Millionenpleite des Österreich-Ablegers einer Italienischen Pizzeria-Kette
Pizza-Experiment zeigt: Langsamer essen, länger satt
Keine zwei Jahre nach der Eröffnung ist für die österreichischen Ableger der italienischen Restaurant-Marke „Rossopomodoro" Schluss: Die Betreibergesellschaft Polparossa Due GmbH, die Franchisenehmerin, hat am Handelsgericht Wien einen Insolvenzantrag gestellt. Die beiden Standorte in den Designer Outlet Centern in Parndorf (Burgenland) und Wals-Himmelreich bei Salzburg werden geschlossen, 24 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.
Die Polparossa Due GmbH wurde erst im März 2024 gegründet. Der erste Standort im Designer Outlet Center Salzburg eröffnete Ende 2024, der zweite in Parndorf Mitte 2025. Die Marke „Rossopomodoro" gehört dem italienischen Unternehmen Sebeto S.p.A., das rund 100 Restaurants unter diesem Namen in Italien und anderen Ländern betreibt. Die österreichischen Standorte wurden im Franchise-System geführt.
Umsätze blieben weit hinter Erwartungen zurück
Als Hauptgrund für das Scheitern nennt die Geschäftsführung die von Beginn an „unerwartet geringe Kundenfrequenz" an beiden Standorten. Die Restaurants, die auf Pizza und Pasta spezialisiert sind, hätten die geplanten Besucherzahlen nie erreicht. Gleichzeitig erwiesen sich die Kosten als dauerhaft zu hoch: Hohe Mieten, Marketing- und Servicegebühren der Outlet-Center-Betreiber sowie erhebliche Personalkosten ließen sich durch die Einnahmen nicht decken.
Das Ergebnis: In weniger als zwei Jahren türmten sich Verluste von rund 900.000 Euro auf. Die Liquiditätsreserven der Gesellschaft seien dadurch „vollständig aufgezehrt" worden, heißt es im Insolvenzantrag.
Gescheiterte Rettung durch Franchisegeber
Mitte Januar dieses Jahres versuchte Geschäftsführer Marco Gatti noch eine Lösung zu finden. In einem Gespräch mit dem italienischen Franchisegeber Sebeto S.p.A. – dieser betreibt europaweit rund 100 Rossopomodoro-Restaurants – legte er die wirtschaftlichen Schwierigkeiten offen und warnte vor einer drohenden Schließung.
Sebeto zeigte sich zunächst interessiert: Das italienische Unternehmen erklärte sich bereit, 100 Prozent der Geschäftsanteile zu übernehmen und die Restaurants selbst weiterzuführen. Bedingung war allerdings eine deutliche Reduktion der Miet- und Nebenkosten durch die Vermieter.
Ende Januar begannen Verhandlungen zwischen Sebeto und dem Outlet-Center-Betreiber McArthur Glen.
Am 1. Juni teilte Sebeto überraschend mit, dass der Vorstand entschieden habe, die Transaktion nicht weiterzuverfolgen.
Verbindlichkeiten von 2,45 Millionen Euro
Die Gesamtverbindlichkeiten der Polparossa Due GmbH belaufen sich auf rund 2,45 Millionen Euro. Allerdings entfällt davon knapp die Hälfte – 1,13 Millionen Euro – auf ein nachrangiges Gesellschafterdarlehen der italienischen Muttergesellschaft Polparossa S.r.l. Dieses Darlehen hatte den Aufbau der beiden Restaurants finanziert. Im Insolvenzfall wird die Gesellschafterin damit vermutlich leer ausgehen.
Die Verbindlichkeiten im Detail:
| Gläubigergruppe | Betrag (gerundet) |
|---|---|
| Gesellschafterdarlehen (nachrangig) | 1.130.000 € |
| Vermieter und Brau Union (Ausstattung, Investitionen) | 536.000 € |
| Vermieter (laufende Mieten, Marketing, Betriebskosten) | 271.000 € |
| Lieferanten und sonstige Verbindlichkeiten | 250.000 € |
| Arbeitnehmer, Abgaben und Steuern | 132.600 € |
| Kreditverbindlichkeit Bank | 129.572 € |
| Verbindlichkeiten gegenüber Dritten | ca. 1.320.400 € |
| Gesamtverbindlichkeiten | ca. 2.450.400 € |
Hinzu kommen bei einer Schließung noch die Beendigungsansprüche der 24 Dienstnehmer. Die Löhne und Gehälter wurden laut Insolvenzantrag bis einschließlich Mai 2026 bezahlt, die monatlichen Lohnkosten betragen rund 39.600 Euro netto.
Hohe Standortkosten in Outlet-Centern
Besonders ins Gewicht fielen die Kosten für die beiden gemieteten Standorte. Allein in Parndorf summieren sich Miete (8.420 Euro), Marketingbeitrag (4.050 Euro), Betriebskosten (4.467 Euro) und Lagermiete (257 Euro) auf monatlich rund 17.200 Euro. In Salzburg fallen monatlich etwa 13.000 Euro für Miete (4.463 Euro), Marketingbeitrag (3.218 Euro) und Betriebskosten (5.334 Euro) an.
Diese Fixkosten ließen sich bei der tatsächlichen Besucherfrequenz nicht erwirtschaften – eine strukturelle Falle, aus der das Unternehmen nicht mehr herauskam.
Vermögen reicht nicht zur Deckung
Dem stehen nur begrenzte Aktiva gegenüber: Auf den Bankkonten befinden sich laut Antrag rund 38.400 Euro Guthaben, allerdings ist das Konto bei der Hausbank mit minus 129.600 Euro überzogen. Wertpapiere im Wert von rund 223.400 Euro sind zugunsten einer Bank und McArthur Glen verpfändet und stehen der Insolvenzmasse damit nicht zur Verfügung.
Die Betriebs- und Geschäftsausstattung – vor allem Kücheneinrichtungen und Restaurantmobiliar – weist einen bilanzierten Restbuchwert von rund 1,15 Millionen Euro auf. Ob dieser Wert bei einer Verwertung erzielt werden kann, ist offen. Zudem ist im Betriebsvermögen ein geleastes Fahrzeug.
Keine Fortführung geplant
Die Alleingesellschafterin Polparossa S.r.l. hat bereits erhebliche Mittel investiert und sieht keine Möglichkeit für weitere Finanzierungen. „Angesichts der strukturell zu geringen Umsätze an beiden Standorten besteht keine realistische Chance, den Geschäftsbetrieb auf eine nachhaltige, kostendeckende Basis zu stellen", heißt es im Insolvenzantrag. Eine Fortführung werde nicht angestrebt, die Geschäftsführung stimme einer Schließung ausdrücklich zu.
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