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Wirtschaft
02/09/2021

Schoellerbank-Chef: Keine Angst vor der Firmen-Pleitewelle

Schoellerbank-CEO Dieter Hengl erklärt im KURIER-Interview, warum er weder Mitbewerber noch kommende Insolvenzen fürchtet.

von Anita Kiefer

Mittlerweile ist fast ein ganzes Jahr mit der Corona-Pandemie vergangen. Wie haben denn Ihre Kunden vor einem Jahr auf die aufkeimende Krise reagiert? 

Dieter Hengl: Wir haben im Dezember 2019 und im Jänner 2020 gesehen, dass die Stimmungsindikatoren an den Börsen zu positiv, zu übertrieben waren. Als Konsequenz wurde in unserer Vermögensverwaltung die Aktienquote reduziert und im Zuge der Krise wieder zugekauft. Wie bereits in früheren Krisenphasen auch, haben wir unsere Kunden umgehend proaktiv informiert. Damit konnten wir unsere Kunden gut durch die Krise begleiten. Es waren kaum Panikverkäufe zu bemerken. 

Was heißt „kaum“?

Dass das die absolute Ausnahme war.

Hatten Sie Learnings aus der Finanzkrise 2008/09, die jetzt geholfen haben? 

Jede Krise geht vorbei. Das zeigt sich auch in unserer Vermögensverwaltung. Wir haben bei unseren Aktiendepots in fast 30 Jahren im Durchschnitt pro Jahr fast acht Prozent Rendite erzielt. Dazwischen gab es die Russland-Krise, die Asien-Krise, die Dotcom-Bubble, die Finanzkrise und die Corona-Krise. 

Die Corona-Krise hat Ihnen also keine schlaflosen Nächte bereitet? 

Krisen sind dazu da, um gemanagt zu werden. Wir haben sehr rasch und richtig reagiert. Noch im April bzw. Mai war die Bereitschaft unserer Kunden zu erkennen, neu zu investieren. 

Haben Sie Angst vor der prognostizieren Pleitewelle? Die könnte ja auch Unternehmen treffen, deren Titel Sie in den Portfolios haben. 

Solche Events führen immer zu einer Transformation in der Wirtschaft. Die kommende Insolvenzwelle wird einige Branchen stärker treffen. Die massiven Hilfspakete der Staaten werden aber dazu führen, dass nur die Unternehmen verschwinden, die keine nachhaltigen Geschäftsmodelle haben. 

Also keine Angst? 

Nein. Wir sind in der Schoellerbank auch vor der Krise nicht in zyklischen Branchen investiert gewesen und setzen ausschließlich auf Qualitätswerte. 

Die Schoellerbank rät von Investments in Bitcoin und Co. ab. Warum? 

Kryptowährungen sind reine Spekulationsobjekte und verfügen über keinerlei Absicherung, wie zum Beispiel der Euro oder der US-Dollar. Mit Spekulation beschäftigen wir uns nicht. 

Wie wichtig ist Ihnen Gold?

Gold ist ein Weg, um Absicherung zu suchen und Risiko zu minimieren. Bei Gold erzielt man aber keine laufenden Erträge. Deswegen sollte es nur ein sehr bescheidener Teil des Gesamtinvestments sein. 

Wie sind Sie mit dem Ergebnis 2020 zufrieden? 

Wir haben unsere Ergebnisse noch nicht veröffentlicht, deswegen kann ich zu den Zahlen nichts sagen. Für unsere Kunden war es aber wieder ein gutes Jahr. Unsere Fonds haben in allen Risikoprofilen eine positive Performance gebracht. Wealth Management ist ein absolutes Wachstumsgeschäft, auch bei uns in der Schoellerbank. Wir werden hier in den nächsten drei bis fünf Jahren stark investieren, etwa in eine neue Beratungs-Plattform. Wir wollen auch als UniCredit in Europa in Richtung Top 5 Vermögensverwalter marschieren. Aktuell sind wir knapp außerhalb der Top 10.

Was heißt „stark investieren“ in Zahlen? 

Auch hier muss ich auf die nicht veröffentlichten Zahlen verweisen. 

