Michael Strugl kam erst Anfang 2019 zum Verbund

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
09/30/2021

Für Verbund-Chef sind Enteignungen denkbar

Beim Ökostrom-Ausbau ist laut Michael Strugl keine Zeit zu verlieren.

von Martin Meyrath

"Das Jahr 2030 ist in der Energiewirtschaft morgen", so Michael Strugl, Chef von Österreichs größtem Stromkonzern Verbund. Um die Ausbauziele bis dahin zu erreichen, sei deswegen ein breiter gesellschaftlicher Schulterschluss notwendig. Denn die "Symbole der Energiewende" – die neuen Kraftwerke, Speicher und Leitungen – werde man sehen. Dass so weitreichende Veränderungen auch zu Verwerfungen führen, "liegt auf der Hand“, so Strugl.

Um die Akzeptanz für den Ökostrom-Ausbau in der Bevölkerung zu erhöhen, sind laut dem Verbund-Chef Partizipation und Transparenz wichtig.

Die Projektbetreiber müssten die Karten von vornherein auf den Tisch legen. Einsprüche werde es dennoch immer wieder geben. Strugl kann sich vorstellen, dass es letztendlich zu Enteignungen und Entschädigungszahlungen kommen wird. „Das ist aber nichts Neues“ und sei in der Vergangenheit etwa beim Straßenbau auch schon vorgekommen, so Strugl. „Damit muss ein Rechtsstaat umgehen können“.

Problem bei Widmung von Flächen

Ein Problem sieht der Manager auch bei der Widmung von ausreichend Flächen und der Dauer der Genehmigungsverfahren. Zum Teil liege das am Personalmangel bei den Behörden. Die Verfahren würden immer komplexer, weswegen es dafür immer mehr Sachverständige brauche. Der Idee einer vorgeschriebenen Maximaldauer der Prüfverfahren kann Strugl dennoch nichts abgewinnen. Denn insbesondere großen Bauprojekten könne man dann vielleicht nicht gerecht werden. Allerdings könnten die Verfahren nach Einschätzung Strugls gestrafft werden.

Das Argument, dass Österreich und Europa ohnehin nur einen kleinen Teil der weltweiten Emissionen ausmachen, will Strugl nicht gelten lassen, denn „irgendjemand muss anfangen“.

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