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Wirtschaft
03/16/2021

Energielieferanten richtig wechseln

Worauf ist beim Wechsel des Strom- und Gasanbieters zu achten? Der KURIER hat vier gängige Internetplattformen ausprobiert und bei einem Experten nachgefragt.

von Martin Meyrath

Sie heißen Energy Hero, Durchblicker oder Compera. Auch die Post hat einen. Und alle haben ein gemeinsames Versprechen: Sparen bei der Strom- und Gasrechnung. Denn die Rede ist von Online-Vergleichsrechnern für Strom- und Gastarife.

Diese Internetplattformen sollen für Transparenz sorgen. In dem seit 2001 liberalisierten Markt gibt es österreichweit inzwischen 155 Strom- und etwa 50 Gasanbieter. Die Preisspannen sind beträchtlich, und dementsprechend groß ist das Interesse der Konsumenten.

Im Jahr 2020 verzeichnete die staatliche Regulierungsbehörde E-Control knapp 317.000 Lieferantenwechsel. Laut der E-Control können Konsumenten mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden (kWh) durch einen Wechsel zum günstigsten Anbieter bis zu 280 Euro pro Jahr sparen, ohne Neukundenrabatt etwa 150 Euro. Beim Gas ist die Ersparnis mit bis zu 650 bzw. 330 Euro ohne einmaligem Rabatt noch höher.

Inzwischen ist das Geschäft mit den Vergleichsrechnern so stark gewachsen, dass es für die Konsumenten selbst unübersichtlich geworden ist.

Für seine Leserinnen und Leser, die den Strom- oder Gasanbieter wechseln wollen, hat der KURIER vier gängige Internetportale getestet: Durchblicker, Compera, Energy Hero und den Energiekostenrechner der Österreichischen Post. Für den KURIER-Test nehmen wir einen fiktiven Haushalt in Niederösterreich mit einem österreichischen Durchschnittsstromverbrauch von 3.500 kWh pro Jahr an.

Durchblicker

Als Erstes gibt man auf der Website seine Postleitzahl und den Verbrauch ein. Als Nächstes fragt die Seite einige Präferenzen ab. Danach bekommt man eine übersichtlich formatierte Liste von Energieunternehmen, sortiert nach dem günstigsten Anbieter. Bis zu 187 Euro weniger könnte unser fiktiver Haushalt demnach für Strom zahlen – blieben noch 615 Euro fürs gesamte Jahr.

Doch Vorsicht: Unter dem Preis steht kleiner „im 1. Jahr“. Diese Tarife enthalten also Wechselrabatte. Weiter unten auf der Liste, bei den teureren Angeboten, finden sich auch Tarife, die „jährlich“ gelten – hier gibt es also keinen einmaligen Wechselbonus. Die Ersparnis schrumpft dann auf 103 Euro zusammen. 

Für alle angeführten Tarife gibt es einen Wechselservice. Klickt man auf „Zum Wechsel“, bekommt man eine Aufschlüsselung der Kosten und nähere Informationen zum Tarif. Der Klick auf „Weiter“ führt zu einem Online-Formular, in das man seine persönlichen Daten eingeben und den Wechsel beauftragen kann.

Compera

Die Plattform Compera liefert ein ähnliches Ergebnis wie Durchblicker. Allerdings ist der billigste Anbieter hier ein anderer. 599 Euro pro Jahr an Kosten und eine Ersparnis von 194 Euro werden geboten. Interessanterweise ist das Angebot somit zwar ähnlich, die Berechnungsgrundlage aber offenbar nicht kohärent, denn die Preisdifferenz von 16 Euro findet sich nicht vollständig in der errechneten Ersparnis wieder. Der einmalige Wechselbonus wird auch bei Compera nicht explizit, sondern durch die Angabe „im 1. Jahr“ angegeben. Hat man sich für einen Tarif entschieden, drückt man auf die Schaltfläche „Zum Wechsel“. 

Post

Der Vergleichsrechner der Post weist die E-Control als Datenquelle aus. Hier findet sich mit Kosten von 541 Euro und 252 Euro errechneter Ersparnis im ersten Jahr das bisher beste Angebot. Allerdings gibt es nicht für alle Tarife einen Wechselservice, unter anderem für die drei billigsten nicht. Man müsste sich den Anbieter also wiederum im Internet suchen und überprüfen, ob dort die gleichen Preise angegeben werden.

