Fast jede zweite Frau in Teilzeit

Fast jede zweite Frau in Teilzeit
Der Vollzeitjob wird immer seltener, zugleich steigt in Österreich die Teilzeit und geringfügige Beschäftigung.

Der gute alte "9-to-5-Job" wird in Österreich immer weiter zurückgedrängt. Wie aus den aktuellen Daten der Statistik Austria hervorgeht, geht bereits fast ein Drittel, konkret 31 Prozent, aller unselbstständig Erwerbstätigen in Österreich einer so genannten "atypischen Beschäftigung" nach. Im Jahresdurchschnitt 2011 arbeiteten 1,097 Millionen Menschen, davon 834.000 Frauen arbeiten entweder Teilzeit, geringfügig, in Leiharbeit oder mit einem freien Dienstvertrag.

Während die freien Dienstverträge auf Grund der sozialrechtlichen Angleichung seit Jahren zurückgehen und die Leiharbeit konjunkturabhängig schwankt, gibt es die größte Zunahme eindeutig bei der Teilzeitbeschäftigung. Und die ist nach wie vor Frauensache. Schon 45 Prozent aller beschäftigten Frauen arbeiten weniger als 36 Stunden in der Woche, 1994 waren es erst knapp 26 Prozent.

"Der Trend zur steigenden Teilzeitarbeit bei Frauen zeichnet sich krisenunabhängig schon seit längerem ab", analysiert die Statistik Austria. Tatsächlich gingen in den Jahren 2009 und 2010 die Normalarbeitsverhältnisse zurück, während die Teilzeit ungebrochen zunahm. Die generell steigende Erwerbstätigkeit bei Frauen, der wachsende Dienstleistungssektor und die nach wie vor mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind für die WIFO-Arbeitsmarktexpertin Hedwig Lutz die wichtigsten Gründe für die steigende Teilzeit. "Der Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder und Ältere ist nach wie vor nicht so, dass es einer Vollzeitarbeit zuträglich wäre", fasst Lutz zusammen.

SP-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist der Meinung, dass viele Frauen sich zur Teilzeit gezwungen sehen. Laut Erhebung der Statistik Austria gibt aber nur jede achte Teilzeitbeschäftigte an, mehr arbeiten zu wollen, während 36 Prozent aller arbeitslos gemeldeten Frauen nur eine Teilzeitarbeit anstreben. Laut AMS ist die Nachfrage nach Teilzeitarbeit viel höher als das Angebot. Bei den Männern spielt Teilzeit mit einem Anteil von 8,1 Prozent noch immer eine untergeordnete Rolle.

Positiv-Effekte

Fast jede zweite Frau in Teilzeit

Für einen flexiblen Arbeitsmarkt habe die hohe Teilzeitquote auch positive Effekte, bestätigt Lutz: "Wenn es nur die Möglichkeit Vollzeit oder gar nicht gibt, wird eher gekündigt". Im EU-Vergleich zeigt sich, dass Länder mit einer relativ hohen Teilzeitquote, wie Österreich, die Niederlande oder Deutschland, geringere Arbeitslosenquoten aufweisen. Wenig verbreitet ist Teilzeit etwa in Osteuropa, aber auch in Italien oder Spanien.

Flexiblere, längere Öffnungszeiten und wohl auch Kostendruck führen vor allem im Tourismus und im Handel zu immer mehr geringfügig Beschäftigten. In Summe stieg deren Anzahl Ende Juni 2012 auf einen Höchststand von 320.000 Beschäftigte. Das größte Plus gibt es bei Älteren, insbesondere Frauen, die zum Teil auch Betreuungsaufgaben erledigen.

Laut Statistik Austria treten atypische Beschäftigungsformen vermehrt am Beginn und am Ende einer Berufslaufbahn auf. Ausnahme: Befristete Verträge und Leiharbeitsverhältnisse sind deutlich auf jüngere Altersgruppen konzentriert.

 

Beschäftigung: Mehrere Kategorien

Normalarbeitsverhältnis Unbefristete Anstellung auf Vollzeitbasis (ausg. Leiharbeiter).

Atypisch Beschäftigte in Teilzeit sind unselbstständig Erwerbstätige, die nur wegen ihrer Teilzeiterwerbstätigkeit (ab 12 Stunden/Woche) als atypisch beschäftigt gelten. Ebenfalls atypisch – aber getrennt davon zu betrachten – sind geringfügig Beschäftigte, Teilzeitarbeit unter 12 Stunden/Woche und freie Dienstnehmer.

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