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Leitartikel
10/20/2021

Die Angst vor dem Inflationsgespenst ist berechtigt

Die hohe Inflation ist gekommen, um zu bleiben. Dafür sprechen gleich vier Gründe.

von Wolfgang Unterhuber

Ob USA, Europa oder Österreich: Die Inflation entwickelt eine dramatische Dynamik. Im Euroraum ist sie im September so stark gestiegen wie seit 13 Jahren nicht mehr.

Zuletzt hieß es noch, dass dies mit allerlei Basis-, Einmal- oder Sondereffekten zu tun habe und sich bald wieder alles normalisieren werde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Und es gibt gute Gründe dafür, dass die hohe Inflation gekommen ist, um zu bleiben.

Erstens: Die De-Globalisierung. Die hat schon unter Donald Trump begonnen, als er einen Handelskrieg nach dem anderen ausrief. Die Pandemie und ihre Folgen haben den Blutkreislauf der freien Marktwirtschaft dann endgültig ins Stocken gebracht.

Ständig reißen irgendwo Lieferketten, und blockiert ein Frachtschiff einmal den Suezkanal, gerät die Just-in-time-Ökonomie an den Rand des logistischen Abgrunds. So kann das Warenangebot mit der Nachfrage nicht mehr mithalten.

Zweitens: Der Kampf gegen die Erderwärmung. Will man diesen Kampf erfolgreich führen, muss man die Energie verteuern. Unternehmen müssen mehr für CO2-Emissionen zahlen. Zudem wird der klimagerechte Umbau der Industrie enorme Summen verschlingen.

Und die Klimawende befeuert die Rohstoffnachfrage. Wollen die EU, China und die USA ihre Klimaziele erreichen, brauchen sie dafür historisch gigantische Mengen an Kupfer und Aluminium für neue Stromnetze, Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan für Batterien sowie Silber und Silicium für Solarmodule und die „Seltenen Erden“ für Windräder.

Drittens: Die Lohn-Preis-Spirale. Steigt die Inflation, fordern die Beschäftigten höheren Lohn.  Das ist sozialpolitisch nur gerecht, heizt aber die Inflation weiter an.

Viertens: Die Staatsschulden. Erst Finanzkrise, dann Eurokrise, jetzt die Pandemie – der ständige Krisenmodus hat die Schuldenstände der meisten Industriestaaten in gefährliche Höhen getrieben.

An den Finanzmärkten macht derzeit ein  Gerücht die Runde: So manche Regierung sei über die hohe Inflation sogar froh. Denn dadurch würden ja die Staatsschulden (auf Kosten der Steuerzahler) an Wert verlieren.

Natürlich könnten die Notenbanken dem entgegenwirken. Sie könnten ihre Ankäufe von Staatsanleihen einstellen oder sogar die Zinsen erhöhen. Aber das geht nicht.

Vor allem die EZB ist in einer schwierigen Lage: Sie muss den Euro zusammenhalten. Jede Erhöhung der langfristigen Kapitalmarktzinsen würde die südeuropäischen Staaten ruinieren und den Euro gleich mit.

Fazit: Politik und Notenbanken haben uns also in eine Sackgasse manövriert. Der Versuch, das Wachstum nicht zu gefährden, die Märkte nicht kollabieren zu lassen und andererseits die Inflation im Zaum zu halten, darf hiermit als gescheitert betrachtet werden.

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