Im Privatbankbereich ist der Mitbewerb am österreichischen Markt ein hoher, dazu kommt der Kostendruck. Wie begegnen Sie dem? 

Ein Faktor ist Größe – ohne lässt sich Kostendruck nicht abfangen. Dazu kommt das Niedrigzinsumfeld. Damit fallen für Banken Einnahmen weg, aber nicht so sehr im Private Banking und Wealth Management: Dort bewegen sich die Kunden überwiegend in qualifizierten Veranlagungen. Und letztlich gibt es innerhalb einer Banken-Gruppe höhere Synergien. Deswegen bin ich sehr entspannt, was unsere Wachstumsaussichten angeht. 

Erwarten Sie eine weitere Konsolidierung? 

Ganz bestimmt. Ein Beispiel hat es ja mit einer Schweizer Großbank (UBS, Anm.), die de facto ihr Private Banking in Österreich verkauft hat, erst gegeben. 

Wird es Zukäufe der Schoellerbank geben?

Die Schoellerbank hat als Wealth Management-Komptenzzentrum der UniCredit in Österreich die Weichen auf organisches Wachstum gestellt.

Haben Sie vor, Ihre Standorten zu verändern? 

Nein, wir sind gut aufgestellt. Wir haben im Premium Banking der Bank Austria mehr als 30 Standorte in Österreich, in der Schoellerbank sind wir mit einer Ausnahme (Eisenstadt, Anm.) in allen Landeshauptstädten vertreten. 

Warum braucht es innerhalb eines Konzerns im selben Land zwei Player im Private Banking – eben mit der Schoellerbank und dem Premium Banking der Bank Austria? 

Es braucht verschiedene Angebote für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kunden. Die Schoellerbank hebt sich hier als Österreichs Wealth Management- und Private-Banking-Manufaktur deutlich ab und hat höhere Ansprüche an die Veranlagung. Unsere Kunden sollten ein Mindestvermögen von fünf Millionen Euro haben, das Mindestveranlagungsvolumen liegt bei einer Million Euro. Somit ist die Eintrittshürde höher als im Premium Banking der Bank Austria, wo wir mit 300.000 Euro beginnen. 

Wie wichtig wird Nachhaltigkeit in der Anlage der Zukunft sein? 

Nachhaltige Veranlagungen werden sich rasant weiterentwickeln, auch durch die Klimadiskussion und das Kundenverhalten. Mittlerweile erfüllen 50 Prozent unserer Aktien und Anleihen in der Vermögensverwaltung Nachhaltigkeitskriterien. Auch auf der regulatorischen Seite kommen starke Anforderungen auf uns zu. 

In zehn Jahren – welcher Prozentsatz Ihrer Aktien wird nachhaltig sein? 

Allein im deutschsprachigen Raum sind mehr als 500 Milliarden Euro in nachhaltigen Investments veranlagt. Das Veranlagungsvolumen hat sich in wenigen Jahren verdoppelt und wird sich in den kommenden zehn Jahren nochmals zumindest verdoppeln. Bei uns ist ein Anteil von 70 bis 80 Prozent zu erwarten. Bei Unternehmen ist es undenkbar, dass  Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie nicht besetzt wird – ansonsten könnte es bereits in naher Zukunft herausfordernd sein, Investoren zu finden.

  • Wealth Management Austria (Wealth Management der UniCredit Bank Austria und Schoellerbank, Anm.) ist mit insgesamt mehr als 32 Milliarden Euro an zu verwaltendem Privatvermögen, Firmenvermögen und Stiftungsgeldern (13 Milliarden in der Schoellerbank, 19 Milliarden im Premium Banking der Bank Austria) laut eigenen Angaben die Nummer eins auf dem österreichischen Private-Banking-Markt. 
     
  • Schoellerbank-Vorstandsvorsitzender Mag. Dieter Hengl (56) startete 1990 seine Karriere bei der UniCredit Bank Austria und war in verschiedenen Führungspositionen tätig. Seit September 2019 ist er gesamtverantwortlich für das Wealth Management Austria und CEO der Schoellerbank.
     
  • 2019 lag die Bilanzsumme der Schoellerbank bei 3,9 Milliarden Euro.
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