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Wirtschaft
07/30/2021

Wirtschaft nach Corona-Einbruch im Turbo-Modus

Die Lockerung der Corona-Maßnahmen hat zu einem deutlichen Wachstumsschub geführt.

von Martin Meyrath, Robert Kleedorfer

Die österreichische Wirtschaft ist mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Frühling kräftig gewachsen (siehe Infokasten). Zum Vergleich: In den ersten drei Monaten lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch 1,1 Prozent niedriger als im Vorquartal und 4,5 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Laut Schnellschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) haben sich vor allem die ehemals von Schließungen betroffenen Bereiche erholt. So wuchsen Handel, Verkehr, Gastronomie und Beherbergung um 20,5 Prozent. In der Industrie setzte sich der positive Trend aus dem ersten Quartal fort. Die Bauwirtschaft stagnierte, allerdings auf hohem Niveau. Im Zuge der positiven internationalen Konjunkturentwicklung legten die Exporte um 14,9 Prozent und die Importe um 9,8 Prozent zu.

Die wirtschaftliche Entwicklung verlief in der gesamten Eurozone positiv. Nach Daten von Eurostat verzeichnete Österreich von April bis Juni das zweitstärkste Wachstum in der Eurozone nach Portugal (4,9 Prozent). Dass die Dynamik in Deutschland mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent hinter den Erwartungen zurückblieb, wird von Experten unter anderem auf Probleme bei den internationalen Lieferketten zurückgeführt.

Im Zuge des Aufschwunges entspannte sich auch die Lage am Arbeitsmarkt. In den 19 Ländern der Eurozone sind insgesamt 12,5 Millionen Menschen ohne Job. Die Arbeitslosenquote fiel im Juni erneut auf 7,7 Prozent.

Ausblick mit Risiken

Für das gesamte Jahr erwarten das Institut für Höhere Studien (IHS) und die Industriellenvereinigung heuer ein Wirtschaftswachstum von etwa dreieinhalb Prozent. Das Wifo ist mit einem Plus von vier Prozent noch optimistischer, 2022 soll sich das Wachstum noch beschleunigen. Allerdings zeichnen sich auch Risiken ab. Eine weitere Welle der Corona-Pandemie, etwa durch die Delta-Variante, könnte die Erholung ausbremsen.

Manche Beobachter sehen auch den Anstieg der Inflation kritisch. Diese lag im Juli im Euroraum bei 2,2 Prozent (Jahresvergleich). Das ist über dem mittelfristigen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent und die höchste Teuerungsrate seit Oktober 2018. In Österreich betrug die Inflation im Juli laut Schnellschätzung der Statistik Austria sogar 2,7 Prozent. Dahinter steht vor allem, dass die Preise für Treibstoff und Haushaltsenergie nach dem Einbruch 2020 wieder anziehen.

Der Höhepunkt der Inflation dürfte allerdings noch nicht erreicht sein. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos erwartet, dass der Höhepunkt von drei Prozent im europaweiten Schnitt im November erreicht wird. Die Entwicklung soll aber vorübergehend sein und kommendes Jahr wieder abflauen. Erste Group-Chef Bernd Spalt ist skeptisch. „Die Inflation sollten wir im Auge behalten.“ Frühestens Anfang 2022 könne man sagen, ob die EZB mit ihrer Einschätzung richtig liege. Die Notenbanken in Ungarn und Tschechien haben bereits die Leitzinsen erhöht, um gegenzusteuern.

Die gute Wirtschaftslage spiegelt sich laut Spalt in den Bankbilanzen (siehe unten) wider. Österreichs Banken konnten die Risikokosten sowie die Kreditvorsorgen gegenüber dem Vorjahr drastisch reduzieren.

+ 4,3 % Quartalsvergleich
Österreichisches BIP-Wachstum im Vergleich zum ersten Quartal 2021

+ 11,4 % Jahresvergleich
Österreichisches BIP-Wachstum im Vergleich zum zweiten Quartal 2020

+ 2 % Eurozone im Quartal
BIP-Wachstum der Eurozone im Vergleich zum ersten Quartal 2021

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