Twitter hat Donald Trump gesperrt, also will er ein Konkurrenzunternehmen aufbauen. Die Social Media Plattform soll "Truth Social" heißen.

© APA/AFP/CHRIS DELMAS

Wirtschaft
12/08/2021

Trumps Medienunternehmen hat Ärger an der Börse

Der ehemalige US-Präsident möchte seine eigenen Medien aufbauen und durch die Hintertür an die Technologiebörse Nasdaq bringen.

von Martin Meyrath

Donald Trump gibt sich nicht geschlagen. Der 75-Jährige, der mit einer Kandidatur bei der US-Präsidentschaftswahl 2024 liebäugelt, will sich sein eigenes Medienunternehmen schaffen. Die Firma, über die es an die Börse gebracht werden soll, hat aber schon am Start Ärger mit den Aufsichtsbehörden.

Auf den für seinen politischen Erfolg wichtigen Sozialen Netzwerken Twitter, YouTube und Facebook wurde der ehemalige US-Präsident bekanntlich gesperrt. Ausschlaggebend war dafür, dass Trump seine Anhänger nach Einschätzung der Plattformen zur Erstürmung des Kapitols angestachelt hatte. Bei der Auseinandersetzung im Jänner kamen fünf Menschen ums Leben.

Trumps Wahrheit

Deswegen will Trump auf „Truth Social“ schon bald (angepeilt ist das erste Quartal 2022) der vermeintlichen „Tyrannei“ der Technologiekonzerne entgegenwirken. Die dafür neu gegründete Trump Media & Technology Group (TMTG) soll außerdem einen Video-Streamingdienst namens TMTG+ und ein Podcastangebot produzieren.

Kapitol-Angreifer am 6. Jänner

Was auf Trumps Plattformen unter Meinungsfreiheit verstanden wird, lässt sich aus einer Postenbesetzung erahnen. Der republikanische Kongressabgeordnete Devin Nunes soll das Unternehmen leiten und verlässt dafür sogar nach 18 Jahren das Repräsentantenhaus. Nunes gilt als loyaler Trump-Unterstützer und außerdem als Verfechter einer aggressiven Öffentlichkeitsarbeit. In der Vergangenheit hat er unter anderem Twitter wegen Satire-Accounts und den Nachrichtensender CNN wegen Verleumdung verklagt.

Hintertür an die Börse

Das Unternehmen soll über die Hintertüre an die Technologiebörse Nasdaq gebracht werden, nämlich durch eine Fusion mit der Digital World Acquisition Corp (DWAC). Dabei handelt es sich um ein sogenanntes SPAC, eine Special Purpose Acquisition Company. Das sind börsennotierte Mantelgesellschaften, die Kapital von Investoren einsammeln und sich dann auf die Suche nach geeigneten Übernahmekandidaten machen. Gelingt das, kommt das Unternehmen (in diesem Fall TMTG, Anm.) an die Börse, ohne sich selbst um die Modalitäten zu kümmern. Die Geldgeber des SPAC, andererseits, spekulieren sozusagen mit dem Börsengang.

Die amerikanischen Aufsichtsbehörden stehen diesem Vorgehen zunehmend skeptisch gegenüber und haben zuletzt mehrere SPAC-Börsengänge unter die Lupe genommen. Die Regeln sehen unter anderem vor, dass zuerst Geld gesammelt und dann nach einem attraktiven Unternehmen gesucht wird. Im aktuellen Fall wird aber vermutet, dass sich Trumps Unternehmen und DWAC bereits im Vorfeld abgestimmt haben könnten.

Hinter DWAC steht der Investmentbanker Patrick Orlando, der früher im Dienst der Deutschen Bank stand. Bei ihrem Börsengang im September hat die Gesellschaft 293 Millionen Dollar (260 Mio. Euro) eingenommen. Der geplante Zusammenschluss mit Trumps TMTG wurde nur drei Wochen später verlautbart. Diese untypisch kurze Zeitspanne könnte den Argwohn der Aufsichtsbehörden erregt haben. Wie diese Woche bekannt wurde, haben US-Börsenaufsicht SEC und die Finanzmarktaufsicht Finra seit November Auskunftsanfragen an DWAC gestellt.

Zuletzt gaben TMTG und DWAC bekannt, Zusagen über eine weitere Milliarde Dollar (880 Mio. Euro) von namentlich nicht genannten Investoren zu haben (der KURIER berichtete). Das Geld soll fließen, sobald die Firmen zusammengeführt sind. Ob die Geldgeber zum Zeitpunkt der Zusagen über die Anfragen der Behörden informiert waren, ist nicht bekannt. Der Wert der DWAC-Aktie hat sich mehr als vervierfacht, seitdem die Verschmelzung mit TMTG angekündigt wurde. Am Dienstag notierte sie bei 46 US-Dollar.

Soziales Netzwerk
Kernstück von Donald Trumps Medienimperium soll eine dem Kurznachrichtendienst Twitter nachempfundene Plattform sein.

Streaming und Podcasts
Außerdem will Trump einen Video-Streamingdienst und Podcasts aufbauen.

1,29 Milliarden US-Dollar
wurden dafür bereits von Investoren eingesammelt. Kurios daran: Die angekündigten Produkte, Dienste und Leistungen gibt es noch gar nicht.

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