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Wirtschaft
11/14/2019

Was Tesla den Deutschen voraus hat

Elon Musk wählt Berlin als Standort für seine vierte gigafactory. Für Autoindustrie des Landes ist das Druck und Ansporn zugleich.

von Irmgard Kischko, Robert Kleedorfer

Der Chef des amerikanischen Elektroautobauers Tesla, Elon Musk, ist bekannt für knappe Ankündigungen: Bei der Überreichung eines regionalen Autopreises in Deutschland lüftete er das Geheimnis, über das seit Monaten spekuliert wird, nämlich: Wo wird Tesla seine vierte Gigafactory bauen? Nahe Berlin, verkündete der Tesla-Boss. Mehr nicht. Nicht wann, nicht was genau dort produziert wird.

Das kam später über Twitter. Demnach soll dort das neue Tesla-Model Y, ein kleiner SUV, gefertigt werden. Und zudem angeblich Batterien und Antriebsstränge. Bis zu 10.000 Jobs inklusive der Zulieferbetriebe sollen geschaffen werden. Die deutsche Politik applaudiert, die Autobauer aber wird die Fabrik gehörig unter Druck setzen – falls sie tatsächlich gebaut wird.

Was also ist von Musks großspurigen Ankündigungen zu erwarten. Der KURIER hat Fakten zusammengetragen und Experten befragt:

Der E-Auto-Entwickler

Musk ist mit Sicherheit ein guter Entwickler. Er hat den E-Autos in jüngster Zeit zum Durchbruch verholfen und mit Tesla Modelle auf den Markt gebracht, die in der Pkw-Oberliga mitspielen.

Die deutsche Autoindustrie hat der E-Auto-Boom dagegen am falschen Fuß erwischt. Sie setzten zu lange ausschließlich auf Benzin und Diesel. Allerdings werde VW mit dem Nachfolgemodell des e-Golf dank des chinesischen Absatzes mit 400.000 bis 500.000 Stück „auf Augenhöhe mit Tesla“ kommen, wie es Aktienanalyst Frank Schwope von der Norddeutschen Landesbank formuliert. Mit der Tesla-Gigafactory wird die deutsche Autoindustrie dennoch auf Trab gehalten.

Der Investor

Dass Tesla gerade jetzt in einem europäischen Land investieren will, hat gute Gründe. Musk fürchtet offenbar mögliche Strafzölle auf europäische Autos durch die USA. Mit einem Werk in der EU kann er aber den europäischen Markt direkt aufrollen. „Es hat lange kein neues Autowerk mehr in Deutschland gegeben. Die neue Konkurrenz wird das Geschäft beleben“, ist Schwope überzeugt. Auch der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier sieht die Entscheidung Teslas für die Deutschen positiv. „Das ist ein weiterer Beweis für die Attraktivität des Automobilstandorts Deutschland und ein Meilenstein beim Ausbau von E-Mobilität und Batteriekompetenz.“ Der Wettbewerb sei gut. „Für den Autostandort ist Musks Ankündigung eine gute Nachricht“, sagt Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. „Mit der Entscheidung von Musk für Deutschland werden wir gestärkt und die E-Mobilität nimmt mehr Fahrt auf als bei 100 Kanzlergipfeln in Berlin.“

Der Viel-Versprecher

Während die Deutschen in der Ingenieurskunst und der Qualität ihrer Fahrzeuge Tesla zumindest Paroli bieten können, hat Musk in punkto Marketing bei weitem die Nase vor. Der Tesla-Chef ist ein grandioser Ankünder, er verspricht viel, kann aber bei weitem nicht alles halten. Das betraf zuletzt Absatzzahlen ebenso wie Daten über künftige Produktionen. Im dritten Quartal 2019 lieferte Tesla nur 97.186 Fahrzeuge aus, was einem Plus von nur 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Musk aber hält sich mit großen Versprechen in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Der Verlust-Schreiber

Das größte Manko bei Tesla ist, dass das Unternehmen nach wie vor Verluste schreibt. „Musk hat viel versprochen, aber noch kein Geld verdient“, bringt es Analyst Schwope auf den Punkt. Die deutschen Autobauer haben zwar mit Konjunkturschwäche, drohenden US-Zöllen und dem Rückstand in der E-Mobilität zu kämpfen, doch sie schreiben nach wie vor Gewinne. Tesla hat in den ersten neun Monaten 2019 bei einem Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar einen operativen Verlust von 428 Millionen Dollar eingefahren. Der Aktienkurs ist mit derzeit rund 250 Dollar weit von seinem Allzeithoch von 377 Dollar entfernt. Dudenhöffer zweifelt daher an, dass die deutsche Produktion schon 2021 startet. Musk müsse mit den Finanzen haushalten und China habe für ihn Vorrang.

Der Konkurrent

Musks Pläne mögen für deutsche Autobauer als Kampfansage gelten, die zur Unzeit kommt. Sie befinden sich gerade in einer schwierigen und teuren Transformationsphase. Man muss aber die Kirche im Dorf lassen. Tesla ist zwar Marktführer bei reinen E-Autos in Deutschland. Über alle Pkw gerechnet ist der Marktanteil aber mit 0,2 Prozent sehr klein.

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