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Wirtschaft
09/16/2019

Imageschaden: Wie das Auto zum Hassobjekt wurde

Der Dieselskandal hat einen tiefgehenden Imageschaden für die Autobauer verursacht. Die Branche muss sich neu aufstellen.

von Robert Kleedorfer

Freiheit und Individualität. Mit diesen positiven Begriffen sind Autos seit den Zeiten des Wirtschaftswunders assoziiert worden. Doch das ist vorbei. Blechkiste ist noch ein vergleichsweise harmloser Ausdruck für das vierrädrige Gefährt. Stinker, Umweltzerstörer oder Klimasünder sind jetzt in Bezug aufs Auto in vieler Munde. Doch wie kam es dazu?

Dieselskandal: Der Ursprung des Übels liegt im Dieselskandal. Im September vor mittlerweile vier Jahren wurde bekannt, dass Volkswagen im großen Stil die im Testbetrieb festgestellten Abgaswerte zahlreicher Modelle manipuliert hat. Auch bei anderen Herstellern wurden Unregelmäßigkeiten bekannt. Hohe Strafen, viele Schadenersatzprozesse und verschärfte Abgasnormen bei neuen Motoren waren die Folge. Für Kritiker war mit dem Skandal erwiesen: Die offiziellen Verbrauchsangaben sind massiv geschönt. Aber auch Käufer fühlten sich hinters Licht geführt. Die Hersteller haben somit den Imagewandel selbst verschuldet.

CO2-Problematik: Eng mit dem Dieselskandal ist das -Problem verbunden. Der Verkehr ist für fast 30 Prozent der gesamten -Emissionen der EU verantwortlich (Tendenz steigend); davon entfallen rund 60 Prozent auf Pkw. Diesel emittieren allerdings im Vergleich zu Benzinern kaum (dafür weitaus mehr Stickoxide). Da im Zuge des Dieselskandals die Verkäufe stark zugunsten von Benzinern zurückgingen, werden Pkw in Zukunft in Summe mehr emittieren.

SUVs: Die sportlichen Geländewagen sind seit einigen Jahren Top-Seller. Mittlerweile werden sie auch auf Basis kleinerer Modelle (wie Polo) auf den Markt gebracht. Viele halten SUVs für spritschluckende Monster auf vier Rädern. Zudem werden sie als Sicherheitsrisiko gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern (Kinder, Radfahrer) gesehen. Fakt ist jedoch: Nur zwei Prozent aller SUVs sind laut dem deutschen Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer Riesen mit mehr als 4,90 Meter Länge und 1,99 Meter Breite. Zudem emittiert ein aktueller SUV im schlechtesten Fall ein wenig mehr als ein Family-Van. Und Studien zufolge sind SUV gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern keineswegs gefährlicher als andere Autos.

Kampf um den Platz: Während Autos am Land als notwendig erachtet werden, gelten sie in Städten als Auslaufmodell. Denn die öffentlichen Verkehrsmittel sind gut ausgebaut und viele Bürger wollen zugunsten anderer Verkehrsteilnehmer Autos weniger Raum geben. Parkplätze im öffentlichen Raum etwa werden als Platzverschwendung betrachtet.

Die Autoindustrie hat den relativ plötzlichen Gegenwind in dieser Dimension nicht erwartet und zunächst in seiner Wirkung unterschätzt. Während Umweltorganisationen perfektes Lobbying betreiben, kommen die Hersteller, zumindest in der Außenwirkung, nicht richtig auf Touren. Im Bemühen, ihr schlechtes Image wieder zu korrigieren, fahren sie immer hinterher. So sehen ihre Initiativen aus:

Alternative Antriebe: Nicht wirklich freiwillig konzentrieren sie ihre Anstrengungen auf die Entwicklung alternativer Antriebe wie Elektromotoren. Hier fließen Milliarden hinein, aber noch lohnt es sich nicht. Die Käufer bevorzugen noch immer Verbrennungsmotoren. Und für viele Kritiker bleiben Autos negativ behaftet, egal mit welchem Antrieb. Schließlich verbrauchen sie noch immer in Herstellung und Verbrauch Ressourcen.

Smart Cities: Die Konzerne versuchen, in der Entwicklung künftiger Stadtteile mitzuwirken und Smart-City-Konzepte zu entwickeln, bei denen Fahrzeuge auch in Zukunft eine Rolle spielen – zwar eine kleinere als bisher, aber aus ihrer Sicht besser als gar keine.

Mobilitätsanbieter: Die Hersteller wollen sich breiter aufstellen – weg vom reinen Autobauer. Dazu zählen Kooperationen mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Carsharing. Doch auch diese Angebote stoßen auf zu wenig Gegenliebe und werden in Folge teils wieder eingestellt.