzten Jahr.

Staatliche Investitionsförderungen, insbesondere für den Bereich Umwelttechnologien, halten 86 Prozent für wichtig. Insgesamte wirke die Pandemie "wie eine Lupe", die Stärken und Schwächen verstärkt sichtbar machen, so Breit.

"Dringenden Handlungsbedarf" verortet Deloitte auch bei der Senkung von Kosten und Steuern. Insbesondere die im internationalen Vergleich hohen Lohnnebenkosten sind laut neun von zehn Befragten ein Hindernis für den Wirtschaftsstandort. Steuersenkungen für Unternehmen hält hingegen nur etwa die Hälfte der für wichtig.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen wünschen sich die Befragten vermehrte Weiterbildungsmöglichkeiten und eine höhere Flexibilität am Arbeitsmarkt. Insbesondere die inner-österreichische Mobilität von Arbeitnehmern sollte demnach attraktiver werden. Defizite verortet Deloitte auch bei der Verfügbarkeit von Risikokapital und der Start-up-Kultur in Österreich.

Stärken des Wirtschaftsstandorts

Stärken attestiert die Befragung dem österreichischen Wirtschaftsstandort bei der hohen Lebensqualität, dem sozialen Zusammenhalt und der Qualität des Gesundheitssystems. Auch mit der Infrastruktur sind die Führungskräfte weitgehend zufrieden, beim Breitbandausbau sehen sie aber noch Luft nach oben. Bei der Forschungsförderung punktet Österreich ebenfalls. Sie wird von der Hälfte zumindest als "gut", von einem weiteren Drittel immerhin als "befriedigend" eingeschätzt.

Die staatlichen Hilfsprogramme zur Bewältigung der Corona-Krise werden weitgehend positiv bewertet. Für "nicht genügend" halten sie lediglich vier Prozent. Probleme gebe es dabei aber in der administrativen Umsetzung.

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