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Chronik Burgenland
08/04/2020

Commerzialbank Mattersburg: Chronik eines Finanzskandals

Der Kriminalfall um die Commerzialbank Mattersburg hat inzwischen eine politische Ebene dazugewonnen. Ein chronologischer Überblick.

von Ida Metzger, Johanna Hager

14. Juli – Selbstanzeige
In den Mittagsstunden gibt Martin Pucher, Chef der Commerzialbank Mattersburg (CBM) und Präsident des Fußball-Bundesligist SV Mattersburg, die Schlüssel der Bank ab und erstattet Stunden später Selbstanzeige wegen Bilanzfälschung. Laut Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) ruft Landeshauptmann Hans Peter Doskozil die FMA um 17.30 an, ob die CBM geschlossen werden wird. Drei Stunden später bestätigt die FMA dem burgenländischen Landeschef Selbiges.

14. Juli – Bank-Schluss
21.41 Uhr – Das Regionalmanagement Burgenland (RMB/Tochtergesellschaft des Landes) will online 1,2 Millionen Euro überweisen– und scheitert. Um 23.43 Uhr berichtet die APA, dass die FMA mit sofortiger Wirkung der CBM die Fortführung des Geschäftsbetriebs entzieht. Ein Regierungskommissär wird bestellt.

15. Juli – „Dramatische Lage“
Doskozil geht in einer Pressekonferenz davon aus, „dass das Geld weg ist“. Pucher tritt Stunden später von allen Ämtern zurück. Rund 13.500 Privatkunden und 720 Betriebe sind betroffen. Der Technologiekonzern Frequentis wird 31 Millionen Euro verlieren, der Veranstalter Barracuda-Events 34, der Wohnbaukonzern Gesiba 17,5, Tausende ihr Erspartes – die Einlagensicherung reicht bis 100.000 Euro. Laut Chef der Einlagensicherung werden 450 Millionen Euro an Ex-CBM-Kunden ausbezahlt werden.

16. Juli – 500 Millionen
Ingrid Salamon, Bürgermeisterin von Mattersburg, spricht von „einer menschlichen Katastrophe“, die Stadtgemeinde habe indes kein Geld bei der CBM veranlagt. Laut KURIER-Recherchen fehlen bis zu 500 Millionen Euro in den Büchern der CBM.

17./18. Juli – Mehrfache Prüfung
Laut „Profil“ hat die Nationalbank (OeNB) die CBM 2015 und 2017 geprüft, jedoch keine Hinweise auf Bilanzfälschung gefunden. Die FMA habe zudem jüngst zwei anonyme Hinweise wegen Ungereimtheiten bei der CBM erhalten.

20. Juli – U-Haft-Forderung
Doskozil kritisiert die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) und spricht sich öffentlich für Untersuchungshaft von Ex-Banker Pucher aus, da Verdunkelungsgefahr bestehe. Am 27. 7. stellt die FMA Insolvenzantrag für die CBM – die Bank hat zu diesem Zeitpunkt 528 Million Euro Schulden, die Polizei richtet die „Soko Commerz“ ein.

30. Juli – Einvernahmen
Vormittags wird Ex-CBM-Chef Pucher von der WKStA gefragt, ob er Kunden am 14. 7. vorgewarnt habe. Er verneint laut Anwalt vehement. Nachmittags wird Ex-CBM-Vorständin Franziska K. einvernommen. Sind am 14. 7. vorab Infos an Kunden ergangen, wollen die Ermittler wissen. Sie fahren mit K. und dem Regierungskommissär in die CBM-Zentrale. Im Bank-System findet dieser den Online-Überweisungsauftrag über 1,2 Millionen der RMB. Aufgabe der Ermittler ist es, herauszufinden, wer Informationen weitergegeben hat.

1. August – Rücktritt
SPÖ-Wirtschaftslandesrat Christian Illedits tritt zurück. Grund: Er hätte 2018 ein 100-Gramm-Goldblatt im Wert von 5.400 Euro vom SV-Mattersburg nicht annehmen dürfen.

2. August – 1,2 Millionen-Überweisung
Der KURIER berichtet aus Ermittlerkreisen, dass die RMB in den Abendstunden des 14. Juli 1,2 Millionen Euro online überwiesen haben soll. „Die auffälligste Geldüberweisung“ in besagter Nacht.

3. August – „Lüge“
Doskozil bezichtigt den KURIER in einer Pressekonferenz am Vormittag der „Lüge“, um 19.00 räumt er gegenüber dem ORF ein, dass es einen Überweisungsversuch gegeben hat. Mehrere Personen hätten bis zu 10 Millionen Euro zu beheben versucht. Die ZiB wiederholt trotzdem Doskozils Lügen-Vorwurf vom Vormittag.

4. August – Bestätigung
Die „Presse“ berichtet, die CBM habe fiktive Kredite über 690 Millionen Euro vergeben. Die FMA bestätigt nachmittags den KURIER-Bericht vom 2. August. Es gab den RMB-Überweisungsversuch.

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