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Wirtschaft
07/16/2020

Nach Commerzialbank-Skandal: Wie Kunden jetzt zu ihrem Geld kommen

Viele Kunden sind nach der Bankenpleite im Burgenland ratlos. Wie man zu seinem Geld kommt und warum der Kredit trotzdem fällig wird.

von Simone Hoepke

  • Eine Einlagensicherung klingt nach einer guten Sache. Aber wie komme ich als Commerzialbank-Kunde jetzt konkret an mein Geld?
    Derzeit gar nicht. Die Einlagensicherung Österreich (ESA) hat Donnerstagnachmittag noch auf die Datensätze für die 60.000 Kunden gewartet. Über das Wochenende werden die Daten überprüft, am Montag eingeschriebene Briefe an alle Kunden versendet. Diese erhalten damit einen Code, mit dem sie sich auf der Webseite der Einlagensicherung (einlagensicherung.at) einloggen können.
     
  • Wie kompliziert ist die Antragstellung?
    Ganz einfach, versichert die ESA. Nach der Registrierung mit dem Code sehen Kunden all ihre Konten bei der Commerzialbank und den voraussichtlichen Entschädigungsbetrag. Sie müssen dann ihre neuen Bankdaten bekannt geben, an die die Entschädigungssumme überwiesen werden soll. ESA-Geschäftsführer Stefan Tacke: „Bis Mittwoch soll das Geld überwiesen werden.“ Vorausgesetzt, der Kontoinhaber hat den Antrag gestellt und bereits ein neues Bankkonto eröffnet. In Mattersburg standen am Donnerstag Kunden Schlange, die ein neues Konto bei einer anderen Bank eröffnen mussten.
  • Was soll man tun, wenn man keinen Zugang zum Internet hat?
    Wer keinen Verwandten oder Freund um Hilfe bitten will, kann sich ab kommenden Montag an ein Servicecenter wenden, das von der ESA in der Hauptanstalt der Commerzialbank in Mattersburg (Judengasse 11) eingerichtet wird.
     
  • Bis zu welchem Höchstbetrag springt die Einlagensicherung überhaupt ein?Gesichert sind Guthaben auf Konten und Sparbüchern bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Kreditinstitut. Hat also jemand 50.000 Euro am Konto und zwei auf seinen Namen lautende Sparbücher mit jeweils 50.000 Euro, sind nur 100.000 Euro davon durch die Einlagensicherung abgesichert. Ganz durch die Finger schauen übrigens Gemeinden.
     
  • Was passiert, wenn ich mehr als 100.000 Euro am Konto bei der Bank habe?„Dann haben Sie im Falle einer Insolvenz die Möglichkeit, den darüber hinausgehenden Betrag im Rahmen des Insolvenzverfahrens als Forderung anzumelden“, erklärt Tacke. Sprich, man muss die Forderung beim Masseverwalter anmelden. „Dann können sie nur hoffen, dass im Zuge des Verfahrens noch einiges an Bankvermögen auftaucht. Vereinfacht gesagt, wird dieses Verfahren dann versilbert und der Erlös daraus quotenmäßig auf alle Gläubiger aufgeteilt.“ Wie hoch die Quote ist, steht in den Sternen.
  • Was passiert, wenn ich Wertpapierdepots oder Gegenstände im Safe der Bank habe?Da bei der Bank quasi der Stecker gezogen wurde, kann man auch auf die Depots nicht mehr zugreifen und kommt nicht mehr zum Safe. Ansprechpartner ist hier der Regierungskommissär oder – im wahrscheinlichen Fall einer späteren Insolvenz – Masseverwalter.
     
  • Was wenn ich ein anonymes Sparbuch bei der Bank habe, also ein Sparbuch mit Losungswort, das nicht auf meinen Namen läuft? Auf solchen Sparbüchern können per Gesetz grundsätzlich nicht mehr als 15.000 Euro liegen. Wer ohnehin einen Code zugesandt bekommt, kann das Sparbuch im Zuge der Anmeldung legitimieren. Alle anderen können ab Montag ein Formular auf der Homepage der Einlagensicherung herunterzuladen und Forderungen anmelden.
     
  • Was ist, wenn ich einen Kredit bei der Commerzialbank laufen habe?„Es kann sich keiner die Hoffnung machen, dass er um seine Kreditverbindlichkeiten umfällt“, stellt Alexander Klikovits vom Kreditschutzverband (KSV1870) klar. Kommt es zu einem Insolvenzverfahren ist der Kreditnehmer Schuldner der Konkursmasse und muss den Kredit bzw. die Kreditraten weiter bezahlen. Der Masseverwalter gibt das Vertragsverhältnis möglicherweise an einen Dritten weiter, erklärt Klikovits.
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