© Getty Images/iStockphoto/shironosov/iStockphoto

Wirtschaft
01/25/2022

Jede zweite Pflegerin denkt regelmäßig ans Aufhören

Bis 2030 werden in dem Sektor 76.000 Arbeitskräfte gesucht, die hohe Arbeitsbelastung macht den Beruf aber unattraktiv.

Fast jede zweite Pflegekraft in Österreich denkt mindestens ein Mal pro Monat über einen Berufsausstieg nach. Das geht aus einer Studie der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) im Auftrag der Arbeiterkammer hervor.

Die hohe Fluktuation ist vor allem insofern bedenklich, als in der Branche bereits jetzt Personalmangel herrscht. Bis 2030 werden in Österreich etwa 76.000 Pflegekräfte gebraucht, auch, weil eine Pensionierungswelle ansteht. Es wäre also wichtig, dass Leute, die in dem Beruf sind, dort auch bleiben wollen. Um die Arbeitszufriedenheit zu steigern, müssten die Gehälter erhöht und die Arbeitsbelastung reduziert werden, so Studienautorin Bernadette Allinger. Dabei beißt sich die Katze allerdings in den Schwanz, denn die Belastung steigt wiederum mit dem Personalmangel, während die Qualität der Versorgung dadurch abnimmt.

Das Problem gibt es nicht nur in Österreich, sondern ist europaweit ist zu beoachten. Hintergrund ist nicht nur die gestiegene Lebenserwartung, sondern auch die schrittweise Professionalisierung der Langzeitpflege. Versorgungsarbeit kann zunehmend nicht mehr von den Angehörigen – zumeist Frauen - alleine übernommen werden, so Kai Leichsenring vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung. Erstens, weil Menschen heutzutage oftmals deutlich länger pflegebedürftig sind, zweitens, weil damitauch die Anforderungen komplizierter würden. Insofern sieht Leichsenring auch Freiwilligenarbeit und die 24-Stunden-Betreuung kritisch, denn diese „gehen von der Prämisse aus, pflegen kann eh jeder“. Das sei aber nicht der Fall.

Pflegerinnen aus Osteuropa

Da die Entlohnung in westeuropäischen Ländern durchschnittlich besser ist, behelfen sich manche Länder damit, Arbeitskräfte gezielt im Ausland anzuwerben. In Österreich beträgt der Anteil der eingewanderten Krankenpflege- und Geburtshilfefachkräfte 20 Prozent, Spitzenreiter ist Luxemburg mit 30 Prozent.

Etwa zwei Drittel der Pflege- und Betreuungskräfte, die im EU-Ausland wohnen, kommen aus nur drei Staaten, nämlich Rumänien, Polen und Bulgarien. Diese (zumeist) Frauen fehlen dann aber in den Herkunftsländern, sowohl als Arbeitskräfte, als auch im sozialen Umfeld und als Familienmitglieder. In Tschechien sei das „Zurückholen der Pflegerinnen“ bereits Wahlkampfthema gewesen, so Leichsenring.

Konzepte, die die Situation verbessern sollen, gibt es bereits: Leichsenring nennt beispielsweise Pflege- und Betreuungszentren auf Gemeindeebene, „Community Nurses“ und eine bessere Vernetzung von Angeboten wie Tageszentren, Arztpraxen oder Primärversorgungszentren. Wieviel das kosten würde, ist schwer zu beziffern. Derzeit gebe Österreich 1,5 bis 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für den Bereich aus. In den Niederlanden sind es 3 Prozent, so Leichsenring.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare