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Wirtschaft
10/21/2021

Von Heizung bis Miete: Inflation steigt massiv und kein Ende in Sicht

Das Preisniveau liegt wegen hoher Energiekosten um 3,3 Prozent über 2020. Experten warnen vor einem weiteren Anstieg bis Jahresanfang 2022.

von Michael Bachner

Monat für Monat eilt die Teuerung von Rekord zu Rekord. Vor allem die Energiepreise, die nach dem scharfen Einbruch in der Pandemie massiv angezogen haben, treiben die Preise vor sich her.

Ob an der Zapfsäule beim Tanken oder beim Heizen daheim, die Entwicklung verunsichert zusehends. Vor allem deshalb, weil ein Ende der Preisspirale noch nicht wirklich absehbar ist und Politik sowie Europäische Zentralbank hilflos wirken.

Konkret liegen die Treibstoffpreise in Österreich um 23,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Die Preise für Haushaltsenergie (Heizöl, Gas, Strom) liegen um durchschnittliche 10,3 Prozent über dem September 2020. Das sind die Hauptpreistreiber. Insgesamt, also über alle Warengruppen, stieg die Inflation um 3,3 Prozent und damit so stark wie seit dem November 2011 nicht mehr.

Dass die Energiepreise schuld sind an der Inflationsentwicklung, zeigt etwa auch ein Blick auf den Mikro- bzw. den Miniwarenkorb.

Der Mikrowarenkorb spiegelt den täglichen Einkauf wider. Da stiegen die Preise im Jahresvergleich "nur" um 2,5 Prozent, weil die Spritpreise nicht mit einberechnet werden.

Im Miniwarenkorb, der den wöchentlichen Einkauf mitsamt der Treibstoffpreise betrachtet, stieg das Preisniveau hingegen im September bereits um 6,8 Prozent.

Europaweites Problem

Österreich steht mit diesem Problem freilich keineswegs alleine da. Im Europa-Durchschnitt liegt die Inflation mit 3,4 Prozent schon auf dem höchsten Wert seit September 2008, als die globale Finanzkrise mit dem Kollaps von Lehman Brothers ihren Ausgang nahm. Und in Deutschland hat die Teuerungsrate mit 4,1 Prozent erstmals seit 28 Jahren den Wert von vier Prozent überschritten. Überall verweisen Experten auf das teure Öl und Gas, wenn sie nach den Gründen befragt werden.

Im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin warnt man auch vor dem psychologischen Faktor. "Höhere Inflationserwartungen könnten zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden und die tatsächliche Inflation ankurbeln", sagt Studienautorin Kerstin Bernoth.

Die Theorie dahinter: Konsumenten könnten Käufe vorziehen oder als Arbeitnehmer in Erwartung steigender Preise auch höhere Löhne fordern. Und Unternehmen erhöhen ihre Preise, wenn sie mit höheren Einkaufspreisen und Löhnen rechnen.

Inflationsexperte Josef Baumgartner vom Wifo in Wien glaubt jedoch nicht, dass jetzt eine solch klassische Lohn-Preis-Spirale in Gang kommt. "Nur weil die Gewerkschaft einmal einen höheren Abschluss durchsetzt, ist das noch nicht der Startschuss für eine Lohn-Preis-Spirale. Ein höherer Abschluss ist deshalb wahrscheinlich, weil die Auftragsbücher der Industrie voll sind, es den Fachkräftemangel gibt und die Unternehmen höhere Preise bei ihren Kunden auch durchsetzen können."

Baumgartner erwartet den Höhepunkt der Preisentwicklung mit einer Inflation von 4,5 Prozent für den Jänner 2022. Im Durchschnitt des Jahres 2022 werde die Teuerungsrate drei Prozent betragen (heuer: 2,8 %).

Damit wird das kommende Jahr aber auch zum Test, wie ernst die EZB ihr eigenes Inflationsziel von zwei Prozent nimmt. Dass die EZB rasch die Zinsen anheben wird, gilt als unwahrscheinlich. Denn solch ein Schritt würde die Budgets hoch verschuldeter Euroländer mit höheren Zinskosten belasten.

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