Fiala und Hufnagl

© Kurier/Franz Gruber

Interview
02/02/2021

Neue Raststationen: Einen Burger zur Autobahn-Vignette?

Die beiden ASFINAG-Vorstände sprechen über grünen Straßenbau, Frauenquoten, Umsatzverluste durch Corona - und über Home Office auf den neuen Rastplätzen.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Die beiden ASFINAG-Vorstände Hartwig Hufnagl und Josef Fiala haben keine Freude mehr mit Skype-Konferenzen. Den KURIER trafen sie deshalb zum persönlichen Interview – mit Abstand.

KURIER: Durch Corona gab es weniger Verkehr, wie schwer trifft Sie das?
Fiala:
Wir haben einen Einbruch von 300 Millionen Euro bei den -Umsatzerlösen, obwohl wir zum Halbjahr noch von 560 Millionen ausgegangen sind. Der Lkw ist besser durch die Krise gekommen, bei der Jahresvignette sind wir relativ stabil geblieben, da haben wir einen Rückgang von 2,3 Prozent.

Wie hoch ist der Jahresüberschuss?
Fiala: Statt geplanten 870 Millionen Euro erwarten wir etwas mehr als  700 Millionen Euro Überschuss. Es ist noch immer ein sehr gutes Ergebnis.Derzeit haben wir ein Minus von 60 bis 70 Prozent bei den Kurzzeit-Vignetten und den Sondermautstrecken. Wir gehen aber ab Sommer  von einer Normalisierung aus, mit vielleicht einem leichten Zuwachs.
 
Wie sind Sie also finanziell aufgestellt?
Fiala:
Unterm Strich, das möchte ich schon sagen, ist unsere Planung gut aufgestellt. Der Einbruch der Fahrleistung war 2020 weit geringer als angenommen, aber wir werden 2021 froh sein, wenn wir das Lkw-Niveau halten. In Summe werden wir ein Jahresergebnis von geplanten rund 570 Millionen erzielen, Das heißt, 2021 wird vom Ergebnis schwieriger als 2020.

Wo muss die ASFINAG sparen?
Fiala:
Also, wir sind Gott sei Dank vom System so aufgestellt, dass wir derzeit die geplanten Investitionen auch wie bisher tätigen können. Wir haben 20 Millionen Euro innerbetrieblich gespart, wir haben aber nicht die Notwendigkeit, Personal zu reduzieren oder für Kurzarbeit.

Hat das Auswirkungen auf die Verschuldung der ASFINAG?
Fiala:
Wir erhalten die Verschuldung unter 11 Milliarden Euro. 2019 war das erste Jahr in der Geschichte der Asfinag, wo wir wieder unter diese Grenze gekommen sind. Nächstes Jahr werden wir wieder einen Hauch über die 11 Milliarden kommen – im Sinne der Finanzierung unseres Bauprogramms.

Also es gibt keine Baustellen, die sich durch Corona verzögern?
Fiala:
Wenn wir 2021 mit unserer Planung ja so gut liegen wie mit der Einschätzung 2020, dann ist die Conclusio, genau richtig. Wenn die Lockdown-Situation sich in den Sommer hineinschleppt, wird es natürlich ganz bitter.

Ein Projekt wird nicht gebaut, nämlich die Waldviertel-Autobahn. Sind Sie froh darüber?
Hufnagl:
Die Auswirkungen für die Asfinag durch das Streichen der Waldviertler Autobahn sind  irrelevant. Die Waldviertel-Autobahn war ja einer strategischen Prüfung unterzogen. Und man ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht ausreichend begründbar ist, dieses Straßenbauvorhaben umzusetzen. Dieses Projekt hat sich erst in einem Planungsstatus befunden. Das heißt, wir haben bisher nichts investiert.

Die Lobau-Autobahn ist ganz wichtig für das Straßennetz? Wann kommt sie?
Hufnagl:
Wir warten  jetzt noch auf die Ergebnisse des  Bundesverwaltungsgerichts. Da werden wir wahrscheinlich im Frühjahr Bescheid wissen und dann können wir mehr oder weniger unsere Anstrengungen danach ausrichten.

Ist heuer noch ein Baubeginn möglich?
Hufnagl:
Für den Freilandabschnitt theoretisch ja. Bezüglich des Tunnelabschnittes laufen noch Behördenverfahren. Hier wird ein Baubeginn sicher noch länger dauern.

Umstritten ist auch die Marchfeld Bundesstraße S 8. Was machen Sie, wenn das Bundesverwaltungsgericht aus Umweltschutzgründen das Projekt untersagt?
Hufnagl:
Wir müssen jetzt einmal wirklich abwarten, zu welchem Erkenntnis das Bundesverwaltungsgericht kommt. Klar ist aber auch, dass wir als Projektwerber den Auftrag haben, alle möglichen Instrumente, die uns zur Verfügung stehen, auch dementsprechend anzuwenden, um das Projekt weiter zu verfolgen.

