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Wirtschaft
05/19/2020

Wäschekonzern Huber rittert um neue Banken-Finanzierung

Vorarlberger Traditionsbetrieb will anscheinend auch Corona-Hilfen beantragen.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber, Christine Klafl

Beim Vorarlberger Wäsche-konzern Huber (Huber Tricot, Skiny, Hanro, Hom) soll Feuer auf dem Dach sein. Der Unterwäsche-Spezialist, der rund 700 Mitarbeiter in Österreich beschäftigt, benötigt eine neue Finanzierungslinie – angeblich in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe.

Laut Firmenbuch haben die Banken im April 2019 die Eckpfeiler für die Verlängerung der Finanzierung bis längstens 30. September 2020 festgelegt. „Dieser Zeitraum soll dazu genützt werden, die Finanzierung der Huber-Gruppe im Sinne einer langfristigen und strategiekonformen Finanzierung neu zu gestalten“, heißt es im Bilanz-Lagebericht 2018.

Die Finanzierung soll aber an diverse Bedingungen der Banken geknüpft sein. Dabei kämpft Huber – wie andere Wäschekonzerne auch – seit Jahren an mehreren Fronten: Die erzielten Ergebnisse im Einzelhandel (2018) sollen schwach ausgefallen sein; die Stoffproduktion soll nicht effizient und nicht ausgelastet und die Performance der französischen Männerunterwäsche-Marke Hom soll „unbefriedigend“ gewesen sein.

Die Liquiditätssituation wurde vor zwei Jahren durch ein Sale-&-Lease-Back des Maschinenparks und den Verkauf der nicht betriebsnotwendigen Anlagegüter verbessert. Zugleich schoss der chinesische Eigentümer eine Million Euro als Darlehen zu. Im Geschäftsjahr 2018 setzte der Konzern Huber Holding GmbH fast 141 Millionen Euro um. Der Bilanzverlust betrug 2,45 Millionen Euro.

Doch die Corona-Krise dürfte bei Huber die Lage verschärft haben. Glaubt man Brancheninsidern, dann geht es jetzt bei Huber ans Eingemachte. So soll in den nächsten Tagen ein weiteres Bankengespräch anberaumt sein. Innerhalb von 14 Tagen erwarten Branchen-Insider ein Ergebnis. Das könnte eine Umstrukturierung bei den operativen Tochterfirmen und Marken beinhalten.

Sollte die Banken-Finanzierung nicht zustande kommen, behaupten Insider, könnte die Konzernleitung als möglichen Ausweg auch ein gerichtliches Sanierungsverfahren anstreben.

Die Verhandlungen

Die Gerüchteküche brodelt. „Auch wir bekommen mit, dass die Gerüchteküche brodelt. Richtig ist, dass mit den finanzierenden Banken intensive Gespräche geführt werden und die Fortsetzung der Finanzierung von Bedingungen abhängig gemacht wird, an deren Erfüllung wir arbeiten“, teilt das Unternehmen dem KURIER mit. Offenbar will der Konzern mit Sitz in Mäder und Götzis auch Corona-Hilfen in Anspruch nehmen.

„Sämtliche Konzerngesellschaften erfüllen die Voraussetzungen des Corona-Hilfsfonds der Regierung sowie der Covid-19-Finanzierungsagentur des Bundes GmbH“, heißt es im Huber-Schreiben weiter. „Selbiges gilt für die Fixkostenzuschuss- wie auch die Kurzarbeitsregelungen.“

Im Falle des Scheiterns der Finanzierung will das Unternehmen „die gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen treffen“. „Dazu gehört auch die Prüfung einer gerichtlichen Sanierung“, heißt es weiter. „Unzutreffend ist daher die Behauptung, die Huber-Gruppe wird in den nächsten Tagen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragen.“ Zugleich legt der Konzern Wert auf die Feststellung, dass „der Eigentümer schon mehrfach liquide Mittel in Millionenhöhe zuführte“.