IBM-Manager Axel Wedler will anderen HIV-positiven Mut machen

© Aids-hilfe.at

Wirtschaft
12/02/2020

HIV-positiv im Job: Firmen "outen" sich gegen Vorurteile

Menschen mit HIV kämpfen gegen Ängste und Benachteiligung am Arbeitsplatz. Ein Arbeitgeber-Initiative will das jetzt ändern.

von Anita Staudacher

Ärzte, Bekannte, die Familie: Alle haben ihm abgeraten, sich als HIV-positiv zu outen. „Ich hörte nur: Mach das nicht. Der Preis dafür ist bei deinem Job viel zu hoch“, erzählt IBM-Manager Axel Wedler. Vier Jahre nach der Diagnose traute er sich doch und war überrascht. Arbeitgeber und Kollegen hatte nicht das geringste Problem damit. „Wäre ich gleich damit rausgerückt, hätte ich mir vier Jahre voller Ängste und Geheimniskrämerei erspart“, sagt Wedler heute.

Er möchte mit seiner Geschichte anderen Betroffenen Mut machen, offen mit einer Infektion umzugehen. „HIV ist eine chronische Krankheit, nicht mehr und nicht weniger. Mit ihr kann ich leben und arbeiten genau wie jeder gesunde Mensch.“

Selbstverständlich ist das leider noch immer nicht. In Österreich gibt es aktuell zwischen 8.000 und 10.000 HIV-Positive. Sie sind bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung zwar genauso leistungsfähig und es besteht im Arbeitsalltag kein Ansteckungsrisiko. Trotzdem halten viele ihre Infektion lieber geheim, weil sie Ängste, Vorurteile und Benachteiligung am Arbeitsplatz fürchten.

„Die Ängste sind völlig unbegründet. Wegen der Unwissenheit kommt es aber immer wieder zu teils versteckter Diskriminierung“, berichtet Manfred Rupp, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Steiermark und Projektleiter von #positivarbeiten Österreich. Die im Vorjahr in Deutschland gestartete Firmeninitiative setzt sich aktiv gegen Benachteiligung und Ausgrenzung von Menschen mit HIV im Job ein. Am gestrigen Welt-Aids-Tag erfolgte der Startschuss in Österreich.

Arbeitgeber-„Outing“

Gemeinsam mit den Aids-Hilfen Österreichs unterzeichneten die ersten 72 Unternehmen eine Arbeitgeber-Deklaration zur Gleichstellung von Menschen mit HIV. Unter ihnen A1, Almdudler, IBM, SAP, ÖBB, Raiffeisen Bank International, UNIQA, einige Ministerien sowie die Stadt Wien. „Eine offene Kultur ist eine wichtige Botschaft. Es darf keinen Unterschied zwischen HIV- und Nicht-HIV-Infizierten geben“, betont SAP-Österreich-Chef Christoph Kränkl.

Projektleiter Rupp hofft, dass viele weitere Unternehmen die Deklaration unterzeichnen. „Wir erwarten, dass durch die Unterstützung der Firmen ein Ruck durch die Gesellschaft geht.“

Rein rechtlich kann in Österreich jeder Beruf mit einer HIV-Infektion ausgeübt werden, einzige Ausnahme ist die erwerbsmäßige Sexarbeit. Der HIV-Status muss dem Arbeitgeber nicht mitgeteilt werden, es besteht keine Auskunftspflicht. Es besteht Diskriminierungsschutz. So darf ein Arbeitnehmer nicht aufgrund einer Infektion mit dem HI-Virus oder einer Aids-Erkrankung gekündigt werden. Der Diskriminierungsschutz müsse aber auch gelebt werden, meint Rupp.

Bei #positivarbeiten schildern HIV-Positive aus unterschiedlichen Berufen ihre Probleme, aber auch positiven Erfahrungen im Job – und wünschen sich vor allem eines: ein Stück Normalität. Nähere Infos finden Sie hier

 

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