Was Trumps Wahlsieg für verhütende Frauen bedeutet

Auf Twitter und Facebook zeigen sich Frauen nach Trumps Wahlsieg besorgt über die Zukunft der Verhütung in den USA.

Seit Mittwoch ist Donald Trump der designierte neue US-Präsident. Viele US-Amerikanerinnen warnen einander nun auf sozialen Medien vor den möglichen Konsequenzen für den Zugang zu diversen Verhütungsmitteln. Das berichten unter anderem die Washington Post und CNN.

Finanzierung ungewiss

Bereits während des Wahlkampfs hatte Trump mehrfach angekündigt, den von Barack Obama installierten Patient Protection and Affordable Care Act abzuschaffen. Das Bundesgesetz aus dem Jahr 2010 regelt den Zugang zur Krankenversicherung und damit einen wesentlichen Aspekt des US-Gesundheitssystems. Auch die Kosten für alle von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) abgesegneten Mittel zur Empfängnisverhütung wurden damit bisher abgedeckt. Dazu zählen auch sogenannte Intrauterinpessare (IUP), umgangssprachlich auch Spiralen genannt, die eine niedrig dosierte hormonelle (Hormonspirale) beziehungsweise hormonfreie (Kupferspirale, etc.) Langzeitverhütung ermöglichen. Dadurch wurden Verhütungsmittel in den vergangenen Jahren für Frauen wesentlich zugänglicher und die Wahl des Verhütungsmittels konnte unabhängig von den Kosten getroffen werden.

Da bisher kein Ersatzplan für die von Obama eingeführten Maßnahmen vorgelegt wurde, sorgen sich viele Frauen jetzt um die Finanzierung ihrer Verhütungsmittel. Im vergangenen September sprach sich Trump lediglich gegen rezeptpflichtige Verhütungsmittel aus. Detaillierte Aussagen dazu traf er nicht.

Keine Zuschüsse für Planned Parenthood unter Trump

Während Hillary Clinton die seit 1970 von der amerikanischen Bundesregierung unterstützte Organisation Planned Parenthood (zu Deutsch: "Geplante Elternschaft") befürwortet, spricht sich Trump gegen die Finanzierung ebendieser aus. Grund dafür ist seine ablehnende Haltung gegenüber Abtreibungen. Planned Parenthood bietet in über 650 Kliniken im Land medizinische Dienste an, vor allem in den Bereichen Sexualmedizin, Gynäkologie und Familienplanung. Hierzu gehören Schwangerschaftstests und Schwangerschaftsbegleitmaßnahmen, bestimmte Krebsvorsorgeuntersuchungen, Tests auf sexuell übertragbare Erkrankungen und deren Behandlung, Verhütungsmittel und Schwangerschaftsabbrüche. Für Schwangerschaftsabbrüche darf der Verein rechtlich jedoch keine Gelder ausgeben.

Nachdem Trump am Mittwoch als neuer US-Präsident feststand, wandte sich die Organisation daher auch via Social Media und mit einem öffentlichen Statement an die Bevölkerung. Der Tenor: Man werde weiterhin für die medizinische Versorgung und die Rechte der Patienten kämpfen.

Verunsicherte Patientinnen

Für viele Frauen ist demnach unklar, wer künftig die Kosten für die Verhütung tragen wird. Das bestätigt auch die Gynäkologin Dr. Anne Davis, im Gespräch mit CNN. Sie berichtet von einer regelrechten Panik, die sich unter ihren Patientinnen breit mache. Viele Frauen seien in den Tagen nach der Wahl gar aufgelöst in ihre Praxis gekommen. Zudem hätten ihre Sprechstundenhilfen eine erhöhte Zahl an Anruferinnen registriert, die sich nach Spiralen erkundigt hätten. "Sie sagten 'Das ist schon der dritte Anruf heute Früh von einer Frau, die gesagt hat, sie bräuchte die Spirale so bald wie möglich, weil sie besorgt sei, dass sie künftig selbst dafür bezahlen müsse'", so Davis.

Ihr Rat an unsichere Patientinnen: "Sie müssen mit jemandem reden und herausfinden, was basierend auf individuellen Faktoren die beste Verhütungsmethode für sie ist. Wenn man eine Langzeitmethode will, wie eben eine Spirale, dann muss man mit erheblichen Kosten rechnen - also sollte man sie einsetzen lassen, solange es noch bezahlt wird."

Intrauterinpessare - worum es sich dabei handelt

Die Kupferspirale gehört, ebenso wie das Kupferkettchen, das Kupferbällchen, die Goldspirale oder die Hormonspirale, zur Gruppe der Intrauterinpessare (IUP). Damit werden Medizinprodukte zur Langzeitverhütung bezeichnet, die direkt in die Gebärmutter eingesetzt werden. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Gruppen von Intrauterinpessaren: nicht-hormonelle (Kupferspirale, Kupferkettchen, Kupferbällchen, Goldspirale) und hormonelle (Hormonspirale).

Während die Hormonspirale durch die konstante Abgabe von Hormonen in der Gebärmutter die Einnistung der Eizelle bzw. eine Befruchtung verhindert, sorgen bei den nicht-hormonellen Modellen Kupfer- oder Goldionen für die Empfängnisverhütung. Zum einen schränken die Ionen die Beweglichkeit der Spermien ein, sodass eine Befruchtung der Eizelle erschwert wird. Zum anderen wird die Gebärmutterschleimhaut in ihrem Aufbau derart verändert, sodass sich die Eizelle selbst im Falle einer Befruchtung nicht einnisten kann.

Der Pearl Index (PI) von nicht-hormonellen IUPs beträgt je nach Modell und Studie zwischen 0,1 und 08, Prozent. Sie zählen damit zu den sehr wirksamen Verhütungsmethoden - nicht zuletzt weil Anwendungsfehler durch die lange Tragedauer praktisch ausgeschlossen werden. Zum Vergleich hat die Antibabypille, als nach wie vor beliebtestes Verhütungsmittel, im Schnitt einen PI von 0,3.

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