© Kurier/Gilbert Novy

Wirtschaft
08/17/2020

Die schwierige Suche nach dem Bundesheer-Helikopter

Drei Helikoptertypen haben gute Chancen, kostentechnisch gibt es große Unterschiede.

von Armin Arbeiter

Erst sollte sie im Sommer kommen, jetzt ist von Anfang Herbst die Rede: Die Entscheidung, welches Helikoptermodell künftig für das Bundesheer fliegen soll. Um die 300 Millionen Euro sollen die 18 Helikopter kosten, die die altgediente Alouette III (seit 1967 im Einsatz) ersetzen. Um ein Desaster wie beim Ankauf der Eurofighter zu verhindern, geht das Verteidigungsministerium vorsichtig vor, hüllt sich bezüglich der Typenentscheidung in Schweigen. Doch die Gerüchteküche brodelt.

Zwei Hubschraubermodellen werden große Chancen nachgesagt. Da ist zum einen der AW169 vom italienischen Hubschrauberhersteller Leonardo, zum anderen der US-amerikanische Bell 429. Der H 145 von Airbus dürfte wegen des Firmennamens ausscheiden und wäre politisch zu riskant – wenngleich sich Experten einig sind, dass dieses Modell am ehesten den Anforderungen Österreichs entspräche.

Hohe Betriebskosten

Ein direktes Geschäft mit einem der Rüstungskonzerne ist ausgeschlossen. Das Verteidigungsministerium setzt – aus Eurofighter-Gründen – vehement auf ein Government-to Government-Geschäft. Und die italienische Regierung ist gerade dabei, AW169 anzuschaffen. Auch der Generalstab scheint für Leonardo zu sein. Sechs der 18 Helikopter sollen zu Trainingszwecken angeschafft werden.

„Mit einem AW169 zu üben, würde immense Betriebskosten verursachen. Außerdem ist die schiere Größe des Geräts schon eine Herausforderung für frische Piloten“, erfährt der KURIER hinter vorgehaltener Hand aus dem Ministerium. „Der AW169 wird etwa von der italienischen Armee zu Trainingszwecken genutzt“, kontert Leonardo gegenüber dem KURIER, außerdem könnten Kosten durch Flugsimulatoren eingespart werden, mit denen es auch möglich sei, „riskante Missionen oder Manöver“ zu üben.

Jedes der Modelle sei für sich genommen ein Gutes, heißt es von verschiedenen Experten und Soldaten. Jedoch gäbe es in puncto Betriebskosten einen gewaltigen Unterschied.

Während der italienische Helikopter für zehn Personen ausgerichtet ist und stolze 4,6 Tonnen auf die Waage bringt, wiegt der Bell 429 nur 3,4. Was sich auch auf die Kosten pro Flugstunde auswirkt: 1.100 Euro kostet der AW169 pro Stunde, mehr als doppelt so viel wie der Bell 429. Für ein Bundesheer, das extrem unterfinanziert ist, durchaus eine erwähnenswerte Summe. Berechnungen der „Hubschrauber-Ratingagentur“ Conklin & de Decker zufolge kostet der AW169 nach 20 Jahren und jährlich 400 Flugstunden um 137 Millionen Euro mehr als die 18 Bell-Modelle – und 50 Millionen mehr als jene von Airbus.

„Wir haben unsere eigenen Daten, in denen unser Modell eine viel bessere Performance abliefert“, nimmt Leonardo dazu Stellung. Aus Wettbewerbsgründen könnten diese Daten nicht veröffentlicht werden.

Ein Argument der AW169-Befürworter ist die Größe des Helikopters, laut Leonardo tendiere das Militär weltweit „zu größeren Maschinen mit mehr Platz“. Dennoch dürfte eine Rettung im hochalpinen Gelände dadurch schwieriger werden: „Da bin ich mit einer kleineren Maschine einfach besser beraten. Ich komme näher an die Felswand“, sagt Luftfahrtexperte Georg Mader zum KURIER.

Drei Partnerschaften

Einer, der Erfahrung in der Flugrettung hat, ist Roy Knaus, Chef des Unternehmens HeliAustria. Bekäme Bell den Zuschlag, wäre seine Firma einer von drei österreichischen Partnern des texanischen Konzerns. Am Standort Bad Vöslau würden die Helikopter – in Zusammenarbeit mit dem Bundesheer – zusammengebaut. „Es kämen fünf bis sieben Arbeitsplätze dazu – das wäre für unser Unternehmen eine interessante Sache. Vor allem betreiben wir seit 20 Jahren die Bell-Transporthubschrauber 212 und 412, kennen also das System“, sagt er zum KURIER.

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