Altersarmut ist vor allem ein Frauenproblem

© APA/BARBARA GINDL

Studie
02/04/2014

Altersarmut trifft jede zehnte Österreicherin

Älter und länger in Pension: Frauen sind von Altersarmut dreimal öfter betroffen als Männer.

Frauen in Österreich gehen im Schnitt mit 57,5 Jahren in Pension. "Die durchschnittliche österreichische Frau hat dann noch etwa 28 Jahre vor sich", sagt Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich. Und diese Zeit wird erschreckend oft in Armut gefristet.

Die Allianz hat eine Studie zum Thema "Altersarmut bei Frauen" in Auftrag gegeben, die dreißig OECD-Länder berücksichtigt. Ergebnis: Die Armutsquote - definiert als Bevölkerungsanteil, dessen verfügbares Einkommen unter 50 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens beträgt - liegt bei Frauen über 65 Jahren bei 15 Prozent - im Vergleich zu 11 Prozent bei den Männern dieser Altersgruppe. Das Risiko Altersarmut ist in 90 Prozent der untersuchten Länder bei Frauen um zumindest die Hälfte größer als bei Männern.

Auch in Österreich gibt es einen deutlichen Unterschied in der finanziellen Situation von über 65-Jährigen: Nur 3,6 Prozent der Männer in diesem Alter liegen mit ihrem Einkommen unter der Armutsgrenze, bei Frauen beträgt dieser Wert 10,1 Prozent.

Über 40 Prozent verwitwet

In anderen Ländern ist der Geschlechterunterschied noch signifikanter: Die Armutsrate der Frauen befindet sich in Finnland, Irland und Norwegen etwa um 10 Prozentpunkte über jener der Männer, signifikante Unterschiede gibt es auch in Italien, der Slowakei und den Vereinigten Staaten, wo mehr als ein Viertel aller Über-65-Jährigen Frauen unter der Armutsgrenze lebt. Den größten Anteil an armen Seniorinnen gibt es in Südkorea - hier ist fast jede zweite Frau von Altersarmut betroffen ist. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Irinnen und die Australierinnen, Österreich liegt auf Rang 20.

Bei verwitweten Frauen ist das Risiko einer Verarmung erheblich größer. Im Jahr 2011 waren 43 Prozent aller Österreicherinnen über 65 Jahren verwitwet. Grund dafür ist auch ein - gegenüber den Männern - stärkerer Anstieg bei der Lebenserwartung: Betrug der Unterschied in der Lebenszeit im Jahr 1950 noch 1,8 Jahre, haben derzeit in Österreich Frauen eine um fünfeinhalb Jahre höhere Lebenserwartung als Männer (82,7 Jahre vs. 77,2 Jahre).

Im Schnitt gehobener Standard

Versöhnliches zum Schluss: Generell geht es Senioren in Österreich finanziell besser als in den meisten anderen Ländern. Wie die OECD in ihrer Ende November veröffentlichten Studie "Pensionen auf einen Blick" festhielt, ist der Lebensstandard der Menschen über 65 in Österreich relativ hoch. Ende der 2000er Jahre lag das verfügbare Einkommen der älteren Menschen bei 91 Prozent des verfügbaren Einkommens der Gesamtbevölkerung. Österreich zählt somit zu den zehn Ländern in der OECD mit den besten Ergebnissen, der Durchschnitt in der OECD beträgt 86 Prozent.

Bezüglich der Pensionshöhe im Vergleich zum Letztgehalt liegt Österreich im OECD-Vergleich sogar an dritter Stelle.

Lebenserwartung und Einkommen

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