Precision mechanics in industry

© Drazen/IStockphoto.com

Konjunktur
04/06/2021

So holt uns die Wirtschaft aus dem Jammertal heraus

Wie geht es eigentlich den Unternehmen, die die Jobmotoren der Republik sind? Der KURIER warf dazu einen Blick in verschiedene Branchen.

von Wolfgang Unterhuber, Simone Hoepke, Robert Kleedorfer, Thomas Pressberger, Andreas Anzenberger

Beim Chiphersteller Infineon in Villach hat man nicht den Eindruck, als ob Krise wäre. Im Gegenteil. Neben dem bestehenden Werk wird gerade eine neue High-Tech-Chipfabrik errichtet. Investitionsvolumen: 1,6 Milliarden Euro.

Ursprünglich sollte der Produktionsstart Ende des Jahres erfolgen. Jetzt wird er vorverlegt. Um rund drei Monate. „Aufgrund der dynamischen Entwicklung am Weltmarkt und der insgesamt gestiegenen Nachfrage“, wie Infineon-Chefin Sabine Herlitschka betont.

Für die Region sind das gute Nachrichten. Auch weil Infineon Austria (3,1 Milliarden Euro Umsatz) laut Herlitschka zu den derzeit rund 4.500 Beschäftigten, weitere 150 Mitarbeiter sucht (siehe Infobox).

Ausbau der Bahn

Auch die ÖBB sucht neue Mitarbeiter. Ein Viertel der derzeit rund 41.900 Beschäftigten geht in den kommenden Jahren in Pension. „Wir suchen neue Kolleginnen und Kollegen in allen Bereichen“, betont ÖBB-Chef Andreas Matthä, der auch sonst einen dynamisch optimistischen Eindruck vermittelt. Ganz so, als wolle er schon allein damit die Krise bändigen.

Es stehen große Infrastrukturprojekte an. Im Rahmenplan der Regierung sind für die kommenden sechs Jahre 17,5 Milliarden budgetiert. „Die höchste Summe, die es je für Bahn-Infrastrukturprojekte gab“, so Matthä.

Projekte, die gleichsam als Konjunkturprogramm gerade zur rechten Zeit kommen. Dazu gehören, wie Matthä erläutert, etwa der Ausbau der Südstrecke mit den Tunnelprojekten Semmeringbasistunnel und Koralmtunnel. Allein drei weitere Milliarden Euro fließen in neue Züge wie Nightjets, neue Railjets und neue Doppelstockgarnituren.

RWA

Optimismus trotz Krise versprüht auch Reinhard Wolf, Chef der Raiffeisen Ware Austria RWA. Erst im November ist die RWA (Umsatz: 2,5 Milliarden Euro) in die neue Zentrale nach Korneuburg übersiedelt. Das soll gerade jetzt Aufbruch signalisieren.

Die Zahl der Mitarbeiter liegt trotz Krise konstant bei rund 2.300. Wolf: „Auch 2021 planen wir ein größeres Investitionsvolumen. Der Fokus liegt dabei auf Projekte und Systeme zur Erhöhung des Digitalisierungsgrads im Unternehmen.“

Ähnlich gute Nachrichten gibt es von der Post. Das börsennotierte Unternehmen mit rund 18.500 Mitarbeitern wird am geplanten Ausbau der Logistik-Infrastruktur heuer trotz Pandemie festhalten. 100 Millionen werden in die Paketlogistik investiert. Darunter fallen etwa die Neuerrichtung von 20 Postbasen sowie der Ausbau von 20 weiteren Standorten.

Keine Flaute am Bau

In neue Standorte in Linz und St. Pölten investiert der Baukonzern Strabag, der konstant trotz Krise 11.500 Mitarbeiter hält. Im niederösterreichischen Ybbs wird zudem um zehn Millionen Euro ein neues Ausbildungszentrum errichtet. „Künftig werden dort jährlich 250 Lehrlinge aus ganz Österreich ausgebildet“, sagt Strabag-Chef Thomas Birtel. „Weil sich die Baubranche rasch in Richtung Digitalisierung entwickelt, suchen wir auch ganz neue Berufsfelder, wie zum Beispiel den Roboter Operator.“

In die Digitalisierung investiert auch die Raiffeisenbank International (RBI), wie Konzernchef Johann Strobl betont. Erst unlängst hat er die Bilanz für 2020 publiziert. Der Nettogewinn des ca. 45.000 zählenden internationalen Konzerns lag mit 804 Millionen Euro um ein Drittel niedriger als im Jahr zuvor. Aber das kann Strobl nicht erschüttern. „Die Krise kostet uns ein Jahr bis eineinhalb Jahre, aber jetzt schauen wir nach vorne.“ Strobl rechnet ab dem dritten Quartal mit einer raschen Erholung.

RBI-Chef Johann Strobl sieht "kein strafbares Verhalten"

Wie aber geht es Unternehmen, die voll von der Lockdown-Politik getroffen sind? Beim Handelshaus Kastner & Öhler aus Graz berichtet Vorstand Martin Wäg, dass man sich noch von keinem der knapp 1.900 Mitarbeiter getrennt hat. „Und wir haben das auch nicht vor.“ Bei den Investments beschränkt sich K&Ö (Umsatz 260 Millionen Euro) freilich auf das Notwendigste.

Bei der Verkehrsbüro Group, einem der wichtigsten Tourismuskonzerne Österreichs, macht Vorstandschef Martin Winkler kein Hehl daraus, dass man die rund 2.800 Beschäftigten nicht halten kann. „Wenn ein Unternehmen in einem Zeitraum von zwölf Monaten rund 80 Prozent seines Umsatzes verliert, dann sind leider massive Einsparungsprogramme unumgänglich.“

Die Flinte ins Korn werfen will Winkler nicht. „Wir hoffen, dass der Tourismus schnell wieder in Fahrt kommt und wir zeigen können, dass wir effizient und gesund für die Zukunft aufgestellt sind.“ Investitionsvorhaben mit langer Vorlaufzeit (Renovierungen wie Neubauten) werden daher trotz allem umgesetzt.

150 neue Mitarbeiter
sucht Infineon Austria in den Bereichen Elektrotechnik, IT, Physik, Chemie, Automatisierung

Aktuell auf Mitarbeitersuche
 sind auch ÖBB und Raiffeisen Ware Austria. Details auf den Homepages der Unternehmen

60 Vollzeitkräfte
und 43 Lehrlinge sucht derzeit der Gastro-Großhändler Metro

250 neue Mitarbeiter    
in der Zustellung sowie für die Logistikzentren  sucht die Post österreichweit. Plus: 160 neue Lehrplätze werden besetzt

350 Stellen
hat die Strabag österreichweit derzeit ausgeschrieben. Dabei sucht der Baukonzern Fachkräfte und Lehrlinge sowohl für den Tief- als auch im Hochbau

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