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Wirtschaft
08/24/2021

Seilbahnen: Ruf der Berge hallt nicht mehr so weit

Warum Corona in Österreichs Alpen weniger zu spüren ist als in der Schweiz und 2020 viele zum ersten Mal in einer Gondel gesessen sind

von Simone Hoepke

Zugegeben, das Geschäft am Berg hat diesen Sommer noch Potenzial nach oben. Seilbahnbetreiber berichten von Umsatzeinbußen um ein Drittel gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020. Schuld ist vor allem der Juli, der mehr oder weniger ins Wasser gefallen ist. Nicht nur wegen diverser Coronamaßnahmen und Reisebeschränkungen, auch wetterbedingt.

Regen im Urlaub.

Was für den typischen Österreicher nach einem Katastrophenszenario klingt, ist für andere der Buchungsgrund schlechthin. Etwa für arabische Gäste, die es im Sommer traditionell in die Region Zell am See/Kaprun zieht. „Viele sind früher mit ihren Eltern gekommen und reisen mittlerweile mit den eigenen Kindern an“, weiß Norbert Karlsböck, Vorstand Gletscherbahnen Kaprun.

Aus touristischer Sicht interessante Urlauber: Sie checken mit der ganzen Großfamilie ein, bleiben verhältnismäßig lange und geben überdurchschnittlich viel Geld aus. Doch heuer sind viele daheim geblieben. Trotz hoher Durchimpfungsraten in ihren Heimatländern und der Lockerung der Reisebeschränkungen pünktlich zur Sommersaison. Sind die arabischen Gäste in Zell am See/Kaprun normalerweise für ein Drittel der Nächtigungen in der Sommersaison verantwortlich, so sind es derzeit gerade einmal fünf Prozent, sagt Karlsböck.

Dennoch ist am Kitzsteinhorn relativ viel Bewegung. „Da die Europäer wieder innerhalb der EU verreisen, sind wir zuversichtlich, dass wir wieder in Richtung Normalität gehen. Wir liegen nur noch zehn Prozent hinter den Zahlen von 2019.“

Die Ausrichtung auf weit gereiste Gäste, wie im Sommer am Kitzsteinhorn, ist in Österreich eher die Ausnahme. Zumindest im Vergleich zu Schweizer Destinationen wie Zermatt oder dem Jungfernjoch, die traditionell viele Gäste aus den USA und China anziehen. „Wir sind mehr das Nahziel für Erholungssuchende“, sagt auch Kornel Grundner, Chef der Leoganger Bergbahnen. Über schlechte Geschäfte konnte er nicht einmal im 2020 beschweren. „Wir hatten auch im vergangenen Sommer ein Umsatzplus von sieben Prozent, heuer liegen wir 20 Prozent über dem Vorjahr.“

Zwei Drittel der Gäste würden aus Deutschland anreisen, 20 Prozent aus Österreich. „Von unseren 400.000 Bergfahrten entfallen 50 Prozent auf den Bikepark die zweite Hälfte auf Familien- und Wanderurlauber“, sagt der Grundner, dessen Region sich bei Mountainbikern einen Namen gemacht und auch 2020 viele „Bergneulinge“ angezogen hat. Darunter viele junge, die nur zuletzt am Berg „gestrandet“ sind, weil die Reisebeschränkungen einen Urlaub am Meer verunglimpft hatten.

Strand oder Berg?

Ob diese neuen Kunden langfristig für einen alpinen Urlaub zu begeistern sind, bezweifeln selbst Seilbahner, zeigt eine aktuelle Mitgliederbefragung: „Jene Menschen, deren oberste Priorität im Sommer der Strandurlaub ist, werden auch weiterhin im Sommer ans Meer fahren, wenn dies möglich ist“, so das nüchterne Fazit. Nachsatz: Ein Sommer am Berg und am Meer schließen einander nicht aus. Die Seilbahner rechnen damit, dass viele neu gewonnene Gäste zumindest als Tagesgäste oder über ein Wochenende wiederkommen werden.

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