Große Druckereien haben zum Teil große Papiermengen auf Vorrat gekauft.

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Wirtschaft
08/30/2021

Knappheit und Rekordpreise bei grafischen Papieren

Gründe dafür gibt es viele: Gestiegene Rohstoffpreise, weniger Altpapier, eine wieder höhere Nachfrage – und Hamsterkäufe

von Anita Kiefer

Eigentlich freuen sich die heimischen Druckereibetriebe über volle Auftragsbücher. Die Wirtschaft brummt, es wird wieder mehr geworben, daher gibt es größere Zeitungsumfänge und mehr Werbematerial als zu Hochzeiten der Pandemie.

„Die Auftragslage ist seit rund drei Monaten eine wirklich gute“, sagt Gerald Watzal, Sprecher des Verbands Druck Medien und Chef der Offset5020 Druckerei & Verlag GmbH.

Aber eben nur eigentlich. Denn die Druckereien kämpfen darum, überhaupt an Papier für ihre Aufträge zu kommen. Man habe auch bereits Aufträge ablehnen müssen. „Wir fragen bei jedem Offert schon bei der Fabrik nach, ob es die Möglichkeit gibt, für die vom Kunden angefragte Zeit die nötige Papiermenge und -art zu bekommen. Wenn wir diese Bestätigung nicht haben, bieten wir dem Kunden Alternativen beim Papier an oder müssen den Auftrag ablehnen.“

Die Lieferzeiten für größere Mengen würden aktuell bei rund sechs bis sieben Wochen liegen, „manche Lieferzusagen haben wir erst für Dezember“.

Die Gründe

Die aktuelle Situation ist das Resultat einer ganzen Reihe von Faktoren. Zum einen hat die Papierindustrie ihre Produktionsmengen an grafischem Papier in den vergangenen Jahren ohnehin sukzessive reduziert. Um sich auf das lukrativere Geschäft der Verpackungsproduktion umzustellen, sagt der Verband Druck Medien. Weil die Nachfrage zurückgegangen ist, sagt Kurt Maier, Präsident der Austropapier, der Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie und Chef der Heinzel Group. Bereits in den vergangenen Jahren wurden die produzierten Mengen an grafischem Papier um vier bis acht Prozent pro Jahr reduziert, 2020 waren es minus gut 13 Prozent.

Was auch fehlt: Altpapier. Und das hat stark mit der Corona-Pandemie zu tun. 2020 sind die Sammelmengen um drei bis vier Prozent zurückgegangen, heißt es von der ARA gegenüber dem KURIER. Im ersten Halbjahr 2021 ist man wieder um 2,5 Prozent über dem Wert aus dem ersten Halbjahr 2020. Die ARA sammelt jährlich rund 280.000 Tonnen Altpapier, in ganz Österreich fallen 600.000 Tonnen an.

Genau dieses Fehlen an Altpapier heizt jetzt den Papiermangel an – immerhin wird Altpapier wieder zu Papier verarbeitet. „Durch den Rückgang bei grafischem Papier fehlen die Altpapiermengen“, sagt Maier. „Der Kreislauf gerät ins Stocken. Noch dazu war jetzt Sommer, der traditionell schwächer ist.“ Daneben sind auch die Preise für Chemikalien, Strom und Gas, benötigt für die Produktion, gestiegen.

Hamsterkäufe

Verstärkt wird die Papierknappheit nicht zuletzt auch aus den eigenen Reihen, sagt Watzal – durch Hamsterkäufe vor allem großer Druckereien. Außerdem sind auch die Problematik im Suezkanal und schwer verfügbare Container Brandbeschleuniger für die Papierlieferengpässe, weil Druckkapazitäten aus Asien deswegen zurückkommen. Gleichzeitig wird Zellstoff „global gehandelt und gekauft“, und „die Nachfrage in Asien und den USA saugt sehr viel Menge auf“, weiß auch Thomas Salzer, Geschäftsführer der Salzer Papier GmbH in St. Pölten. Dennoch sieht er, dass zumindest die Steigerung im Zellstoff- und auch Energiebereich „nicht mehr so stark“ ist, „ich denke, dass hier ein Plafond erreicht ist“.

Und natürlich habe sich die Industrie bei einer schwächelnden, pandemiebedingten Nachfrage nach grafischen Papieren in Europa auch nach Aufträgen aus Übersee umgesehen, erklärt Industrievertreter Maier. „Diese Aufträge kann man ja nicht gleich stornieren. Das alles ist aus dem Gleichgewicht und das wird wohl noch einige Zeit dauern.“ Auf eine Prognose will er sich nicht festlegen, für heuer glaubt er an keine Entspannung.

Präziser wird Gerald Watzal: Frühestens im Frühjahr 2022 könne es eine solche geben. Eine Rückkehr auf Vorkrisenniveau sieht er nicht. Aktuell liege der 100-Kilo-Preis für Papier im Durchschnitt bei 80 bis 90 Euro, sagt Watzal. Vor zwei Monaten erst habe man eine Steigerung um 7 bis 8 Prozent gehabt, im Oktober steht die nächste in ähnlicher Höhe an, und wohl auch für Jahresbeginn. Dies müsse an Kunden weitergegeben werden, „das ist bei so vielen Steigerungen innerhalb weniger Monate schwierig zu vermitteln“.

Lösen, so Watzal, könne man das Problem nicht. „Wir Kleinen in Österreich können nur appellieren. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.“

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