Füllt  nicht nur  Formulare bei seinen Besuchen aus, informiert und tröstet auch:
Markus Pernull.

© Markus Pernull

Wissen Wissenschaft
11/03/2020

Auf den Spuren des Pflegekoordinators

Im Sozialministerium kündigt man Community Nurses in 500 Gemeinden an. In Kärnten ist man schon einen Schritt weiter. Ein Bericht aus der Praxis.

von Uwe Mauch

Am Ende des Tages sitzt er bei den Kindern und Enkelkindern vom demenzkranken „Opa“ in deren Stube. Und er bemerkt, dass sie Tränen in den Augen haben. Sie berichten ihm, dass der Großvater jetzt gut versorgt ist. Und sie danken ihm herzlich: „Ohne Ihre Hilfe hätten wir jetzt keinen Ausweg mehr gewusst.“

Es sind berührende Momente wie jener, die der diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger Markus Pernull an seinem neuen Beruf schnell schätzen gelernt hat. Seit einem Jahr arbeitet er in seinem Heimatbezirk Hermagor als Pflegekoordinator.

Dieses Berufsbild wurde vom Land Kärnten im Vorjahr neu geschaffen. Es entspricht in etwa dem Beruf der Community Nurses, den es in anderen europäischen Ländern schon länger gibt und der im kommenden Jahr auch in Österreich eingeführt werden soll (siehe Bericht rechts).

350 Hausbesuche

Markus Pernull ist einer von sieben Pflegekoordinatoren, die 25 Kärntner Gemeinden betreuen. Der 31-Jährige hat zuvor sieben Jahre lang in einem Krankenhaus als Entlastungsmanager gearbeitet. In seinem ersten Jahr in Hermagor konnte er neben seiner Bürotätigkeit rund 350 Hausbesuche verzeichnen.

Möglich sei dies – ganz im Sinne des Community-Nurse-Gedankens – durch ein stark vernetztes Arbeiten mit den sieben Gemeinden, niedergelassenen Ärzten, Apotheken und weiteren Gesundheitsdienstleistern. Das Einsatzgebiet des Koordinators zählt rund 18.000 Einwohner, jeder Sechste ist älter als 75. Markus Pernull beschreibt seine Arbeit als „aufsuchend, nachsorgend“. Er kommt mit seinem Wagen zu den Betroffenen nach Hause. Seine unkomplizierte Art und der Umstand, dass „man sich am Land kennt“, helfen ihm bei seinen Besuchen: „Also es hat noch keinen gegeben, der mir nicht seine Tür geöffnet hat.“

Die Leute wären auch froh, dass er keine Amtshandlung vollzieht, dass sie bei ihm auch ihre Sorgen loswerden können, und dass sie sich nebenbei auch einige Amtswege ersparen können.

Wenn er die Erleichterung in ihren Augen sieht, weiß er, dass sein Einsatz Sinn macht: „Es geht mir aber nicht nur darum, schnell einen Antrag auszufüllen. Man muss sich Zeit nehmen, mit den Betroffenen und pflegenden Angehörigen reden und ihnen auch zuhören. Man muss sich ihre Situation zu Hause ansehen und sie alle ernst nehmen.“

Ein großes Thema bei seinen Hausbesuchen ist das Pflegegeld und dessen formgerechte Beantragung, da die Pflege und Betreuung zu Hause nicht zuletzt einen Kostenfaktor darstellen. Oft wird er auch gefragt: „Lohnt es sich in unserem Fall, einen Erhöhungsantrag zu stellen?“

Große Wissenslücken

Wichtig ist für Markus Pernull die pure Information: „Durch meine Arbeit habe ich bemerkt, dass viele Familien das Betreuungsangebot etwa durch mobile Dienste oft jahrelang nicht in Anspruch nehmen, weil sie gar nicht wissen, dass es das gibt.“

Dabei ist das Spektrum groß: von der stundenweisen bis zur 24-Stunden-Betreuung, von der Unterstützung in der Mobilität für Einkäufe und Arztbesuche bis hin zum Angebot für pflegende Angehörige, sich einmal kurz eine Auszeit zu nehmen.

Durch seine Arbeit als Pflegekoordinator kann er bestätigen, was die Forschung bereits seit Längerem festhält: „Zu den Themen Pflege und Pflege zu Hause gibt es leider viele Wissenslücken bei den Menschen.“

Seit Kurzem ist Markus Pernull auch mit dem Aufbau eines neuen Ehrenamtes befasst: Freiwillige in den Gemeinden sollen bei dieser Initiative gegen die Alterseinsamkeit wirken und damit auch pflegende Angehörige bestmöglich entlasten. „Dabei geht es nicht um pflegerische Leistungen oder Arbeiten im Haushalt. Es geht vor allem auch um konkrete Unterstützung, zum Beispiel beim Einkaufen, bei Arzt-, Pflegeheim- oder Friedhofsbesuchen. Miteinander werden sie auch Karten spielen, Gespräche führen oder spazieren gehen.“ Die Ehrenamtlichen werden vom Land kostenlos ausgebildet und dann von ihm aufgrund seiner Ortskenntnisse den Familien direkt zugeteilt.

Durchs Reden kommen bekanntlich die Leute zusammen, Markus Pernull hat im ersten Jahr als Pflegekoordinator diesbezüglich schon einiges bewirkt.

Vorlauf. „Community Nursing“ ist niederschwellig zugängliche professionelle Gesundheits- und Krankenpflege, deren Handeln im Wesentlichen auf die Bedürfnisse, den Bedarf und die Versorgung von einzelnen „Communities“ (Gemeinden oder Gemeinschaften) abzielt und insbesondere der Unterstützung pflegender Angehöriger dienen soll. So lautet die wissenschaftliche Definition, mit der man auch im Sozialministerium operiert.

Schon bald nach der Präsentation des Regierungsprogramms kündigte Minister Rudolf Anschober die Einführung von Community Nurses an. „Der Beruf der Community Nurses ist“, hat der Sozialminister seither mehrfach betont, „auch eine Möglichkeit für den gehobenen Dienst, sich im häuslichen Sektor weiter zu entwickeln und stellt daher eine Maßnahme zur Attraktivierung der Pflegeberufe dar“.

Erste Pilot-ProjekteWiederholt hat man in Anschobers Ministerium erklärt: Erste Pilot-Projekte im urbanen und im ländlichen Raum sollen im kommenden Jahr starten. Die Rede war zuletzt von neuem Personal für 500 österreichische Gemeinden. Wie viele Community Nurses ausgebildet werden, wann und in welchen Gemeinden die Ersten eingesetzt werden sollen, auf diese Fragen konnte man jedoch dem KURIER bisher keine konkrete Antwort geben.

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