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Chronik Burgenland
08/07/2020

Commerzialbank: Martin Puchers geheime Connection in den Nahen Osten

Wie der gefallene Chef der Skandalbank mehrere Hundert Millionen einnehmen wollte.

von Patrick Wammerl

„Das Geld ist nicht verloren“. Eine der ersten Aussagen Martin Puchers nach dem Bilanzskandal um seine Commerzialbank Burgenland hat anfangs niemand so recht verstanden. Langsam lichten sich aber die Schatten rund um diese kryptische Aussage. Die Hoffnung Puchers steckt in den Patenten einer angeblich „revolutionären Umweltentwicklung“ und „der saubersten Energiequelle der Zukunft“. Luftschloss oder doch der letzte Rettungsanker für Hunderte betrogene Bankkunden? Der Fall ähnelt einem Wirtschaftskrimi.

Der KURIER hat sich auf Spurensuche begeben und ist an der Judengasse 11 in Mattersburg fündig geworden.

An der Adresse der Commerzialbank residiert auch die Macom GmbH – „Ma“ für Mattersburg, „Com“ für Commerzialbank. Alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer ist Martin Pucher, die Bank selbst hält als Gesellschafter 24 Prozent der Firmenanteile.

Tatsächlich glaubt Pucher bis heute, dass die Umwelt-patente der Macom der große Wurf sind und der Bank mehrere Hundert Millionen Euro einspielen können. Mit diesem Gedanken ist der 64-Jährige nicht allein. Der KURIER hat im deutschen Hessen mit Franz Josef Philipp den Kopf und Mitgesellschafter der Macom GmbH aufgespürt und mit ihm gesprochen.

Patente bei der Bank

Philipp hat Pucher Anfang der 2000er-Jahre kennengelernt. „Sie standen in einer Kreditbeziehung zueinander. Als Sicherheit hat die Commerzialbank 24 Prozent der Gesellschaftsanteile und die Rechte für die Patente erhalten“, bestätigt Puchers Anwalt Norbert Wess.

Laut dem Deutschen werden seine Umweltpatente treuhänderisch von der Commerzialbank verwaltet. „Jetzt sind sie nichts wert, erst wenn ich sie technisch umsetze, geht es um viel, viel Geld“, so Philipp. Der erwartete Millionensegen dreht sich unter anderem um eine Entwicklung zur Isolierung von CO2 in einem Abgasstrom. Das Ergebnis sei umweltfreundliche Energiegewinnung und laut Pucher und seinem Partner die „größte umweltschonende Energiequelle der Zukunft.“ Beide sprechen von einer „weltverändernden Entwicklung“. „Es ist der große Durchbruch im Klimaschutz“, so der Deutsche.

An diesen Strohhalm scheint sich auch seit Jahren Pucher zu klammern. Es war sein Plan B, um die Bank vor dem sicher geweihten Untergang zu retten. Aber wo bleibt dann das große Geld? „Das ist nicht so einfach. Es müssen noch entsprechende Verträge unterzeichnet werden“, erklärt sein Mitgesellschafter.

„Umwelt-Hokuspokus“

Er selbst unterliege einer Geheimhalteklausel, aber Schweizer Vermögensverwalter hätten zahlungskräftige Investoren an der Hand, die bereit wären, einen Betrag in „dreistelliger Millionenhöhe“ zu investieren. „Ich kenne Pucher als einen Ehrenmann. Er wird alles dafür tun, dass die geschädigten Menschen an ihr Geld kommen“, so Philipp.

Auch wenn Wess noch nicht genau weiß, was er von dem „Umwelt-Hokuspokus“ halten soll, so bestätigt er, dass es Puchers letzte Hoffnung ist, den finanziellen Schaden so gering wie möglich zu halten. Bei der jüngsten Einvernahme durch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat der gefallene Banker darauf insistiert, ein Protokoll anzufertigen, dass die Zukunft der Macom GmbH durch den Einsatz eines neuen Geschäftsführers sichert, bestätigt Wess.

„Es ist sein emotionaler Rettungsanker“, so der Anwalt. Der Banker hat auch eine Firmenbucheingabe unterschrieben, die ihn aus der Funktion des Alleingeschäftsführers entlässt. „Es soll eine geeignete Person an seine Stelle treten“, sagt Wess.

Katar und Abu Dhabi

Dass Pucher sich an diesen Strohhalm klammerte, zeigen einige Flüge in den Nahen Osten. Wie auch Wess und Philipp unisono bestätigen, gab es Reisen nach Abu Dhabi und Katar. Sie haben dazu gedient, betuchte Investoren für die Umweltpatente zu gewinnen. Zurückgekommen sei Pucher mit der mündlichen Zusage über 200 Millionen Dollar. Danach habe sein schwerer Schlaganfall und die gesundheitlichen Folgen im Winter 2015 angeblich finale Gespräche für den Deal zunichtegemacht. „Verhandlungen mit ihm waren da nicht mehr möglich. Nach dieser Sache haben wir begonnen etwas Neues zu entwickeln“, sagt der deutsche Erfinder.

Bis dato wurden die Angaben zu den Patenten im Ermittlungsverfahren noch nicht überprüft.

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