Wellness
22.01.2018

Gynäkologe: Frauen lehnen Abstrich oft aus Scham ab

Ein Drittel der Frauen verweigert beim Gynäkologen aus Scham den Krebsabstrich. Das hat eine Umfrage aus Großbritannien ergeben. Experten warnen vor den Gefahren, die davon ausgehen.

Der Krebsabstrich am Gebärmutterhals stellt die wichtigste Methode zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs dar. In Österreich wird Frauen seit den 1970er-Jahren der zytologische Abstrich, der PAP-Test, empfohlen. Bei dieser Untersuchung geht es darum, Zellveränderungen am Gebärmutterhals zu diagnostizieren. So können Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs behandelt werden. Einer britischen Erhebung zufolge verzichten jedoch viele Frauen auf den Abstrich, weil sie sich für ihren Körper schämen. Das berichtet der Telegraph unter Berufung auf die Umfrage der Krebshilfeorganisation Jo's Cervical Cancer Trust.

Gefährliche Scham

Der Studie zufolge lehnt eine von vier Frauen zwischen 25 und 64 Jahren den PAP-Test ab, in der jüngeren Altersgruppe (25 bis 29 Jahre) vernachlässigen drei aus vier Frauen regelmäßige Tests. In manchen Regionen des Landes würde gar die Hälfte aller Patientinnen auf den Abstrich verzichten, heißt es. 35 Prozent der Befragten gaben an, den Test aus Schamgefühl wegen ihrer Figur abzulehnen, 38 Prozent sorgen sich um ihren Geruch in der Intimzone. Bei jüngeren Befragten sagte ein Drittel, dass man einem Abstrich beim Gynäkologen nur zustimmen würde, wenn zuvor der Schambereich enthaart worden sei.

#SmearForSmear

Die Scham, die Frauen für ihren eigenen Körper empfinden, sei besorgniserregend und würde in diesem Kontext Leben gefährden, heißt es seitens der Organisation. Daher wurde im Rahmen der diesjährigen Cervical Cancer Prevention Week (Aktionswoche zur Schaffung von Bewusstsein für Gebärmutterhalskrebs) eine Kampagne gestartet, die die Wichtigkeit des Krebsabstrichs hervorhebt. Unter dem Hashtag #SmearForSmear wird daran erinnert, wie wesentlich der PAP-Test im Sinne der Krebsvorsorge ist. "Krebsabstriche können 75 Prozent aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen verhindern und wir haben große Sorge, dass viele junge Frauen, die das höchste Risiko aufweisen, sich der Wichtigkeit nicht bewusst sind", betont Robert Music, Leiter von Jo's Cervical Cancer Trust im Interview mit dem Telegraph.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken jährlich rund 528.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Im Jahr 2012 starben 266.000 Frauen an den Folgen dieser Krebsart. Die WHO prognostiziert zudem bis 2035 einen Anstieg der Zahl der Erkrankten auf 756.000.

Bei der Bewertung des Abstrichs im Labor wird eine Einteilung in fünf Grade getroffen. Gruppe I und II gelten als unbedenklich, die Gruppen IV und V diagnostizieren entartetes Gewebe bis hin zu Gebärmutterhalskrebs. Dazwischen liegen die Stufen III und IIID – dabei handelt es sich um einen unklaren Abstrich, der leichte bis ausgeprägte entzündliche Veränderungen belegt. Liegt ein PAP-Befund der Stufe IV vor, wird eine Biopsie angeordnet, bei der Gewebematerial entnommen wird. Handelt es sich um entartetes Gewebe, wird ambulant ein kleiner Gewebekegel aus dem Gebärmutterhals entnommen. Die Bildung eines Karzinoms kann so verhindert werden. Ein Befund der Stufe V bedeutet, dass Zellen von Gebärmutterhalskrebs vorhanden sind. Bei einer Kürettage wird das Gewebe durch Ausschabung entfernt.

Mehr über den PAP-Test lesen Sie hier.