Wirtschaft 08.03.2013

Heimische Einkommensschere weit geöffnet

Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen hat sich in den letzten 14 Jahren nicht verringert. © Bild: Reinhard Vogel

In der Privatwirtschaft verdienen Arbeiterinnen nur 68 Prozent des jeweiligen Männerlohns, weibliche Angestellte gar nur 66 Prozent.

Die Schere zwischen den Einkommen von Frauen und Männern klafft in Österreich besonders weit auseinander - trotz der schon lange erhobenen Forderung "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit". In der Privatwirtschaft verdienen Arbeiterinnen nur 68 Prozent des jeweiligen Männereinkommens, weibliche Angestellte gar nur 66 Prozent. Im öffentlichen Bereich fällt der Einkommensunterschied deutlich geringer aus.

Ein Teil der Einkommensschere lässt sich auf die bei Frauen deutlich häufigere Teilzeitarbeit zurückführen. Doch auch beim Vergleich von Vollzeitbeschäftigten verdienen Frauen in Österreich nur 81 Prozent des jeweiligen Männereinkommens. Diese Schere zwischen den Einkommen von Frauen und Männern ist in Österreich mit 19 Prozent überdurchschnittlich groß. In den Industriestaaten (OECD) liegt die Differenz im Schnitt nur bei 16 Prozent. In Norwegen bekommen Frauen lediglich 8,4 Prozent, in Belgien nur 8,9 Prozent weniger Gehalt als Männer.

Bildung

Die Schere bei Bildungsabschlüssen zwischen Frauen und Männern ist seit über zehn Jahren geschlossen, bei Studienverläufen schließen Frauen teilweise besser ab. Als Kehrseite der Fortschritte am Bildungssektor stelle sich nun heraus, dass viele hochqualifizierte Frauen in schlecht entlohnten Branchen bzw. unsicheren Arbeitsverhältnissen landen. Als Beispiele für die "Feminisierung" einer Branche, die mit einem Einkommensverlust einhergehe, wurden Journalismus und Werbung genannt.

Entscheidend seien immer auch die Rollenbilder, die in der Gesellschaft über Frauen bestehen und die auch das Auftreten und die Entscheidungen von Frauen prägen, erläuterte Barbara Marx, Leiterin der Bundesfrauenabteilung in der GPA-djp: Werden Frauen als künftige Führungskräfte wahrgenommen, oder als "Dazuverdiener" zum Mann. Wenn Frauen schon bei der Einstellung nicht mehr Gehalt fordern, sondern "dankbar" für den Job sind, wirke sich der geringere Anfangslohn auch später bei Prämien etc. dämpfend aus. "Wenn sich die Rollenbilder nicht ändern, sind die Bemühungen zum Schließen der Einkommensschere zum Scheitern verurteilt", meint Marx.

Managerinnen: Österreich EU-weit hinten

Österreich ist beim Anteil der weiblichen Manager in der EU nur an 20. Stelle. An der Spitze steht nach einer am Donnerstag von Eurostat veröffentlichten Studie zum Internationalen Frauentag Lettland mit 45 Prozent vor Ungarn (41) und Frankreich (40. Der EU-Durchschnitt liegt bei 33 Prozent, Österreich kommt auf 27 Prozent, Schlusslicht ist Zypern mit nur 15 Prozent.

Hinter Lettland, Ungarn und Frankreich folgen hier Polen und Litauen (je 39), Slowenien (38), Bulgarien (37), Estland (36), Großbritannien und Schweden (je 35), Portugal und Irland (je 34), Finnland (32), Rumänien und Slowakei (je 31), Belgien, Deutschland, Spanien und Niederlande (je 30), Dänemark (28), Österreich (27), Tschechien (26), Luxemburg und Italien (je 25), Malta (24), Griechenland (23) und Zypern (15).

Bei den Ärztinnen rangiert Österreich mit einem Anteil von 44 Prozent laut Eurostat knapp unter dem EU-Durchschnitt von 45 Prozent auf Rang 17. Spitzenreiter sind die baltischen Staaten. Estland und Lettland weisen je 74 Prozent weibliche Mediziner auf, Litauen kommt auf 70 vor Rumänien (69), Slowenien (59), Polen (57), Slowakei (56),Finnland (55), Ungarn und Tschechien (je 54), Spanien und Portugal (je 51), Niederlande, Schweden, Dänemark und Großbritannien (je 45), Österreich (44), Deutschland (42), Frankreich (41), Irland und Griechenland (je 39), Italien und Malta (je 37), Belgien (36) und Luxemburg (30). Keine Daten lagen von Bulgarien und Zypern vor.

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Erstellt am 08.03.2013