© Mauch Uwe

Reportage
05/12/2020

Die Menschen in Pflegeberufen sind nicht zu ersetzen

Vier „Helden der Krise“ zeigen am Tag der Pflege, welche Chancen ihr Beruf bietet.

von Uwe Mauch

Für das Gespräch im Freien darf Laura Haas ihre Schutzmaske kurz abnehmen. Die diplomierte Pflegerin erlebt derzeit die vielleicht turbulenteste Zeit ihres Lebens.

Anfang Februar wechselte die 23-jährige Oberösterreicherin vom Wiener AKH in das gemeinnützige Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien-Gumpendorf. „Drei Wochen später zog ich zum ersten Mal die komplette Virus-Schutzausrüstung an, als Mitglied unseres Corona-Teams.“

Haas ist eine von 127.000 Pflegern und Pflegerinnen in Österreich. Auch am heutigen Tag der Pflege sind alle gefordert. Und der Bedarf wird aufgrund der zunehmenden Alterung der Gesellschaft noch weiter steigen.

Kein Grund zur Panik! Der Pflegeberuf ist attraktiver als allgemein angenommen. Er bietet etliche interessante Optionen.

„Keine Maschine“

„Jede Situation ist anders, und in jeder Situation muss man anders reagieren“, beschreibt die diplomierte Pflegerin Laura Haas die Herausforderung und zugleich das Spannende an ihrer Tätigkeit. Sie wollte immer im Team, immer mit Menschen arbeiten. „Dieser Beruf ist daher der richtige für mich.“

Ähnlich positiv bewertet ihr Kollege Michael Oppolzer seinen Job. Mag sein, dass dem 36-jährigen Pflegeassistenten seine Erfahrung als Rettungsfahrer beim Arbeitersamariterbund und in der Hauskrankenpflege zugutekommt. Fix ist, dass er nach einem Jahr Ausbildung den Beruf hat, der ihn ausfüllt.

Auf seiner Haben-Seite kann er in jedem Fall verbuchen: „Mich kann keine Maschine ersetzen.“ Wenn er Patienten sein Ohr leiht, ihnen ein Lächeln schenkt, Mut zuspricht, wirke das heilend – fast wie ein Antibiotikum.

Nicht immer scheint die Sonne, auch nicht auf seiner Station mit knapp 40 Betten. Wenn beispielsweise eine demente Patientin vergisst, dass sie eine Windel trägt, und zehn Mal hintereinander den Notrufknopf betätigt, benötigt der Pfleger „viel Geduld, und die Einsicht, dass Demenz eine ernst zu nehmende Krankheit ist.“

Eine Ausbildung, die er noch anstrebt, hat Aleksandra Frauenschuh schon absolviert. Nach einem weiteren Jahr auf der Schulbank hat sie als Pflegefachassistentin mehr Kompetenzen und mehr Optionen, sich beruflich weiterzuentwickeln.

Frauenschuh ist ein gutes Beispiel für die stark ausgeprägten beruflichen Ambitionen im Pflegebereich: „Es ist mein Ziel, so schnell als möglich als Diplomierte zu arbeiten. Hilfreich ist dabei, dass ich im Falle einer Ausbildung im Krankenhaus sofort meine Arbeitszeit ändern kann.“

Interessant ist die modulare Ausbildung somit auch für Quereinsteiger. Daliborka Vranjes leitet jetzt im Pflegehaus St. Katharina, das dem Spital angeschlossen ist, eine Abteilung. Auch sie hat sich weitergebildet: „Ich habe mein Diplom als Krankenschwester, das ich in Bosnien erworben habe, 2007 nostrifizieren lassen.“ Seither trägt sie deutlich mehr Verantwortung – und verdient auch dementsprechend mehr.

Was ihr an ihrem Beruf gefällt? Frau Vranjes muss darüber nicht lange nachdenken: „All die interessanten Lebensgeschichten meiner Patienten. Ich arbeite jetzt seit bald zwanzig Jahren hier. Wenn ich nach vier freien Tagen wieder ins Haus komme, sagen die Bewohner zu mir: ,Dali, schön, dass du wieder da bist.’ Ich gehe auch nach jedem Dienst mit einem guten Gefühl heim.“

Mehr zur Ausbildung

Kursinfos: Ausbildungen im Pflegebereich werden österreichweit angeboten, Pflegeassistenz (PA) und Pflegefachassistsenz (PFA) sind ohne Matura nach der 9. bzw. 10. Schulstufe möglich. Fachhochschulen bieten das Bachelorstudium der Gesundheits- und Krankenpflege. In Wien kooperiert das Vinzentinum mit der FH Campus Wien. Nähere Informationen zu den einzelnen Lehrgängen und Anmeldefristen unter anderem hier: https://vinzentinum-wien.at/

Webinar: Wer mehr über die Möglichkeiten des Pflegeberufs erfahren möchte, kann an den beiden Webinaren teilnehmen, Anmeldung hier: vinzentinum.wien@bhs.at