Die Umweltschützer werfen der Asfinag vor, dass sie eigentlich keinen Plan B hat.
Hufnagl:
Wir wählen immer den erfolgversprechenden Weg, um in einem Verfahren am Ende des Tages auch das Bauvorhaben realisieren zu können.
Fiala: Und ganz wichtig ist, dass genau die Variante, die projektiert ist, der umweltverträglichste Weg ist. Davon sind die Asfinag und auch das Land Niederösterreich unverändert überzeugt.

Gibt es irgendwann einen Zeitpunkt, wo das Autobahnnetz fertiggestellt ist und es nur noch gepflegt werden muss?
Hufnagl:
Es ist durchaus vorstellbar, dass unser Netz so attraktiv ist und grundsätzlich die Möglichkeit für alle unsere Kunden vorhanden ist, auf einem hochrangigen Netz von A nach B zu gelangen. Wir sehen das bei unseren Investitionen gerade im nächsten Jahr. Wir investieren rund 480 Millionen Euro in den Neubau von Straßen, aber im Vergleich dazu schon 630 Millionen Euro rein für die Erhaltung des Netzes. Und das wird bis ins 2028er Jahr noch auf 700 bis 800 Millionen Euro steigen, weil wir in die Sicherheit unseres Netzes investieren müssen.

Die Elektromobilität nimmt zu. Der Autobauer Audi hat bekanntgegeben, dass er in zehn Jahren nur noch Elektroautos bauen wollen. Es werden mehr Stromtankstellen benötigt, was haben sie da vor?
Fiala:
Diese Aussage von Audi ist für uns nicht wirklich überraschend ist. Viele Hersteller rechnen damit, dass ab 2030 die Regierungen Verbote für Zulassungen von fossil betriebenen Fahrzeugen erlassen werden. Unser Auftrag war auch nach einem Blick ins Regierungsprogramm klar: Wir verdichten entlang der Autobahnen. Derzeit haben wir ein sehr gut ausgestattetes Netz an Ladestationen mit 100-Kilometer-Abständen, weiter im heurigen Jahr werden es 65 Kilometer. Zusätzlich sind wir aber überzeugt, dass wir mittelfristig auch unsere 57 Asfinag-Rastplätze mit Ladeinfrastruktur ausstatten müssen. Wir haben derzeit ein neues großes Projekt laufen, das heißt: Asfinag-Rastplatz der Zukunft. Ein großer Bestandteil sind Ladestationen mit Solarenergie.

Was gibt es noch auf dem Rastplatz der Zukunft?
Fiala:
Wenn du eine Stromtankstellen benutzt,  bist du 20, 30 Minuten mindestens gebunden. Was brauchst du dann? Vielleicht einen Kaffee und Kleinigkeiten zum Essen. Wir haben schon in Wlan-Ausstattungen investiert. Das Gratis-WC alleine ist uns in der Zukunft zu wenig.

Also ein Homeoffice-Light auf dem Rastplatz?
Hufnagl:
Wir machen hier wirklich zwei, drei Mammut-Schritte nach vorne. Wir möchten nicht sagen, der Rastplatz ist eine Station, wo man nur kurz Pause macht.  Wir wollen die besten Ideen  .

Wollen Sie mehr Kaffee- und Bistro-Automaten auf den Rastplätzen aufstellen?
Fiala:
  Auf den größeren Rastplätzen, ist  es durchaus sinnvoll, nicht über Automaten, sondern etwas mit Service etwas anzubieten.

Die Chefin von Ihnen ist seit einem Jahr eine grüne Verkehrsministerin. Wie grün ist die Asfinag oder kann sie sein? Grün und Autoverkehr sind wohl keine Liebesbeziehung?
Hufnagl:
Wir sehen darin eine Riesenchance, weil wir einen weiteren Schritt machen können in der Modernisierung eines per se von seiner DNA her eher grauen Straßenbetreibers. Wir haben schon die Idee, dass wir den Verkehr, der auf unserer Infrastruktur fließt, positiv oder nachhaltig zu beeinflussen. Wir  haben hier die Hebel als Infrastruktur-Betreiber in der Hand, dementsprechend die Vergabekriterien zu definieren, dass sie einen gewissen nachhaltigen oder eine nachhaltige Tragweite haben im Sinne zum Beispiel der Elektrifizierung von Baustellen. Im Asphalt-Bereich haben wir eine Recycling-Quote von 94 Prozent und bei Beton beträgt die Recycling-Quote von 87 Prozent. Wir verfolgen das Ziel, 2030 Strom autark für unsere eigene Energie für 165 Tunnelanlagen aufkommen. Also es gibt ein mannigfaltiges Programm, das wir entwickelt haben. Im Gegensatz zur ÖBB haben wir nicht naturgemäß diese klimaschutzfreundliche DNA, aber wir sehen diese Riesenchance, dass wir uns modernisieren können quasi vom grauen Straßen Betreiber hin zu einem ökologisch nachhaltigen CO2-armen Mobilitätsanbieter.

Wie grün ist aber der Asfinag-Fuhrpark?
Hufnagl: 
Wir schauen, dass wir unseren gesamten Fuhrpark auf einen E-Fuhrpark umstellen. Wir bestellen seit 1. Jänner keine PKW mehr mit Verbrennungsmotoren.

