OMIKRON: WIEN ENERGIE ISOLIERT VERSORGUNGSKRITISCHE MITARBEITER

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Wirtschaft
01/05/2022

Notfallteams, Isolation, Schichtbetrieb: Wie sich Österreich auf die Omikron-Welle vorbereitet

Mit Sicherheitskonzepten will man personelle Engpässe vermeiden. Die Nervosität steigt dennoch. Der KURIER hat in sechs Sparten nachgefragt.

von Kid Möchel, Martin Gebhart, Robert Kleedorfer, Simone Hoepke

Am Montag wurden 3.319 Neuinfektionen gezählt, am Tag darauf waren es bereits 5.492. Auch wenn bei uns der Anstieg bisher bei Weitem nicht jene Dimensionen wie in anderen europäischen Ländern hat, wird die befürchtete Omikron-Welle nicht aufzuhalten sein. Die meisten Unternehmen sind jedenfalls in Alarmbereitschaft, weil mit der rasanten Ausbreitung personelle Engpässe erwartet werden.

Beispiele aus Italien oder Großbritannien, wo einige Zugsverbindungen nicht mehr aufrecht erhalten werden konnten, sind Vorboten von dem, was auch bei uns passieren kann. Dementsprechend wurden bereits die verschiedensten Sicherheitskonzepte ausgearbeitet, um solche Ausfälle so gering als möglich zu halten. Und falls das nicht gelingt, wird wohl in Bereichen der kritischen Infrastruktur wieder das Bundesheer zum Einsatz kommen.

Der KURIER hat bei sechs Unternehmen, von Energieanbieter über Post bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel, nachgefragt, wie sie sich auf den schlimmsten (Omikron-)Fall vorbereiten.

Lebensmittelhandel: "Mobile Eingreiftruppen"

Im Wesentlichen gibt es drei kritische Bereiche: Lager, Logistik und die Filialen. Die Spar-Gruppe hat für den Lagerbereich eine „mobile Eingreifgruppe“ mit 140 Mitarbeitern definiert, die bei Bedarf auch in anderen Bundesländern und sogar in Auslandsmärkten eingesetzt werden kann. Spar-Sprecherin Nicole Berkmann ist sicher, dass die Nahversorgung aufrecht bleibt. Das würde schon  die Dichte an Supermärkten im Land garantieren.

Ähnliches ist aus der Rewe-Zentrale zu hören. Rewe setzt auf engmaschige 3-G-Kontrollen, FFP2-Maskenpflicht, bei Bedarf auf Zugangsbeschränkungen für Kunden, die durch Einkaufswagen-Ausgabe geregelt werden, sowie Homeoffice für Zentralmitarbeiter. Zudem hat auch Rewe Springerteams organisiert und bietet seinen Mitarbeitern die Möglichkeit der betrieblichen Impfung.

Energieversorger: Allein in der Schaltzentrale

Der niederösterreichische Energieversorger EVN hat 2.200 Mitarbeiter, aktuell keinen einzigen positiven Fall und nur drei K1-Personen, sagt Firmensprecher Stefan Zach. Trotzdem zeigt die Corona-Ampel gelb. Wegen des allgemeinen Bedrohungsszenarios. In den kritischen Bereichen – etwa den Schaltzentralen für die Strom-, Gas- und Wärmenetze oder der Müllverbrennung – setzt die EVN auf „Vereinzelung im Schichtbetrieb“. Sprich, nur eine Person pro Raum, die Übergaben finden virtuell statt.

Indes setzt die Wien Energie auf „Isolationsteams“. Sie beziehen sogar Wohnquartiere an den Anlagenstandorten. Auch der Verbund hat die Schutzpläne verschärft. „In den Kraftwerken, an Hauptlasterverteilern arbeiten wir mit gesplitteten Teams, die sich nicht begegnen“, sagt Verbund-Sprecherin Ingun Metelko. 

Nah- und Fernverkehr: Virtuelle Dienstübergaben

„Die ÖBB nehmen die aktuelle Bedrohung durch die Omikron-Variante sehr ernst“, sagt Konzernsprecher Daniel Pinka. Aktuell  steht die interne ÖBB-Corona-Ampel auf Rot. Um das Risiko für Ansteckungen zu minimieren, gilt in den Betriebsführungszentralen und Lokführer-Dienststellen  ein grundsätzliches Besuchsverbot und es werden feste Teams gebildet. In geschlossenen Räumen müssen FFP2-Masken getragen werden. Außerdem setzt die Bahn verstärkt auf virtuelle statt auf persönliche Dienstübergaben.

Zugleich wird im gesamten Konzern „überall wo es möglich ist, im Homeoffice gearbeitet“. Auch das Impfen wird in Anbetracht von Omikron weiter forciert. Bis 31. Jänner  will die Bahn mit einer Impflotterie weitere Mitarbeiter zum ersten, zweiten oder dritten Stich animieren.

Banken, Versicherungen: Abwechselnde Teams

Die Erste Bank hat zunächst seit Anfang September auf die 3-G-Regel gesetzt, bald danach auf 2,5-G (geimpft, genesen oder PCR-getestet) umgestellt. „In der aktuellen Lage setzen wir erneut auf verstärktes Homeoffice“, heißt es seitens der Bank. Im Fall von großflächigen Quarantänemaßnahmen könnten fast 100 Prozent der Tätigkeiten  im Homeoffice abgewickelt werden. Arbeiten, die eine Anwesenheit dennoch notwendig machen (Filialen), werden nach Möglichkeit von sich abwechselnden Teams erbracht. 

Ähnlich agiert man bei den Versicherungen, die Zulassungsstellen offen halten müssen. Bei der Wiener Städtischen etwa werden sie hauptsächlich nur noch mit einer Person besetzt. Fällt diese wegen Infizierung oder  Quarantäne aus, gibt es Ersatz. Falls es wegen Omikron zu gröberen Ausfällen kommt, helfen benachbarte Zulassungsstellen aus.

Arbeitsmarktservice: Ein Cluster-Stufenplan

Das AMS in NÖ ist jenes mit den meisten Geschäftsstellen. Grundsätzlich wird versucht, weiterhin alle für  die Arbeitssuchenden offen zu halten. Falls es  aber zu Omikron-Clustern  kommt, tritt ein Stufenplan in Kraft, den Landesgeschäftsführer Sven Hergovich mit seinem Corona-Krisenteam ausgearbeitet hat.

Wenn der Dienstbetrieb trotz eines kleineren Clusters mit der verbleibenden Mannschaft aufrechterhalten werden kann, helfen Berater von benachbarten Geschäftsstellen aus. Wenn wegen eines größeren Clusters geschlossen werden muss, wird bei den Eingängen über Plakate informiert. Securitys sorgen dann vor Ort dafür, dass wichtige Poststücke (Anträge) weitergegeben und durch das AMS bearbeitet werden. Natürlich ist das AMS auch telefonisch und online erreichbar. 

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