Wer nicht jedes Jahr wechseln will, sollte seinen Anbieter jedoch nicht nach einmaligen Rabatten auswählen. Im Gegensatz zu anderen Plattformen kann man bei der Post in einem Menü auf der linken Seite auswählen, ob Tarife mit einmaligem Wechselrabatt angezeigt werden sollen, oder nicht. Bei Stromanbietern für  die die Post einen Wechselservice anbietet, findet sich neben dem Angebot die Schaltfläche „Tarif auswählen“. Bevor man den Auftrag erteilt, bekommt man die Details des ausgewählten Tarifs aufgelistet.

Energy Hero

Vorab: Das Unternehmen ist keine Vergleichsplattform, sondern ein Wechselservice. Jeweils vor Ablauf der Mindestvertragszeit wird der günstigste Tarif für den Kunden gesucht und bei Bedarf der Lieferant gewechselt. Diese Dienstleistung kostet pro Jahr 36 Euro, oder 54 für Strom und Gas. Diese „Abokosten“ müssen also einberechnet werden. 

Auch bei Energy Hero gibt man Wohnort und Verbrauch in eine Maske ein. Diese ist optisch sehr einfach gehalten. Als Nächstes muss man weitere Präferenzen auswählen, unter anderem ob man vor allem geringe Teilbeträge oder eine möglichst große Gesamtersparnis sucht. Auch bei Energy Hero wird die E-Control als Datenquelle angegeben und die Kosten werden aufgeschlüsselt.  Die günstigste Variante für unseren fiktiven Haushalt kostet hier mit 541 Euro exakt gleich viel wie bei der Post. Allerdings werden nicht, wie bei anderen Plattformen, unterschiedliche Anbieter aufgelistet, denn der Vertragspartner ist Energy Hero selbst.

Fazit

Alle Plattformen versprechen Ersparnis, die jeweils günstigsten Angebote unterschieden sich aber um bis zu 74 Euro. Alle getesteten Plattformen bieten die Möglichkeit, Präferenzen wie zum Beispiel 100 Prozent Ökostrom, eine Preisgarantie oder Rechnung für Energie- und Netzkosten aus einer Hand einzugeben. Das günstigste Angebot im KURIER-Test hatte der Energiekostenrechner der Post, allerdings ohne den Komfort eines Wechselservice. 

Ein großer Teil der maximal möglichen Ersparnis ergibt sich bei allen Plattformen durch die Wechselrabatte. Der Unterschied macht dabei bis zu 148 Euro aus. In den Folgejahren wären die jeweiligen Tarife teurer als die besten Angebote ohne einmaligen Preisnachlass.  Wer sich für einen einmalig vergünstigten Tarif entscheidet, sollte beachten, ob es eine mehrjährige Vertragsbindung gibt. Beträgt die Bindung nur ein Jahr, kann man danach wieder zum Bestbieter wechseln. Wer sich darum nicht kümmern will, kann einen Wechselanbieter beauftragen. Von der Ersparnis bleibt dann aber weniger übrig.

1. Jahresverbrauch. Um ein realistisches Angebot zu bekommen, muss der Verbrauch des Vorjahres in den Kalkulator eingegeben werden. Durchschnittswerte basierend auf der Zahl der Personen im Haushalt sind wenig aussagekräftig.

2. Einmalige Rabatte. Prüfen Sie, ob es sich um Lockangebote mit befristeten Nachlässen handelt. „Die meisten Strom- und Gasanbieter gewähren hohe Preisrabatte, die nur im ersten Jahr gültig sind. Das kann dazu führen, dass Sie im zweiten Jahr nach Vertragsabschluss mit deutlich höheren Kosten konfrontiert sind“, so AK-Experte Josef Thoman. Diese Rabatte sind außerdem oft stark mengenabhängig. Wenn der Verbrauch also von dem des Vorjahres abweicht, könne der Nachlass „deutlich geringer“ ausfallen. 

3. Vertragsbindung. Weiters sollten Wechselwillige beachten, ob das jeweilige Angebot eine Bindungsfrist beinhaltet. Wenn der Lieferant den Preis erhöht oder die Geschäftsbedingungen ändert, kann der Vertrag gekündigt werden. Das gilt jedenfalls, wenn nicht ein dynamischer Preis vereinbart ist, etwa durch Bindung an den österreichischen Gas- oder Strompreisindex.

4. Zählerstand melden. Die AK empfiehlt, am Tag des Wechsels den Zählerstand abzulesen und dem Netzbetreiber zu melden. Dadurch ist belegt, welche Menge von welchem Lieferanten bezogen wurde.

5. Cold Calling. „Finger weg“ heißt es jedenfalls bei Lockangeboten durch sogenanntes Cold Calling. Wenn Sie jemand unaufgefordert anruft, um Ihnen ein Angebot zu unterbreiten, handelt es sich wahrscheinlich um Betrug.

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