Wie geht das Geschäft mit der digitalen Vignette?
Fiala
: Wir haben am vergangenen Donnerstag die zweimillionste digitale Vignette verkauft. Also mehr als 50 Prozent der Jahresvignetten sind bereits digital. Durch die digitalen Vignette hast du die Möglichkeit zu überlegen, welche digitalen Produkte kannst du den Kunden anbieten. Ich sage jetzt ganz überspitzt, du kannst vielleicht mit deinem Account einen Burger kaufen auf dem Asfinag-Rastplatz und brauchst nicht mit Bargeld zahlen.

Wie wichtig ist das Thema Park-and-ride?
Hufnagl:
Unsere Kernstrategie ist „Parken, Rasten, Multimodalität“. Wir sehen unser Unternehmen niemals in Konkurrenz mit einem öffentlichen Infrastruktur-Betreiber, sondern wir sehen es immer in Ergänzung. Wir möchten Kooperationen  mit dem Öffentlichen Verkehr forcieren. Wir möchten für unsere Kunden, die wir auf unserem Netz haben, es durchaus attraktivieren, auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen.

Fiala: Der Schlüssel ist die verkehrsträgerübergreifende Information. Unser Netz ist sehr schön ausgebaut, sehr super, aber an neuralgischen Punkten haben wir Staus. Wir haben selbst Interesse, genau im Sinne dieser Kapazitätsengpässe, die Kunden zu unterstützen, dass sie an den neuralgischen Punkten den Wechsel auf den Öffentlichen Verkehr komfortabel vornehmen können. Die Jahresvignette unterstützt unsere Logik. Wir haben keine Ausfälle, weil sich der Kunde mit der Jahresvignette ein Jahrespaket gekauft hat.

Hufnagl: Das ist das Mobilitätsverständnis, an dem wir arbeiten.  Dass der Kunde zu einem neuralgischen Punkt kommt, wo er auf einem Park-and-ride-Parkplatz stehen bleibt. Dann vielleicht mit seiner digitalen Vignette, die er hat, auch seinen Parkplatz reservieren kann, dort sein Auto vielleicht während der Zeit dann auch aufgeladen wird, ehe er in einem ÖBB-Zug einsteigt und dann die letzte Meile mit den Wiener Linien umsteigt.

Fiala:  Am Verteilerkreis Favoriten sind wir gefordert, mehr zu überlegen, dass ich, wenn ich vom Süden in die Stadt komme, komfortabel in die U1 kommen.

Bei den ÖBB gibt es  künftig bei den Management-Posten eine Frauenquote. Wie schaut es da bei der Asfinag aus ?
Fiala:
Wir waren schon viel früher dran, wir haben seit 13. Dezember mit unserem Präsidium ein Diversity-Ziel in der Asfinag beschlossen.  Das Grundproblem ist, dass es manchmal bei den eigenen Ausschreibungen zu wenig gelingt, qualifizierte Frauen aufmerksam zu machen, dass sie sich interessieren für diese Ausschreibung. Also das ist der erste Schwerpunkt, den wir setzen, dass wir zu weit mehr qualifizierten Bewerberinnen kommen. Dann gibt's aber Jobs in unserem Geschäft wie den Autobahn-Meister. Da ist es nicht so einfach. Aber wir haben im Dezember die HR-Chefin des Konzerns und das Controlling neu besetzt, beides mit Frauen. Und dann haben wir eine ganz konkrete Quote auf der Managementebene, da haben wir derzeit schon 33 Prozent weibliche Führungskräfte. Die Vorgabe ist,  zwei Drittel der erfolgten Besetzungen sind weiblich, um die Quote zu heben.

Hufnagl: Wir haben ja aufgrund unseres Kerngeschäfts vergleichbar große Dichte an männlichen Handwerkern und Technikern. Da geht es auch um Versäumnisse aus der Vergangenheit. Diesen Prozess muss man angehen, dass wirklich auch dieses Interesse geweckt wird, sich zu bewerben und auch die Möglichkeit vorzufinden, in diese sehr männlich dominierte Domäne mal vorzupreschen.

Wie hat sich die ASFINAG  in den vergangenen zwei Jahren unter Ihrer Führung entwickelt?
Hufnagl:
Wir haben eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt mit einem großen enormen Rücklauf. Und wir haben eine Arbeitszufriedenheit in der Asfinag von 79 Prozent. Wir sind sehr glücklich über dieses Ergebnis.

Fiala: Wir haben ja die Organisation weiterentwickelt, 400 Mitarbeiter haben sich in den letzten eineinhalb Jahren in eine neue Gesellschaftsstruktur integriert. Dass trotz der Pandemie das Ergebnis so positiv ist, das freut uns sehr. Dass die Mitarbeiter mitziehen und zufriedener sind als vorher, das freut uns besonders. Dass es jetzt einen harmonischen, kollegialen, eingeschworenen Zweier-Vorstand gibt, das spürt man im gesamten Unternehmen.

 

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