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Wirtschaft
08/10/2020

Commerzialbank-Skandal: Jetzt beginnt Restlverwertung in Mattersburg

Konkursverwalter wollen etwaiges Vermögen zu Geld machen, Gastro-Tochter Florianihof ist auch insolvent.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Die Mega-Pleite der Commerzialbank Mattersburg hat gestern, Montag, ihr nächstes Opfer gefordert. Laut Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform musste die Florianihof Betriebs GmbH, Betreiberin des gleichnamigen Restaurants in Mattersburg, Konkurs anmelden. Pleite-Ursache ist die Insolvenz der Commerzialbank, sie ist die Eigentümerin des Florianihof. 21 Dienstnehmer sind von dem Konkurs betroffen, der Schuldenberg beträgt laut Firmenangaben 3,3 Millionen Euro.

Auffällig ist, dass die Restaurantbetreiberin mit zumindest 1,127 Millionen Euro bei der Commerzialbank in der Kreide steht. In dieser Höhe hat die Bank jedenfalls zwei hypothekarische Pfandrechte auf die Restaurant-Liegenschaft im Jahr 2000 bzw. 2015 ins Grundbuch eintragen lassen.

Der Gastrobetrieb, dessen Umsatz in den vergangenen Jahren zurückging, soll nun geschlossen werden. Zu den Angeboten des Florianihof zählte auch die Essens-Belieferung von älteren Kunden („Essen auf Rädern“).

Gestern, Montag, wurden aber auch im Konkursverfahren der Commerzialbank Mattersburg die wichtigsten Weichen gestellt. Erstmals tagte der Gläubigerausschuss. In der zweistündigen Sitzung legten die Masseverwalter Gerwald Holper und Michael Lentsch (Kanzlei Kosch & Partner) mit der Konkursrichterin und den Gläubigervertretern einen groben Fahrplan fest. So sollen die Verbindlichkeiten und die Vermögenswerte (Masse) bewertet werden.

Verwertung läuft an

„Ich mache das, was ich in jedem Insolvenzverfahren mache, ich sichere die Masse, verwerte sie und verteile den Erlös an die Gläubiger“, sagt der renommierte Insolvenzexperte Lentsch zum KURIER. „Das Bargeld und die Guthaben werden gesichert, die Kredite sind Forderungen, die geltend gemacht werden, auch die Liegenschaften und Beteiligungen werden verwertet.“ Außerdem wird geprüft, welche Forderungen gegen Ex-Vorstände, Aufsichtsräte und Bilanzprüfer bestehen.

Gesicherte Zahlen über den Schaden sollen derzeit noch nicht vorliegen.

Dem Vernehmen nach beträgt das Loch rund 690 Millionen Euro. Lentsch will diese Zahl nicht kommentieren. Fakt ist aber, dass die Einlagensicherung ESA mittlerweile mehr als 400 Millionen Euro an Commerzialbank-Kunden ausgezahlt hat.

500 Millionen Euro

Lentsch und sein Kollege Holper gehen davon aus, dass die Einlagensicherung am Ende rund 500 Millionen Euro ausschütten wird. Die Einlagensicherung ist damit nicht nur der größte Gläubiger der Commerzialbank, sondern sie hat den Vorrang vor allen übrigen Gläubigern. Oder anders gesagt: Erst wenn die Einlagensicherung den letzten Euro ihrer Forderung erhalten hat, werden die anderen Gläubiger den ersten Cent aus dem Konkurstopf sehen. Die Wahrscheinlichkeit dafür scheint sehr gering zu sein.

Indes ist die Aufarbeitung der Causa laut Lentsch bereits „in vollem Gange“ und erfolgt in Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden. Zugleich wollen die Masseverwalter Sachverständige mit der forensischen Aufarbeitung beauftragen. Lentsch: „Es wird uns in der nächsten Zeit nicht fad werden.“

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